Aufstieg und Fall der Familie Osmani

Der Aufstieg und Fall der Familie Osmani in Hamburg liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Doch die unglaubliche Karriere der albanischen Brüder in der Hansestadt ist bittere Realität, und je mehr Licht in ihre Geschichte kommt, um so undurchsichtiger wird der Filz aus Geschäften, Politik und Verbrechen. Der kometenhafte Aufstieg der Familie begann 1979, als der Älteste der vier Brüder, Quazim Osmani, völlig mittellos aus dem Kosovo nach Deutschland kam und in kürzester Zeit ein Millionenvermögen anhäufte, dessen Grundstock er nach eigenen Angaben mit Glücksspielgewinnen gelegt haben will. In den folgenden zwanzig Jahren baute der Osmani-Clan ein millionenschweres Imperium auf und stieg zu einer der reichsten Familien Hamburgs auf. Dieser Reichtum begründet sich vor allem auf Immobiliengeschäften und Etablissements im Hamburger Rotlichtviertel rund um die Reeperbahn. Unter anderem gehören den Osmanis so bekannte Lokale wie das „Café Keese“ und die „Heiße Ecke“. Eine entscheidende Rolle spielt Mario Mettbach Doch in den letzten Monaten scheint sich das Glück von den Osmanis abzuwenden, und spätestens seitdem Burim Osmani seit Mai in Nürnberg wegen des Verdachts der Beihilfe zum schweren Betrug in Untersuchungshaft sitzt, erhärtet sich der Verdacht auf illegale Machenschaften und schlägt in der Hansestadt sehr hohe Wellen. Burim Osmani soll mit Scheinverträgen dafür gesorgt haben, daß Millionenkredite an Dritte ausgezahlt wurden, die ihm dies mit großzügigen „Provisionen“ dankten. Weiterhin steht der Name Osmani im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den Ex-Chef der Volksbank Lauenburg, Carsten Heitmann, wegen Untreue. Der ehemalige Leiter der provinziellen Volksbank soll Kredite in Millionenhöhe ohne ausreichende Sicherheiten vergeben haben. Gelder in Höhe von vierzig Millionen sollen direkt oder über Umwege in Projekte der Osmanis im Inland, aber auch in Kroatien und Mazedonien geflossen sein. Die drohende Pleite der Bank nach dem Ausfall der Kredite konnte nur durch den Notfallfonds der Volks- und Raiffeisenbanken aufgefangen werden. Unklar ist bisher die Rolle des Geesthachter Anwalts Hauke Hillmer, der immer wieder geschäftlich mit den Osmanis in Verbindung gebracht wird und bis 2003 Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Laubenburg war. Besondere Brisanz erreichte der Fall Osmani allerdings Mitte des Jahres, als bekanntwurde, daß die geschäftlichen Kontakte der Brüder bis in den Hamburger Spitzenpolitik reichen. Eine entscheidende Rolle spielt hier der ehemalige Bausenator und zweite Bürgermeister der Hansestadt Mario Mettbach (zunächst CDU, dann Statt-Partei und Schill-Partei, jetzt wieder CDU). Nachdem er dafür gesorgt hat, daß nach dem Rauswurf Ronald Schills die Koalition mit der CDU nicht sofort brach, wechselte er die Partei und bekam nach seiner Senatorenzeit einen Beratervertrag der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF). Im Zuge seiner Beratertätigkeit soll Mettbach für Burim Osmani, der wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, geschäftliche Kontakte zum Hamburger Senat unterhalten haben. Aufgrund dieser Kontakte und des daraus erwachsenen öffentlichen Drucks wurde sein Beratervertrag im Juni dieses Jahres durch Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) gekündigt, der ihn in diese Schlüsselposition geholt hatte. Nach Mettbachs Rausschmiß sollte in der Bürgerschaft geklärt werden, wer ab wann von den Kontakten zwischen Mettbach und dem verurteilten Osmani wußte. Auch Hamburgs erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mußte sich in der Bürgerschaft Fragen der SPD-Fraktion gefallen lassen. Insbesondere ging es hier um ein Gespräch zwischen von Beust und Mettbach, in dem dieser sich für die Nutzung eines Grundstücks auf der Reeperbahn einsetzte, welches Burim Osmani gehört. Von Beust bestritt, von den Eigentumsverhältnissen Kenntnis gehabt zu haben, obwohl er entsprechende Aktenvermerke abgezeichnet hatte, und mußte sich dafür im Parlament als Lügner bezeichnen lassen. Im Gegenzug kritisierte er die SPD, deren Bezirksamtsleiter Mitte Markus Schreiber sich ebenfalls mit Mettbach zu Gesprächen über das Grundstück traf. Aber nicht nur CDU und SPD haben mit der Sache Osmani zu kämpfen. Auch der Bezirksamtsleiter von Altona, Hinnerk Fock (FDP), mußte sich rechtfertigen, als bekanntwurde, daß für ein Asylantenheim im Auftrag seines Bezirks monatlich knapp 39.000 Euro an die Betreiberfirma GGS Grundstücksgesellschaft gezahlt wurden, deren Geschäftsführer und Alleineigentümer Burim Osmani ist. Auch aus einem Bericht des Bundesnachrichtendienstes aus dem Jahr 2003, der sich mit den Osmanis und der organisierten Kriminalität befaßt, wurde in der parlamentarischen Anfrage der SPD an den Senat zitiert. Da die Familie Osmani offenbar gute Kontakte in alle politischen Lager unterhielt, konnte auch mit diesem Vorgehen der Sachverhalt bis auf gegenseitige Schuldzuweisungen nicht weiter aufgeklärt werden. Angesichts der personellen Einflußnahme und der weitreichenden Kontakte zwischen der albanischen Familie und den politischen Kreisen Hamburgs erscheint auch der Zusammenhang recht brisant, den der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, zwischen Osmani und dem früheren Innenstaatsrat Walter Wellinghausen (SPD) herstellt. Einbürgerungsantrag liegt auf Eis Dieser war zunächst als Anwalt in einer Kanzlei tätig, die die Osmani-Brüder vertrat, bis er vom ersten Bürgermeister zum Innenstaatsrat ernannt wurde. Im Rahmen seiner politischen Tätigkeit sollte er nun für die Polizei zuständig sein. Als Reaktion auf diese Personalie quittierte der damalige Leiter der Abteilung organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt seinen Dienst. Untermauert wird der vermutete Interessenkonflikt außerdem durch den Vorwurf, Wellinghausen habe nach Beendigung seines Amtes einen internen Leitfaden zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität behalten, was dieser jedoch bestreitet. Während einiges darauf hindeutet, daß nach dem Bekanntwerden der unschönen Geschäftskontakte zwischen der Stadt und der Familie Osmani und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die Tage der albanischen Brüder in Hamburg gezählt sind, wurde jüngst bekannt, daß die städteeigene Tourismus GmbH (HHT) am 18. September einen Werbevertrag mit dem Lokal „Pupasch“ schloß, dessen Chef Bashkim Osmani ist. Gespannt darf daher auch erwartet werden, wie die Stadt Hamburg über den – zwar vorerst auf Eis gelegten -Einbürgerungsantrag des in Untersuchungshaft sitzenden Burim Osmani entscheidet.

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