Den deutschen Einfluß sichern

Auf der mehrtägigen Tagung des Bundes deutscher Nordschleswiger (BdN) bereiteten sich im Januar die Vertreter der deutschen Minderheit in Dänemark bereits auf die kommende Kommunalwahl vor. Eine Prognose für den Ausgang der Abstimmung, die voraussichtlich am 15. November stattfindet, kann man kaum abgeben, denn bei unserem nördlichen Nachbarn erfolgte eine grundlegende Reform der innenpolitischen Struktur. Das Königreich Dänemark war schon immer anders organisiert als die Bundesrepublik. Die Kommunen, die bereits vor einigen Jahren durch Zusammenlegungen vergrößert worden sind, waren zusammengefaßt zu Ämtern, etwa vergleichbar mit den deutschen Kreisen, jedoch mit dem Unterschied, daß sie über einen Großteil der Steuerhöhe und Verwendung mitbestimmen konnten. Etwa acht Prozent gehören zur deutschen Minderheit Das historische Nordschleswig, jener Teil, der bis 1920 zum Deutschen Reich gehörte, bildete bislang das Amt Sønderjylland – etwa acht Prozent der Einwohner zählen zur deutschen Minderheit. Weil die Aufgaben der Kommunen immer umfangreicher und teurer geworden waren, wurde eine Strukturreform beschlossen. Danach geht Nordschleswig auf in einer Großregion Süddänemark (Syddanmark), deren Grenze nördlich von Esbjerg verläuft und auch die Ferieninsel Fünen (Fyn) umfassen wird. Sitz der zentralen Verwaltung soll Vejle werden. Aus den zahlreichen kleineren Gemeinden Nordschleswigs werden dann fünf Großkommunen: Tondern (Tønder), Tingleff (Tinglev), Apenrade (Aabenraa), Sonderburg (Sønderborg) und Hadersleben (Haderslev). Sie werden weiterhin zuständig sein für die Finanzierung der Kindergärten, der Schulen, der sozialen und kulturellen Einrichtungen auch der deutschen Minderheit. Die deutsche Volksgruppe plädierte zwar für die Beibehaltung des historisch gewachsenen Amtes Nordschleswig, doch richtet sie sich jetzt darauf ein, in den neuen Gebietskörperschaften ihren Einfluß zu sichern. Erfreulicherweise kommen alle dänischen Parteien der einzigen nationalen Minderheit in Dänemark entgegen. Natürlich ist es schwierig, in großen Gemeinden die für ein Mandat notwendige Stimmenzahl bei Wahlen zu gewinnen. Daher bemüht sich die deutsche Seite, die übrigen Parteien zu überzeugen, daß für die Gemeinden im alten Nordschleswig die größtmögliche Anzahl von Gemeindevertreten vorgesehen wird – 31. Sie ist auf ein positives Echo gestoßen. Aber selbst wenn in dem einen oder anderen Falle die Partei der deutschen Minderheit, die Schleswigsche Partei (SP), nicht die notwendige Stimmenzahl für ein Mandat erringt, wird sie mit Sicherheit in den Kommunalparlamenten vertreten sein, wenn auch ohne Stimmrecht. Dazu genügt nämlich nach einer Sonderregelung, die die Kopenhagener Regierung geschaffen hat, nur ein Stimmanteil von 25 Prozent der für das „billigste“ Mandat notwendig ist, und das wären etwa 330 Stimmen. Bisher war die SP in fünf Kommunen mit Abgeordneten vertreten, in einer ganzen Reihe anderer aber nicht, weil es dort zwar deutsche Stimmen gab, die aber nicht ausreichten für einen Abgeordneten. Das könnte sich in Zukunft bei den Großkommunen günstig auswirken, weil dann keine deutsche Stimme mehr verlorengeht. Ein wichtiges Argument, da manche Deutsche wegen drohender Wirkungslosigkeit davon absahen, SP zu wählen. Auf der Jahrestagung der deutschen Volksgruppe verkündete SP-Chef Gerhard Mammen das Ziel: Man will 5.000 Stimmen gewinnen und in jeder neuen Großkommune mindestens ein Mandat. Das bedeutet ein Plus um 14 Prozent, doch sind vor allem die jungen Leute optimistisch: „Das ist zu schaffen!“ Und dabei denkt man auch die 5.000 Bundesbürger, die in Nordschleswig leben und bisher nur zum kleinen Teil der SP ihre Stimmen gaben. Die SP versteht sich sowohl als die Vertretung der Deutschen wie als die Partei der Region Nordschleswig. Sie kämpft um neue Ausbildungsplätze, und dazu gehört auch die Stärkung der Universität in Sonderburg; sie setzt sich ein für den Ausbau der Industrie wie der Infrastruktur. Es müßten neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auch damit die deutschen Jugendlichen nach ihrer Ausbildung nicht ins nördliche Dänemark oder nach Deutschland abwandern – und so die deutsche Volksgruppe schwächen. Es zeigte sich auf der Tagung, daß der BdN über eine Riege intelligenter, selbstbewußter junger Leute verfügt, die, wenn man sie denn aufbaut und fördert, die nächste Generation der Leitung der Volksgruppe abgeben kann. Akzeptanz der Deutschen in Nordschleswig ist gestiegen Die Akzeptanz der Deutschen in Nordschleswig hat sich in erfreulicher Weise verbessert. So berichtete die deutsche Zeitung Der Nordschleswiger, daß in Apenrade ein Platz nach Michael Jebsen benannt wurde, den Firmengründer der Jebsen-Reederei, die zu den bedeutendsten Firmen in Apenrade gehört und überaus erfolgreich in Ostasien tätig ist. Bei der Enthüllung des neuen Straßenschildes wünschte der dänische Bürgermeister, daß man sich in Apenrade den deutschen Tugenden Jebsens, nämlich Fleiß, Disziplin und Zuverlässigkeit, anschließen möge. Ein solcher Wunsch wäre noch vor zehn Jahren in Dänemark unmöglich gewesen. Die Zeichen für die deutsche Volksgruppe in Dänemark stehen gut. Näheres über den Bund deutscher Nordschleswiger (BdN) und die Ortnamen im Internet: www.nordschleswig.dk , www.slesvignavne.dk Nordschleswiger Der Bund deutscher Nordschleswiger (BdN) ist die Dachorganisation der deutschen Volksgruppe in Dänemark. Er wurde am 22. November 1945 gegründet und vertritt die Deutschen in Fragen, die die Minderheit in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht betreffen. Die Zahl der Nordschleswiger wird auf 15.000 bis 20.000 geschätzt. Genauere Angaben liegen nicht vor, da die Zugehörigkeit nicht überprüft wird. Der BdN ist aufgegliedert in 13 Bezirke und 21 Ortsvereine und hat etwa 3.900 Mitglieder.

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