AFD Sachsen Wir Frauen brauchen keine Quote!

 

Vor Allah nicht schuldig

Während sich in Frankreich und Deutschland die Gemüter dar-über erhitzen, ob eine muslimische Lehrerin während des Unterrichts ein Kopftuch tragen darf, hat sich der Konflikt zwischen Orient und Okzident in Spanien ein anderes Feld ausgesucht, auf dem er sich austoben kann. Zum ersten Mal stand auf der iberischen Halbinsel jetzt ein Imam vor Gericht, der – so die Anklage – zur Gewalt gegen Frauen aufgerufen hatte. Die juristische Fehde fand für den Angeklagten vor einem denkbar ungünstigen gesellschaftlichen Hintergrund statt. Nachdem in Spanien lange Zeit die Gewalt gegen Frauen tabuisiert und damit totgeschwiegen wurde, beschlossen im vergangenen Sommer alle Parteien des Landes, ein Gesetz durch das Parlament zu bringen, das die violencia doméstica, die häusliche Gewalt, mit sehr viel schärferen Strafen belegt, als es bislang der Fall war. Angesichts von 70 totgeprügelten Frauen und einer wahren Flut von etwa 50.000 Strafanzeigen wegen Körperverletzung und seelischer Mißhandlung allein in dem zu Ende gegangenen Jahr stieß die längst fällige Neuorientierung einer Gesellschaft, die noch immer von einer gehörigen Portion machismo durchtränkt ist, auf breite Zustimmung der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang mußte das Buch des Imam von Fuengirola (einer Küstenstadt südlich von Málaga), Mohamed Kamal Mostafá, mit dem Titel „Die Frau im Islam“ besonders provozierend wirken. Der Inhalt des 120seitigen islamistischen Buchs hat es in sich. Wer es aufschlägt, um sich Rat zu holen, wie er am besten seine Frau schlägt, ohne sichtbare Verletzungen zurückzulassen, die justiziabel werden könnten, liest folgendes: „Die Schläge sollten auf einige konkrete Körperteile konzentriert werden wie beispielsweise auf die Füße und die Hände. Außerdem sollte man dazu eine Rute gebrauchen, die fein und leicht ist, damit sie keine Narben und Hämatome hinterläßt.“ Und mit erhobenem Zeigefinger mahnt Mohamed Kamal Mostafá den mit seinem Eheweib unzufriedenen islamischen Mann, „niemals in einer Situation der Wut zu prügeln, um schwere Wunden zu vermeiden“. Überhaupt: „Die Schläge dürfen nicht kräftig und hart geführt werden, weil der Zweck darin besteht, die Frau psychologisch leiden zu lassen, und nicht darin, sie zu demütigen.“ Und rührend um das Wohl der zu bestrafenden Frau besorgt, schreibt der südspanische Imam weiter: „Schlage nicht auf die empfindlichen Teile des Körpers – also nicht in das Gesicht, auf den Busen, in den Bauch oder auf den Kopf.“ Als spanische Frauenrechtlerinnen diese Passagen lasen, schlugen sie öffentlich Alarm. Rund hundert feministische Vereinigungen und Menschenrechtsgruppen schlossen sich zusammen und erstatteten Anzeige gegen den Verfasser des Buches. Anfang Januar fällte das Strafgericht Nummer 3 in Barcelona das Urteil: 15 Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 2.160 Euro für den Imam – die Anklage hatte drei Jahre und 10.800 Euro Strafe verlangt. In seiner Urteilsbegründung bezeichnete der Richter das Buch als ein vom Männlichkeitswahn durchseuchtes Kompendium, das zum Straftatbestand der Gewalt gegen Frauen aufrufe. Bei der Abwägung zwischen dem Recht auf religiöse Freiheit und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Frau überwiege letzteres, betonte der Richter. Zudem verwarf er das Argument der Verteidigung, die behauptet hatte, daß die inkriminierten Stellen nicht die Meinung des Angeklagten seien, sondern lediglich dessen Auslegung der Koranverse. Den gebürtigen Ägypter, der verheiratet ist und fünf Kinder hat, traf das Urteil wie eine kalte Dusche. Sichtlich gezeichnet von der Ankündigung, über ein Jahr lang ins Gefängnis gehen zu müssen, zog er sich sofort in sein Haus zurück und ließ sich von seinen Anhängern abschirmen. Schließlich erklärte er in einer telefonischen Stellungnahme gegenüber der Presse: „Vor Allah habe ich mich nicht schuldig gemacht, und deshalb kann ich ruhig schlafen.“ Er bezeichnete sich selbst als einen toleranten Menschen, der die Menschenrechte verteidigt. „Die muslimischen Frauen meiner Gemeinde haben mir gesagt, daß sie zu einer großen Demonstration aufrufen wollen, um zu zeigen, daß sie zu mir stehen.“ Er kündigte an, in Berufung zu gehen, die dazu dienen müsse, zu beweisen, daß er unschuldig sei und immer die Frauen verteidigt habe. In der spanisch-muslimischen Gemeinschaft ist, soweit sie sich öffentlich geäußert hat, das Urteil wohlwollend aufgenommen worden. Der bislang einzige muslimische Abgeordnete im spanischen Königreich, Mohamed Chaib, ein Einwanderer der zweiten Generation und Mitglied des islamischen Consejo Islámico de Cataluña, der für die Sozialisten im katalanischen Regionalparlament sitzt, erklärte, daß der Richterspruch nicht als ein Angriff auf den Islam zu werten sei. Zufrieden äußerte sich Jadicha Candela von der Spanischen Förderation der Körperschaft islamischer Religionen. Die Anwältin und Zeugin der Anklage betonte, daß „es viele Muslime gibt, denen es nicht gefällt, in welche Richtung sich die spanische Gesellschaft entwickelt, aber sie müssen wissen, daß sie bestraft werden, wenn sie sich nicht an die Legalität anpassen“.

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