Schaurige Geschichten für das Landesamt

Zuerst schien es, als habe sie den ganz großen Wurf gelandet. Mit einer kurzen Meldung beim SPD-nahen Antifa-Nachrichtendienst Blick nach Rechts (BNR) präsentierte die Journalistin Andrea Röpke ihren „Fang“: V-Mann Manfred Reich („der rüstige Rentner“), der zuletzt den etwa 30 Mann starken Landesverband der Deutschen Partei (DP) im Dienste des Landesverfassungsschutzes bespitzelte (JF 26/04), packt bei ihr aus. Reich, der zwischen neun und 12 Jahre die „rechte Szene“ Thüringens für bis zu 300 Euro Monatssalär ausspionierte, erzählte Röpke, ihm sei der Termindruck der Spitzelarbeit zu stressig geworden. Er habe das Landesamt ersucht, ihn endlich „abzuschalten“, doch dort habe man sich geweigert. „Kameraden“ seien daraufhin argwöhnisch geworden, schreibt der BNR und hätten ihn sogar mit Morddrohungen traktiert. Und fast könnte man glauben, daß Röpke nicht nur als Journalistin, sondern auch noch als warmherzige Ausstiegshelferin fungierte. Aber eben nur fast. Wahrscheinlicher ist, daß Reich, der in seiner einzigartigen Spitzelkarriere – er war vor seiner Anwerbung nicht politisch aktiv – in Thüringen so gut wie keine Rechtspartei ausgelassen hatte, Röpke und dem BNR einen gigantischen Bären aufgebunden hat – das meint zumindest Kurt Hoppe, der Thüringer Landesvorsitzende der DP, auf den Reich angeblich „angesetzt“ war, gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Denn tatsächlich relevante Meldungen für das Landesamt für Verfassungsschutz habe es kaum noch gegeben. Die fetten Zeiten, in denen Reich die Mitgliederkartei der Thüringer Republikaner weiterleiten konnte, schienen endgültig vorüber. „Anschläge aus diesen Reihen“ wurden angekündigt Um seine Existenzberechtigung als V-Mann weiter zu behalten, habe Reich dem Amt abenteuerliche Räuberpistolen gemeldet, etwa die Geschichte, Hoppe und ein DP-Mitstreiter hätten die Gründung einer „Braunen Armee Fraktion“ ernsthaft debattiert. Reich kündigte sogar „Anschläge aus diesen Reihen“ an, wie dem BNR wortwörtlich zu entnehmen ist – irgendwann muß es dem Landesamt wohl zu viel an Spinnerei und zu wenig an Information gewesen sein. Das Dienstverhältnis sei vom Landesamt gekündigt worden, heißt es von dort kurz und knapp. Also genau das Gegenteil dessen, was Reich verbreitet. Hoppe hat inzwischen wegen der Behauptung, er plane Anschläge gegen Politiker, Anzeige gegen Reich erstattet. Ob Röpke, die als Aktivistin der orthodox-kommunistischen Vereinigung Verfolgter des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) problemlos Beiträge im Focus, Stern, der Jungen Welt oder bei Fernsehmagazinen wie Frontal 21 oder Panorama plazieren kann, tatsächlich erst seit kurzem Kontakt zum „Aussteiger“ Reich hält, darf bezweifelt werden. Denn bereits im letzten Jahr veröffentlichte Röpke im BNR einen ausführlichen Artikel über die DP in Thüringen, wo sie die Partei als rechtsradikales Sammelbecken beschreibt. Mit dabei ist wieder der Landesvorsitzende Kurt Hoppe, gegen den Röpke Informationen des Thüringer VS ins Feld führt, die nur von ihrem Schützling Reich stammen können. Außerdem wird Reich in diesem Beitrag kein einziges Mal erwähnt, obwohl er als Landesschatzmeister der Thüringer DP exponiert war. Die Vermutung liegt nahe, daß Röpke Reich also bereits schon vor Januar 2004, dem von Reich angegebenen Kündigungstermin, kannte und seine Informationen schätzte. Darüber hinaus sei Reich das erste DP-Mitglied Thüringens gewesen, bestätigte Hoppe. Das Ende solcher Geschichten ist meist banal. Röpkes dicker Fisch ist wohl nur ein ausgebrannter VS-Informant, der große Wurf ein Rohrkrepierer. Was bleibt, ist der üble Nachgeschmack einer staatlich gesteuerten Spitzelkarriere und linken Enthüllungsjournalismus.

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