Anständiger Vorstoß aus Sachsen

Plötzlich und unerwartet scheint Bewegung in die „Causa Hohmann“ zu kommen. Denn erstmals hat ein ranghoher Unions-Politiker das geplante Parteiausschlußverfahren gegen den Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann (CDU) kritisiert. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im sächsischen Landtag, Fritz Hähle, nannte es eine „zu harte Strafe“, daß die Bundestagsfraktion Hohmann nach Bekanntwerden seiner seitens der Medien als „antisemitisch“ eingestufte Rede zum 3. Oktober 2003 ausgeschlossen hat. Hähle sagte, er würde Hohmanns Verfehlung milder beurteilen. Der Fuldaer Bundestagsabgeordnete habe sich „durchaus ungeschickt ausgedrückt“. Allerdings sei Hohmanns Grundaussage, daß man weder die Deutschen noch die Juden insgesamt als „Tätervolk“ bezeichnen könne. Trotzdem verbiete es sich, die Juden nach ihrem unvorstellbaren Leidensweg in einen Sinnzusammenhang mit dem Begriff „Tätervolk“ zu bringen. Hohmann hatte sich bereits mehrfach für seine Rede und die daraus entstandenen Mißverständnisse entschuldigt. „Ich würde meiner Partei dringend raten, den Weg der Vergebung zu gehen“, sagte Hähle. Der Initiator der Initiative „Kritische Solidarität“, der ehemalige ZDF-Fernsehmoderator Fritz Schenk“, begrüßte den „mutigen Schritt“ des sächsischen CDU-Politikers. „Gerade die Sachsen wissen, wie solche Kampagnen laufen – sie haben es vor zehn Jahren mit Steffen Heitmann schmerzlich erfahren müssen“, erklärt Schenk gegenüber der JUNGEN FREIHEIT die besondere Sensibilität der Sachsen. Schenk sieht damit sogar gute Chancen für einen Stopp des Parteiausschlußverfahrens gegen Martin Hohmann. Die Unions-Führung müsse jetzt erkennen, daß das Ausschlußverfahren gegen Hohmann „ein unerhörter Skandal“ sei. Falls es gelänge, den Bundestagsabgeordneten aus der Partei zu werfen, wäre dies eine „Bankrotterklärung der CDU“, so das CDU-Mitglied Fritz Schenk. „Die von den Medien inszenierte Hetzjagd auf einen konservativen Abgeordneten muß endlich beendet werden – durch Einstellung des Ausschlußverfahrens und vollständige Rehabilitierung Hohmanns“, fordert Schenk. Die von Schenk Anfang April fertiggestellte und in wenigen Tagen im Buchhandel erscheinende Dokumentation „Der Fall Hohmann“ (Universitas Verlag) werde beweisen, daß die gegen Hohmann erhobenen Vorwürfe jeder Grundlage entbehren, heißt es seitens Schenks Initiative „Kritische Solidarität“. Mittlerweile hätten 6.830 Bürger den Appell „Kritische Solidarität mit Martin Hohmann“ unterzeichnet, die sich alle für eine vollständige Rehabilitierung stark machen. Die Initiative, die am 12. November 2003 als Reaktion auf die „mediale Hetzjagd“ auf Hohmann von CDU- und CSU-Mitgliedern gegründet wurde, rührt derweil die Werbetrommel für das Schenk-Buch. Bislang erschienen großformatige Werbeanzeigen in der Fuldaer Zeitung, dem Westfalen-Blatt, der JUNGEN FREIHEIT, der Tagespost, dem evangelischen Mediendienst Idea Spektrum, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Focus und der Preußischen Allgemeinen Zeitung. Aufgrund der aufwendigen Kampagne sowie der wachsenden Unterstützung hofft Schenk auf weitere Solidaritätsbekundungen für Hohmann von hohen Parteifunktionären. Er glaube fest daran, daß eine vollständige Rehabilitation des Abgeordneten Hohmann möglich und richtig sei. Hähle sei ein „Vorbild für die Politiker, die bislang noch nicht darüber nachdenken“, so Schenk gegenüber der JF. Kontakt: „Kritische Solidarität mit Martin Hohmann“, Postfach 15 06 95, 10668 Berlin, Tel: 0 30/26 07 56 96, Fax: 0 30/26 07 56 95, Internet: www.kritische-solidaritaet.de , E-Post: info@kritische-solidaritaet.de .

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