Joachim Kuhs

 

Lahmgelegt

Letzte Woche erhielt ich einen entnervten Anruf vom Patenonkel meiner Freundin. „Ich glaube, ich habe einen Virus“, erklärte er mir zerknirscht. Mit meiner noch zerknirschteren Antwort hatte er jedoch nicht wirklich gerechnet: „Ich auch!“ Leider ließ sich sein Problem nicht per Ferndiagnose lösen, so daß ich ihm anbot, er könne mir den Rechner zwecks Neuinstallation vorbeibringen (ich fahre nicht mehr quer durch die Stadt, um stundenlang anderen Leuten zu helfen). Er lehnte dankend ab. Meinen Virus hingegen, eine richtig eklige Magen-Darm-Grippe mit exzessiven Magenkrämpfen, habe ich dann eine Woche lang (erfolgreich) mit Antibiotika bekämpfen dürfen. Kostenpunkt: 10 Euro Praxisgebühr und noch mal 5 Euro für Antibiotika. Meine mitfühlende Ärztin schenkte mir neben einem „Gelben Urlaubsticket“ ein prima Mittelchen gegen Menstruationsbeschwerden – diese Zeit war also auch pädagogisch wertvoll, um die vielfältigen Qualen der Damenwelt besser verstehen zu können. Während meiner unfreiwilligen Fastenkur erdachte ich mir auch allerlei fiese Racheakte für den Pizza-Service, dem ich meine Pein zu verdanken habe – man sollte Bewertungssysteme à la eBay auch auf andere Lebensbereiche ausdehnen! Die Pointe sollte jedoch noch kommen: Der eintägige Exorzismus besagten Computers hatte 30 Euro plus Fahrkosten verschlungen. Eigentlich billig, wenn man bedenkt, daß die eingeschaltete Firma dafür „über 100 Viren und anderes“ entfernt hat. Da ich ihm vorsorglich einen Virenscanner installiert hatte, betrachte ich das als Wehrkraftzersetzung durch Selbstverstümmelung, schuldigplädiert Euer EROL STERN

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