Katakomben

Nutzer von Internet-Tauschbörsen haben es nicht einfach. Wurden ihnen anfangs, wie im Fall von Napster, einfach nur die Plattformen geschlossen, beteiligten sich später Musik-, Software- und Filmindustrie selbst mit stark verunstalteten oder gar völlig unbrauchbaren Dateien, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Zugleich nutzten die Platten- und Filmbosse und Programmschmieden ihre Lobby, um auch die Gesetzeslage bei den Urheberrechten zu ihren Gunsten zu verändern. Seither leiden Peer-To-Peer-Netzwerke wie Kazaa & Co. unter einem zugleich dramatischen wie drastischen Mitgliederschwund. Zudem treiben zunehmend auch spezielle Viren in den Tauschplattformen ihr Unwesen, während legale Musikdienste wie beispielsweise Apples iTunes florieren – ein Schelm, wer Böses denkt! Folglich ziehen sich Tauschfreudige immer mehr zurück und tauchen in den Untergrund des Internets hinab, so wie einst die ersten Christen in die Katakomben des antiken Rom. Geschlossene Benutzergruppen mit verschlüsselten Zugängen und Verbindungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Deren Anmeldungsdaten werden nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder persönliche Empfehlung der Mitglieder weitergegeben. Auch hat man die Möglichkeiten von kostenlosen eMail-Postfächern für sich entdeckt, auf die nur Eingeweihte Zugriff haben. Letzteres eignet sich besonders für die Weitergabe von (gescannten) Büchern. Unterhaltsames Nebenprodukt sind die in blumenreichen Rätseln verpackten Zugangsdaten, dechiffriert Euer EROL STERN

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