Gucci-Mönch

Gibt es etwas Schlimmeres als mit- ansehen zu müssen, wie Menschen ihre Ideale oder Würde dem Kommerz opfern? Wie Straßenhuren verkaufen sich manche Zeitgenossen. In China beispielsweise. China ist ein großer Markt. Weil die chinesische Wirtschaft kräftig wächst, steigen bei uns inzwischen die Rohstoffpreise. Das steht im Wirtschaftsteil jeder Zeitung. Da will alle Welt mitmischen. Auch auf den chinesischen Medienmarkt drängen westliche Konzerne. Dem Werbemarkt wird ein jährliches Wachstumspotential von fünfzehn Prozent prognostiziert. 1.230 Sender haben rund 1,2 Milliarden Zuschauer. Weil der Rundfunk aber nach wie vor schwer zensiert wird, können ausländische Anbieter nur Zeichentrickfilme oder Gerichtsshows à la „Balbala Salesch“ nach China importieren. RTL ist gerade eine Art Joint Venture mit dem staatlichen Fernsehen eingegangen. Eigenständig dürfen ausländische Medien auf dem Markt nicht agieren. Es gibt noch andere Vorgaben: Der im Ausland produzierte Sendeanteil darf 25 Prozent nicht überschreiten und nicht zur Prime Time ausgestrahlt werden. MTV ist auch schon da. Als einer der ersten ist jedoch einer nach China gegangen, der eigentlich als Kommunistenfresser bekannt ist: Rupert Murdoch. Um des lieben Geschäftes willen hat Murdoch sogar die Veröffentlichung eines China-kritischen Buches von Chris Patton (ehemaliger Hongkong-Gouverneur) in seinem Verlag unterbunden. Und den Dalai Lama bezeichnet Murdoch neuerdings als „alten Mönch, der in Gucci-Schuhen herumschlurft“.

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