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Der falsche Pater

Das Thema Sex läuft im Fernsehen immer gut. Das dachten sich wohl auch die Macher einer Dokumentation, die auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung um die Vorkommnisse im österreichischen Priesterseminar St. Pölten in der ARD lief. Unter dem Titel „Das Sex-Tabu. Priesterseminar im Zwielicht“ sendete der SWR passend zum Thema Ende August einen Bericht über Homosexualität im katholischen Klerus. Mit einem regen Interesse und hohen Einschaltquote konnte der Sender rechnen. Der Tenor der Sendung war eindeutig: Die Kirche verdrängt das Thema Homosexualität, obwohl es eine große Anzahl Homosexueller gerade im Klerus gebe. Und die ARD konnte einen Mann präsentieren, der als „Betroffener“ über das Thema aus erster Hand berichtete: Pater Udo Ziesel, bekennender Homosexueller und nach eigenen Angaben Benediktiner. Als Mann der Praxis wartete er vor der Kamera auch gleich mit einer knackigen Behauptung auf: 35 Prozent aller katholischen Priester seien homosexuell. Die meisten jedoch versteckten ihre Neigung. Als einer der wenigen bekenne er sich dazu frei in aller Öffentlichkeit. Filmeinspielungen während der Sendung schienen Ziesels Aussage zu belegen. Sie zeigten ihn unter anderem auf dem Christopher Street Day, wo er mit einer Gruppe von Schwulen den Gottesdienst feierte. Dabei trug der Pater wie hierbei üblich die Stola, das Amtszeichen des katholischen Priesters. Der unvoreingenommene Fernsehzuschauer konnte durch den Bericht den Eindruck gewinnen, daß die katholische Kirche eine scheinheilige Institution ist, zwischen deren Lehre und Praxis ein tiefer Spalt klafft. Der Weg ist kurz von diesem Eindruck bis zur der Vermutung, daß es sich bei den homosexuellen Ausschweifungen im Priesterseminar von St. Pölten um keinen Einzelfall gehandelt hat. Bei mehreren Zuschauern hinterließ der Auftritt und die Selbstdarstellung des Pater allerdings einige Zweifel. So auch bei dem Jesuitenpater Hans-Joachim Martin, der für die Seelsorge in Mannheim-Mitte verantwortlich ist – der Wohn- und Wirkungsstätte von Ziesel. Martin fragte daher bei Josef Damian Szuba nach, dem Generalvikar der Diözese Speyer, der Mannheim unterstellt ist. Das Ergebnis der kurzen Recherche war verblüffend: Udo Ziesel ist in der Mannheimer Homosexuellenszene tatsächlich bestens bekannt und tritt dort als Seelsorger oder Pater auf. Die Sache hat allerdings einen entscheidenden Harken: Ziesel ist weder geweihter Priester, noch gehört er irgendeiner Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche an. Klostererfahrung hat er dennoch: Ziesel hat im Kloster Niederaltaich am Kurs „Kloster auf Zeit“ teilgenommen – für zwei Wochen. All das war den Machern der Dokumentation offensichtlich unbekannt. Der für die Sendung verantwortliche Redakteur des Südwestfunks, Thomas Leif, versichert, er habe der Aussagen Ziesels Glauben geschenkt und daher auch keine Veranlassung gesehen, weiter zu recherchieren. Dabei wäre es so leicht gewesen: Ein Anruf bei der zuständigen kirchlichen Obrigkeit hätte genügt und wäre in einem solchen Fall angesichts der journalistischen Sorgfallsplicht geradezu geboten gewesen. Doch offensichtlich war die Geschichte eines Paters, der seine Homosexualität offensiv auslebt, verlockender als eine gründliche Recherche.

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