Wenn die Kassen klingeln

Du Papa, sag mal – wie machen die das eigentlich bei Real? Ich meine, können die sich wirklich so viele teure Spieler leisten?“ fragte mich neulich mein Sohn. Mit seinen 16 Jahren ist er das, was man hier in Madrid muy aficionado nennt, nämlich total fußballbegeistert. Noch bevor ich ihm eine Antwort geben konnte, zählte er auf: „Beckham 35 Millionen Euros, Ronaldo 50 Millionen Euros, Zidane 75 Millionen Euros, Figo 70 Millionen Euros, Anelka über 33 Millionen Euros …“ Er blickte mich skeptisch an und sagte: „Macht summa summarum 263 Millionen Euros.“ Ja, wie kann sich Real das leisten? Ein paar Tage später beantwortete die Tageszeitung El Mundo die Fragen meines Sohnes. „Real Madrid bewegt jedes Jahr enorme Summen. 2003 werden es voraussichtlich 240 Millionen Euros sein, so sieht es jedenfalls die Budgetplanung vor“, hieß es in dem Bericht, der sich mit dem Finanzgebaren des königlichen Clubs genauer auseinandersetzte. Demnach fließen jedes Jahr rund 170 Millionen Euros in die Taschen der ersten Mannschaft von Real. Hinzu kommen für die Kredite, die für den Kauf von Zidane, Ronaldo und jetzt Beckham aufgenommen werden mußten, weitere 25 Millionen Euros. Außerdem schlagen 20 Millionen für die Erhaltung der sportlichen Anlagen sowie weiterer Personalausgaben zu Buche; zehn Millionen Euros sind verplant für Reisen, Sicherheit, Repräsentation etc. Und da Real nicht nur über eine erstklassige Fußballmannschaft verfügt, sondern auch über eine erfolgreiche Basketballabteilung, fallen auch hier Kosten an: 15 Millionen Euros. Was nun die Einnahmen betrifft, wartet El Mundo mit folgenden Zahlen auf: Die UEFA zahlt Real für das Erreichen des Viertelfinales bei der Champions League 24 Millionen Euros jährlich, für die Fernsehübertragungsrechte kassiert der Verein 54 Millionen Euros; Kartenverkauf und die Vermietung von Logenplätzen an Very Important Persons bringen nochmals 22 Millionen Euros. Einen besonders großen Posten steuern naturgemäß die Einnahmen aus der Werbung bei. Sie belaufen sich umgerechnet auf 96 Millionen Euros. Und schließlich gibt es noch das Merchandising, das 44 Millionen Euros in die Clubkasse fließen läßt. Nach Ansicht von Real-Verantwortlichen zahlt sich Beckhams Wechsel schon hinsichtlich der Marketingstrategie aus. Der Kicker aus Großbritan-nien verdient jährlich sechs Millionen Euros, die allein durch den Verkauf von Club-Hemden neutralisiert werden können. So wurden beispielsweise rund 300.000 Trikots mit der Aufschrift Ronaldo verkauft; wenn Beckham draufsteht, so hoffen die Finanzjongleure des königlichen Fußballvereins der spanischen Hauptstadt, daß mindestens 1,5 Millionen über den Ladentisch gehen werden. Bei einem Stückpreis von 72 Euros führt dies nach Abzug aller Unkosten wie Herstellung und Zwischenhandel zu einem Gewinn von 18 Millionen, ein Drittel davon geht an den Club. Und der Rekord wurde kurz nach seinem Antritt eingestellt: Binnen vier Stunden waren alle Trikots mit seinem Namen und der Nummer „23“ ausverkauft. Außerdem hat Real die Bildrechte an den Spielern – Fotografen, die einen der Stars ablichten wollen, müssen 50 Prozent des erzielten Honorars an Real abführen, was nochmals ungefähr viereinhalb Millionen Euros ausmacht. „Alles in allem“, so bilanziert El Mundo, „ist der Kauf von Beckham für Real ein rundes Geschäft“. Der spanische Fußballmeister, so läßt sich anhand dieser Zahlen ablesen, wird 2003 eine Bilanz mit schwarzen Zahlen abliefern. Über Beckham zu schreiben bedeutet aber nicht, sich ausschließlich im Dschungel von Budgetplanungen, Kosten- und Nutzenrechnungen zu verlieren. Derzeit sind die Gazetten voll von David Beckham. Die führende Tageszeitung El País widmet sich ausführlich diesem Phänomen und zitiert auf ihrer Kulturseite den Sänger Brian Ferry von der legendären Gruppe Roxy Music mit dem Satz: „Die Fußballspieler sind heute die neuen Sterne am Rockhimmel“. Und El Mundo veröffentlicht derzeit eine Serie über das Leben Beckhams aus der Feder von Jimmy Burns, der schon eine Biographie über Madonna geschrieben hat. Die Korrespondenten werden bemüht, die neuesten Nachrichten aus London über David und seine fürwahr schillernde Frau Victoria, das Ex-Spice-Girl, nach Spanien zu liefern, um sie vor dem staunenden Leser auszubreiten. So erfährt er zum Beispiel, daß Victoria „La Pija“ (die Extravagante) offenbar in der Ehe die Hosen anhat. Sie tue alles, so heißt es etwa in El Mundo, um das Image ihres Mannes weg vom bloßen Fußballspieler hin zu einem Popstar umzumodeln, in eine Welt also, die sie kennt und die die ihre ist. Genüßlich zitiert die Zeitung, daß Victoria jedes Jahr rund 70.000 Euros beim Friseur ausgebe und daß in England kolportiert werde, der erste Satz, den Victoria auf spanisch lerne, sei der Hilferuf: „Können Sie mir bitte sagen, wo ich das nächstgelegene Prada-Geschäft finde?“ Die entscheidende Frage aber, die die Madrilenen umtreibt, ist die: „Wo werden die Beckhams wohnen?“ Alle Immobilienhändler von Rang in der spanischen Hauptstadt überschwemmen dieser Tage Real mit Superangeboten, die an den Star weiterleitet werden sollen. Fest steht: Die Beckhams wollen ihr Anwesen in der Nähe von Manchester im Wert von 2,5 Millionen Englischen Pfund verkaufen, um – so wurde gemunkelt – für mehr als vier Millionen Euros einen Marmorpalast zu erwerben. Nun haben sie sich doch im Nobelviertel „La Moraleja“ in eine Villa eingemietet. Vorteile des ganzen? Der Mietpreis bleibt geheim, außerdem wohnen alle seine Fußballkollegen in der Nähe und zur Schule von Sohn Brooklyn ist es auch nicht weit. Trotzdem werden sich noch viele Geheimnisse um David und Victoria ranken und den Madrilenen auch weiterhin Gesprächsstoff liefern.

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