Wenn der Postmann tausendmal klingelt …

Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen – lautet so das Credo deutscher Fernsehanbieter? RTL 2 treibt es auf die Spitze: Den Actionfilm „Leon“ mit Jean-Claude Van Damme strahlte der Sender gerade zweimal unmittelbar hintereinander aus, und „Der Sandmann“ wurde bereits zum zehnten Mal wiederholt. Serien, Filme, Komödien und alles mögliche laufen jedoch auf allen Kanälen in der Wiederholungsschleife, der Schmachtfetzen „Dirty Dancing“ erzielte noch beim zehnten Aufguß auf Pro Sieben einen Marktanteil von 24 Prozent bei den 14- bis 49jährigen Zuschauern. „Es gibt Klassiker wie ‚Der Prinz aus Zamunda‘ oder ‚Sissy‘, deren Wiederholbarkeit scheint, natürlich in vernünftigen Abständen, nahezu unbeschränkt“, glaubt Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann. „Live-Shows oder Live-Sport vertragen dagegen maximal eine Wiederholung in unmittelbarer Nähe zum Ereignis.“ „Kein 24-Stunden-Programm kommt ohne Wiederholungen aus“, weiß ARD-Programmdirektor Günter Struve. „Wenn ‚Dinner for one‘ nicht wiederholt würde, wären die Zuschauer nahezu beleidigt.“ Recycelte Erfolgsserien und Unterhaltungsformate sind aus dem ARD-Vormittag nicht mehr wegzudenken, Tierfilme und Ratgebersendungen werden im Nachtprogramm noch einmal gesendet. Allerdings sollten nicht alle Programmentscheidungen im Hinblick auf eine Mehrfachverwertung fallen. Zudem fehlt den Privatsendern, im Gegensatz zur ARD, die Verwertungskette der Dritten und Sparten-Programme Arte und 3sat. Deshalb fahren RTL, Sat1 und Pro Sieben für Struve eine Art „Ex- und Hopp-Strategie“. Das heißt: Einmal gesendet und dann auf Nimmerwiedersehen ins Archiv gewandert. Mit der Vielzahl von Billig-Produktionen reagieren die Sender auch auf die akute Medienkrise. „In Zeiten der wirtschaftlichen Not überlegen sich die Sender stärker denn je, ob sie fiktionales Programm teuer in Auftrag geben“, klagt der Filmproduzent Nico Hofmann. Mittelfristig könnte sich die „Leichte-Muse“-Kost jedoch rächen. Bei der diesjährigen Berlinale präsentierte die ARD gleich 25 neue Filmproduktionen, davon können die werbefinanzierten Privatsender momentan nur träumen. „Der hohe Anteil internationaler Blockbuster-Produktionen ist ein wichtiger Bestandteil der Positionierung des Senders und eine der Kernkompetenzen von Pro Sieben“, übt sich Paalzow in Zweckoptimismus. Der Pro Sieben-Chef hat gute Erfahrungen mit wieder aufbereiteter TV-Ware gemacht. „Jeder Sender muß jedoch seine eigene Erfolgsrechnung aufstellen.“

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