Hundert Jahre gelbe Engel

Hundert Jahre gibt es ihn nun: am 24. Mai 1903 gründeten 25 Kraftfahrzeugbegeisterte in Stuttgart die „Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung“, den Vorläufer des Allgemeinen Deutschen Automobil Club (ADAC). Anfangs ging es um Tourismusförderung, jedoch wurde schnell klar, daß mehr nötig war. So erfolgte 1911 die Umbenennung in ADAC, und flugs darauf entwarf man die ersten Verkehrsschilder. Nach zehn Jahren hatte der Verein bereits 20.000 Mitglieder. Nach dem Krieg war man mit einem Motorrad unterwegs, in dessen Beiwagen sich allerlei Zeug verbarg, das heutzutage eher an Vatis Werkstatt erinnern würde. Doch jetzt sind die „gelben Engel“ nicht mehr wegzudenken. Wer kennt das alte Ritual nicht: Schon im Auto sitzend, möglicherweise den Verkehrsfunk hörend, in die Sonne schauend, bemerkt man plötzlich schmerzhaft das Fehlen der Sonnenbrille. „Ach ja, die liegt ja noch auf dem Schuhschrank!“ Also schnell rausgesprungen, zack Tür zu, „Ach Du Sch…“ Autoschlüssel steckt, der Gewohnheit folgend hat man doch die Tür verriegelt! Wie gut, daß es den ADAC gibt. Es gibt wohl kaum einen motorisierter Deutschen, der noch nicht die Telefonnummer mit den vielen Zweien gewählt hat, um anschließend bange Minuten zu warten, bis der „gelbe Engel“ dem geliebten Vehikel mit allerhand Werkzeugen zu Leibe rückt – in Deutschland alle neun Sekunden. Doch zurück auf den Schauplatz ewiger Unrast: Nicht, daß es nun um das alte Vorurteil über die weiblichen Kraftfahrzeugführer gehen soll, es dient ausschließlich der Lobeshymne auf den „gelben Engel“ als solchen. Immerhin könnte der nachfolgend beschriebene Vorfall ja auch einem Großstädter passiert sein, der seinen „Motorraum“ bislang irgendwo im Handschuhfach vermutet hat. Die Geduld von so manchem ADAC-Menschen scheint schier unerschöpflich zu sein: Die ratlose Fahrerin setzt sich in ihr Gefährt, nachdem der Monteur ihr den Reifen wechselte (das kann sie auch selber tun, hat sie vorher versichert, nur das Werkzeug war nicht da, wo es sein sollte). Nun quietschte auch irgend etwas unter der Motorhaube, und da der Mensch mit der gelben Arbeitskleidung gerade mal da ist… der Monteur steht davor und gibt Anweisungen: „Bitte Motorhaube öffnen“ Tankdeckel schwenkt auf. „Nein, den anderen Hebel“ Kofferraum wird entriegelt. „Nein, der vorn unter dem Lenkrad!!“ „Aua, mein Fingernagel.“ Endlich kann der Fachmann sich den Ursachen nähern: „Starten, bitte…“ HUUUP! Kurzes Anschlagen mit der Schädeldecke an der Motorhaube. „Tschuldigung…“. Es folgt ein zweiminütiges Herumschrauben, schon paßt wieder alles und nix quietscht mehr. Wirklich zu bewundern, diese gelben Engel.

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