Zeitungen: Vertrauen in journalistische Arbeit sinkt
Zeitungen: Vertrauen in journalistische Arbeit sinkt Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

Vertrauensrangliste
 

Mehrheit der Deutschen sieht journalistische Arbeit kritisch

FRANKFURT/MAIN. Journalisten und Medien haben im vergangenen Jahr in Deutschland Vertrauen eingebüßt. 59 Prozent der Deutschen empfinden, daß Medien keine gute Arbeit leisteten, wenn es um objektive und überparteiliche Berichterstattung gehe, ergab das „Trust Barometer 2021“ der Kommunikationsagentur Edelmann mit Sitz in Frankfurt am Main.

Überdies gaben 43 Prozent der Befragten an, Journalisten und Reporter wollten ihrer Ansicht nach Menschen absichtlich in die Irre führen. 42 Prozent sagen, daß Nachrichtenorganisationen mehr damit beschäftigt seien, eine Ideologie oder politische Position zu unterstützen als die Öffentlichkeit zu informieren.

Dabei stieg das Bedürfnis nach seriösen Informationen der Erhebung zufolge deutlich an. Aktuell legten die Deutschen mehr Wert auf den Kampf gegen Falschinformationen als die Thematisierung von Armut im eigenen Land, den Klimawandel oder die Verbesserung des Bildungssystems.

Regierung erstmals vertrauenswürdigste Institution

Erstmals führte die Regierung als vertrauenswürdigste Institution die Rangliste an. Gegenüber dem Vorjahr gewann sie 14 Prozentpunkte hinzu und kam auf 59 Prozent. Dahinter folgten Unternehmen (54 Prozent), Medien (52 Prozent) und Nichtregierungsorganisationen (46 Prozent).

„Es hat sich eine ‘Infodemie’ entwickelt. Nicht nur in Deutschland, sondern auf globaler Ebene. Ohne vertrauenswürdige Quellen können die Menschen nicht wissen, wo oder bei wem sie zuverlässige Informationen erhalten“, kommentierte Edelmann-Geschäftsführerin Christiane Schulz die Ergebnisse.

ARD-Chef lobt deutsche Medien

Auch andere Umfragen waren jüngst zu dem Ergebnis gekommen, daß das Vertrauen der Deutschen in die Medien in der Corona-Krise gesunken sei. Laut Allensbach sehen 40 Prozent der Befragten „die Berichterstattung der Medien jetzt kritischer als vor der Krise“. Im Herbst ergab eine Insa-Umfrage, daß eine relative Mehrheit hierzulande weniger Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe als noch vor fünf Jahren.

ARD-Chef Tom Buhrow konstatierte hingegen Ende Januar, die deutschen Medien hätten in der Corona-Krise vorbildlich gehandelt. „Bei aller Kritik, die man im Detail rückwirkend in manchen Phasen äußern kann, haben die deutschen Qualitätsmedien insgesamt vorbildlich berichtet.“ Die Zustimmung für das Programm von ARD und ZDF sei in allen Bundesländern hoch. „Die Menschen lieben, was wir tun und was wir bieten.“ (ls)

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