„Panorama“-Moderatorin Anja Reschke, Bundeswehr-Soldat Fotos: picture alliance/dpa / Sven Simon / JF-Montage
„Panorama“-Moderatorin Anja Reschke, Bundeswehr-Soldat Fotos: picture alliance/dpa / Sven Simon / JF-Montage
„Panorama“ unter Rechtfertigungsdruck

Wenn gebührenfinanzierte Angreifer plötzlich in die Defensive geraten

Es geschieht nicht oft, daß sich die ARD für vernichtende Berichte über Menschen, denen sie rechtsextremes Gedankengut unterstellt, rechtfertigen muß. Doch die „Panorama“-Redaktion scheint mit ihren Attacken auf den Bundeswehr-Offizier Marcel Bohnert wegen einiger Likes in den sozialen Netzwerken zu weit gegangen zu sein. Sie verteidigt sich, doch ihre Stellungnahmen gehen an den eigentlichen Vorwürfen vorbei.

Der Chefredakteur der Welt am Sonntag (WamS), Johannes Boie, schreibt, dies sei „kein seriöser Journalismus“ und kommentiert, die Sendung „bekämpft die Freiheit der Gedanken“. Noch drastischer formuliert es Welt-Kolumnist Don Alphonso: „Die Methoden der Zwangsgebührenautorinnen sind eine Schande für den Journalismus.“

„Panorama“ ist spürbar in der Defensive, auch weil in den sozialen Netzwerken heftige Kritik an der Kampagne laut wird. Auf Twitter verteidigen sich die Journalistinnen mit dünnen und gleichzeitig aggressiven Tweets. Und die ARD veröffentlicht auf ihrer Webseite gar eine Erklärung, die zwar die Vorwürfe als „schräg“ bezeichnet. Immerhin aber fühlt sich der sonst so arrogant daherkommende Sender genötigt sich zu erklären, auch wenn er nichts von den abstrusen Vorwürfen gegen den Oberstleutnant zurücknimmt.

Verdacht und Behauptungen

Anlaß für die „Panorama“-Hetzjagd auf den Soldaten sind „Gefällt mir“-Angaben für das Urlaubsfoto eines Users von einem Wasserfall, unter dem neben 30 weiteren Hashtags auch „Defend Europe“ stand. Europa zu verteidigen sollte die Aufgabe der Bundeswehr sein. Doch weil diesen Slogan auch die Identitäre Bewegung verwendet, stellt die ARD den Soldaten unter Rechtsextremismus-Verdacht.

Das zweite „Gefällt mir“ für ein Bild, das Bohnert zum Verhängnis wurde, zeigt eine Kaffeetasse auf einem Holztisch, auf dem am oberen Bildrand kaum wahrnehmbar der untere Zentimeter eines Buches drauf ist. Den Titel kann niemand entdecken. Unter dem Foto steht „Der letzte Franzose“. Behauptungen der „Panorama“-Redakteurin Caroline Walter zufolge handelt es um ein „Kultbuch der Identitären“.

Die Redaktion rechtfertigt sich nun mit einer Erklärung auf der ARD-Webseite unter der Überschrift: „Schräge Vorwürfe gegen Panorama“. Darin stellt sie sich selbst drei Fragen, die angeblich die Kritiker aufwerfen: „1. Hat Panorama Marcel Bohnert angefragt?“, „2. Hat Panorama Bohnert ‚wegen ein paar Likes hingehängt?“, „3. War Bohnert gar nicht Leiter für Social Media?“ Einzig die zweite Frage ist wirklich relevant für die Diskussion.

Keinerlei Erklärung von der ARD

Eine viel entscheidendere Frage aber hat Johannes Boie aufgeworfen. Wie kann es sein, daß die ARD-Redakteurin Caroline Walter auf Twitter mit diversen linksextremen, zum Teil äußerst militanten Organisationen verbandelt ist, aber zwei im Vergleich dazu harmlose Likes für eine Kampagne gegen einen Offizier mißbraucht? Der WamS-Chef schreibt: „Legte man an die Journalistin, die über den Mann recherchierte, dieselben Maßstäbe an wie sie an ihn, müßte sie sofort vom Verfassungsschutz beobachtet werden.“

Keinerlei Erklärung dazu von der ARD. Die Frage, die sich aufdrängt, könnte auch lauten: Warum kann eine auch mit dem gewaltbereiten Linksextremismus vernetzte Journalistin einen Soldaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fertig machen? Caroline Walter redet sich inzwischen auf Twitter so heraus: „Als Journalist recherchiert man über jegliche Form von Extremismus und dazu guckt man sich manches näher an.“ Allerdings sind keine Berichte Caroline Walters über Linksextremismus bekannt.

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Die Co-Autorin des Anti-Bohnert-Beitrages, Kathrin Kampling, ist wiederum mit einer Antifa-Aktivistin vernetzt, die Aufmärsche mitorganisierte, die in massiver Gewalt endeten. Bei „Panorama“ wird aus dieser Frau dann eine „Rechtsextremismusexpertin“, für die es für Bohnerts Likes „keine Ausreden“ gebe. Sie sagt als Kronzeugin in der Sendung: „Das ist absolut ein Skandal für die Bundeswehr.“ Auch die Auswahl der Interviewpartnerin wirft Fragen zur Parteilichkeit der „Panorama“-Macher auf. Auf die bekommen die Gebührenzahler allerdings ebenfalls keine Antwort.

Sender stellt sich als heroischer Aufpasser dar

Stattdessen stellt sich der Sender in seiner Rechtfertigungs-Erklärung als heroischer Aufpasser dar: „Was ‘Panorama’ getan hat, nennt sich Verdachtsberichterstattung. Diese ist legitim, denn um Mißstände aufzudecken, können und dürfen Journalisten nicht abwarten, bis Vorwürfe dienst-, straf- oder zivilrechtlich geklärt sind. Journalisten sind auch keine Dienstherren oder Zuträger der Staatsanwaltschaft. Vielmehr müssen sie in angemessenem Rahmen unter Wahrung der Unschuldsvermutung über Vorwürfe berichten.“

Daß von einer Unschuldsvermutung in dem Beitrag nichts zu spüren ist, läßt die ARD hier weg. Und auch daß „Panorama“ nicht über Vorwürfe berichtet, sondern diese selbst konstruiert, macht die Erklärung zweifelhaft. Vielmehr war es umgekehrt. Grünen-Politiker Cem Özdemir nahm den Beitrag zum Anlaß, die sofortige Entlassung Bohnerts zu fordern: „Wem irgendein identitärer Schwachsinn besser gefällt als unser Grundgesetz, hat in der Bundeswehr nichts verloren. Er muß die Uniform umgehend ablegen.“

Er sagt damit dasselbe wie ARD-Redakteurin Caroline Walter im Nachklapp. Als Reaktion auf die Kritik an dem Beitrag versteckte sie sich unbelegt hinter „vielen Soldaten, die es so sehen wie wir“. Bohnert müßte den Dienst quittieren, denn diese wollten „solche Kameraden nicht in den eigenen Reihen“.

„Panorama“-Moderatorin Anja Reschke, Bundeswehr-Soldat Fotos: picture alliance/dpa / Sven Simon / JF-Montage

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