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Altersarmut: Ein Rentner kratzt die letzten Münzen zusammen Foto: dpa
Altersarmut

Senioren aus den östlichen Bundesländern beziehen häufiger Minirenten

BERLIN. Mehr als eine Million Rentner aus den östlichen Bundesländern bezieht trotz 40 Jahren Berufstätigkeit weniger als 1.000 Euro im Monat. Ihnen stehen etwa 1,5 Millionen Ostrentner entgegen, die auf ein Ruhegehalt von mehr als 1.000 Euro Netto kommen, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die der Berliner Zeitung vorliegt. Senioren in Grundsicherung sind in den Zahlen allerdings nicht enthalten.

Anders gestaltet sich das Verhältnis in den westlichen Bundesländern. Hier beziehen 3,5 Millionen Personen nach 40 Beitragsjahren eine Rente von über 1.000 Euro, 1,4 Millionen erhalten dagegen nur einen dreistelligen Betrag. Die Durchschnittsrente für das gesamte Bundesgebiet liegt bei 1.362 Euro für Männer und bei 991 Euro für Frauen.

Laut eines Berichts der Bild-Zeitung bekommen rund 9,7 Millionen Rentner im Monat weniger als 1.250 Euro überwiesen; lediglich 3,6 Millionen Renten liegen über diesem Betrag. Von den insgesamt 13,3 Millionen Versichertenrenten in Deutschland wäre dies ein Anteil von knapp 73 Prozent. Nahezu drei von vier Renten liegen damit unterhalb der sogenannten Standardrente von 1538,55 Euro (Ost: 1495,35 Euro), auf die ein Arbeitnehmer rechnerisch käme, der 45 Jahre seine Rentenbeiträge geleistet hat.

Linken-Fraktionsvorsitzender klagt über verfehlte Rentenpolitik

Rentnerinnen aus den östlichen Bundesländern können oft mit einer höheren Alterssicherung rechnen als diejenigen aus Bayern, Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz. So bezieht eine Brandenburgerin durchschnittlich 1.014 Euro Rente, eine Bayerin 969 Euro. Die höchste Rente erhalten Frauen im Osten Berlins mit 1.121 Euro. Seit 2013 sind die Bezüge in den östlichen Bundesländern um 23,9 Prozent gestiegen, im Westen um 17,5 Prozent. Bis 2025 sollen die Renten vollständig angeglichen sein.

Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Dietmar Bartsch, kritisierte die Bundesregierung wegen der seiner Meinung nach geringen Bezüge vieler Menschen im Ruhestand. „Die Zahlen sind die Folge einer verfehlten Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Die Schaffung eines riesigen Niedriglohnsektors und die Senkung des Rentenniveaus führen heute dazu, daß immer mehr Rentner kaum über die Runden kommen, selbst wenn sie jahrzehntelang eingezahlt haben“, klagte er.

Die Bundesregierung wies in ihrer Antwort darauf hin, daß die gesetzliche Rente nichts über das Haushaltseinkommen der Betroffenen aussage. Menschen, die mehr als 33 Jahre lang für einen unterdurchschnittlichen Verdienst gearbeitet haben, könnten zudem ab 2021 die Grundrente beantragen. (zit)

Altersarmut: Ein Rentner kratzt die letzten Münzen zusammen Foto: dpa

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