„Sims 4 – Nachhaltig leben“: Traum für „Fridays for Future“-Anhänger Fotos: Screenshots JF
„Sims 4 – Nachhaltig leben“: Traum für „Fridays for Future“-Anhänger Fotos: Screenshots JF
Promiskuitive Sozialisten

„Sims 4 – Nachhaltig leben“: Nur mal kurz die Welt retten

„Sims“ ist 20 Jahre alt und politisch geworden. Vor wenigen Tagen erschien die Spielerweiterung „Nachhaltig leben“. Nun werden Öko-Träume wahr. In der beliebten Spielereihe wird das menschliche Leben mit vielen Facetten simuliert. Die Figuren können empfinden, handeln, Karrieren einschlagen und sich sogar fortpflanzen.

Der Spieler steuert einen oder mehrere „Sims“, die er optisch gestalten und mit Charaktereigenschaften, etwa Ehrgeiz oder Introversion ausstatten kann. Zudem können für die Spielfiguren Lebensziele, wie eine Familie zu gründen oder „stinkreich“ zu werden, festgelegt werden. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich das individuelle Spielerlebnis, denn sie steuern die Gefühle und Stimmungen. Vernachlässigt man über einen längeren Zeitraum essentielle Bedürfnisse des Sims, führt das im schlimmsten Fall zu seinem Tod. Der Spieler hat die Macht über das Schicksal seiner Figur.

Spieler sollen Umwelt retten

Mit der neuen Erweiterung wird die Umwelt nun beeinflußbar und zu einer neuen Herausforderung – der Hersteller EA Electronics hat sich dem aktuellen gesellschaftlichen Trend folgend offenbar einem erzieherischen Auftrag angenommen: die Spieler sollen umweltbewußt handeln und missionieren.

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Die Macher haben die einst so sauber-sonnige Sims-Welt in einen dicken grün-grauen Nebel gehüllt, auf den Straßen der neuen Stadt „Evergreen Harbor“ stapelt sich der Müll – ein Albtraum für im großen Wohlstand aufgewachsene Jugendliche, die freitags die Schule schwänzen. Die Spieler sind mit einer verdreckten Umwelt konfrontiert, die es zu retten gilt. Hierfür wurden neue Karrieren geschaffen. Die Sims können nun Öko-Innovatoren werden und nachhaltige Technologien entwickeln, oder den Beruf Umweltschützer wählen und andere Sims im Stil grüner Zeugen Jehovas zum Naturschutz bekehren.

Belehrungen vom Öko-Nachbarn

Neue Frisuren, Accessoires und Kleidungsstücke geben der Spielfigur sogleich den Anstrich eines bunthaarigen, gepiercten Klischee-Aktivisten.

Punkte sammeln beim Missionieren Foto: Screenshot JF
Punkte sammeln beim Missionieren Foto: Screenshot JF

Zudem stehen neue Charaktereigenschaften zur Auswahl: Sims mit dem Merkmal „Freegan“ lehnen Konsum ab und ziehen es vor, Dinge wiederzuverwenden. Gerne durchwühlen sie auch Müllcontainer nach Sachen, die sie noch gebrauchen könnten. Figuren mit der Eigenschaft „Öko-Fanatiker“ hingegen leiden unter den dreckigen Straßen von „Evergreen Harbor“ und möchten ihre Umgebung zwanghaft begrünen.

Die Macher haben in diesem Spiel ein Auge fürs Detail bewiesen, kein Klischee kommt zu kurz: Selbst die Eßgewohnheiten ändern sich. Statt ehemals Tomaten-Schinken-Sandwiches oder Makkaroni mit Käse, bevorzugen die Sims nun „Tofuwürstchen“ oder „Veggieburger“.

Doch das Spiel soll sich nicht nur um die private Lebensweise eines Sims drehen, auch nachbarschaftliches Engagement ist gefragt! Sobald der Spieler eine oder mehrere Personen in ein Haus einziehen läßt, steht die örtliche Öko-Nervensäge Knox schon bereit, um für grüne Themen zu werben. Auf die Nachfrage hin, was er beruflich mache, gibt er an, arbeitslos zu sein. Ob sich die Programmierer dabei an der Realität orientiert haben?

Karriere als Öko-Aktivist Foto: Screenshot JF
Karriere als Öko-Aktivist Foto: Screenshot JF

Sims können sich zu aktivistischen Gruppen zusammenschließen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Doch es gibt einen Haken: Wer mitbestimmen will, braucht sogenannte „Einflußpunkte“. Die erwirbt der Sim in Gesprächen über nachhaltige Lebensweisen oder wenn er Mitbürger über ihren ökologischen Fußabdruck belehrt. Konkret heißt das: Kein Wahlrecht ohne grünes Engagement!

Wahl zwischen Sozialismus und Promiskuität

Gewählt werden keine Personen, sondern Themen. Etwa können die Spielfiguren einen Gemeinschaftsgarten bewirtschaften oder sich für saubere Luft einsetzen. Doch die Macher gehen noch weiter: Auch die Projekte „Freie Liebe“ und „Teilen heißt Kümmern“ werden angeboten. Beim ersten Vorhaben ist das Ziel, sich von festen Beziehungen abzuwenden und stattdessen wechselnde Geschlechtspartner zu bevorzugen. Beim Letzteren wird eine Abschaffung des Privateigentums gefordert: jedem soll alles gehören.

Mit einer ökologischen Lebensweise haben solche Projekte jedenfalls kaum noch etwas zu tun. Sims-Fans fühlen sich vom Hersteller übergangen, denn eigentlich hatten sich viele Nutzer eine weitaus traditionellere Form des Ökologismus gewünscht: ein „Farmleben“-Erweiterungspack, bei dem die Sims Bauernhöfe bewirtschaften, Nutztiere halten und in Mehrgenerationenhäusern leben können.

Die Botschaft ist eindeutig

„Freie Liebe“ und „Teilen heißt Kümmern“, neue Accessoirs und Frisuren Fotos: Screenshots JF

Die Entwickler haben diesen Wunsch jedoch politisch korrekt angepaßt. Statt Tradition werden dem Spieler nun kommunistische Ansätze und sexuelle Ungebundenheit als erstrebenswerte Lebenskonzepte nähergebracht.

Letztlich kann jeder Zocker selbst entscheiden, ob er seine Figuren mit den neuen Charaktereigenschaften ausstatten oder sie auf grüne Karrierewege schicken möchte. Jedoch kann der Spieler – realitätsgetreu – der Umwelt-Thematik kaum entgehen und wird mit der Holzhammermethode zwangsbeglückt. Komplexe klimatische und ökologische Prozesse werden zudem plump vereinfacht dargestellt: Jedes Handeln zieht sofortige Konsequenzen nach sich.

Die Botschaft ist eindeutig: Daß die Welt nun einer dystopischen Version von Berlin-Wedding gleicht, ist die Schuld des achtlosen Verhaltens der Sims und daher auch ihr Auftrag, sie zu retten. Einflußpunkte und der persönliche Fußabdruck der Spielfiguren sind dabei stets ein Ansporn, nicht nur bemüht, sondern der beste unter allen Gutmenschen zu sein. EA Electronics ermöglicht Klima-Kids ihren lang ersehnten Traum: endlich die Welt retten – wenn auch nur virtuell.

„Sims 4 – Nachhaltig leben“: Traum für „Fridays for Future“-Anhänger Fotos: Screenshots JF

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