The Plot
Szene aus der HBO-Serie „The Plot against America“ Foto: HBO/YouTube Screenshot
Serie „The Plot against America“

Ist Trump ein neuer Lindbergh?

Serien und Filme, die alternative Geschichtsverläufe zum Thema haben, erfreuen sich großer Beliebtheit. So war „The Man in the High Castle“ ein Erfolg. In der Serie werden die USA der 1960er Jahre dargestellt, wie sie nach einem Sieg Deutschlands im Zweiten Weltkrieg und der Besetzung durch deutsche und japanische Truppen ausgesehen haben könnten. Ebenfalls um die Themen Zweiter Weltkrieg, USA und Nationalsozialismus dreht sich die neue Serie des Senders HBO „The Plot against America“.

Die Produktion, die seit dem 16. März in Deutschland über den Streamingdienst Sky läuft, spielt im Jahr 1940. Für die Republikaner tritt der Flieger und Nationalheld Charles Lindbergh im Präsidentschaftswahlkampf an. Er propagiert einen isolationistischen Kurs, will die Vereinigten Staaten aus dem Krieg in Europa heraushalten und warnt davor, daß „die Juden“ hingegen das Land in den Krieg treiben wollen.

Die Exil-Deutschen mögen Bier und Frauen im Dirndl

Der Zuschauer verfolgt die damit einhergehenden Vorgänge der US-Gesellschaft aus der Perspektive der jüdischen Familie Levin in Newark, im Bundesstaat New Jersey. Die Zeichnung der Figuren ist jedoch recht holzschnittartig und klischeehaft. Neben dem liebevollen und verantwortungsbewußten Familienvater gibt es unter anderem noch einen künstlerisch begabten Sohn und den draufgängerischen Cousin. Dieser bekommt in der ersten Folge noch seine „Punch a Nazi“-Szene, als er mit einem Mitstreiter zwei betrunkene deutsche Nazi-Anhänger verprügelt.

Die Darstellung der deutschen Auswanderer, die auch in der neuen Heimat treu zum nationalsozialistischen Regime stehen, ist so klischeehaft geraten, daß die Einfallslosigkeit der Drehbuchautoren betroffen macht. So sitzen die Exil-Teutonen biertrinkend vor ihrem Lokal, hören wahlweise Propagandalieder oder tanzen bierselig zu Volksmusik mit den Dirndl-tragenden Bedienungen. Der auch in den USA damals präsente Antisemitismus wird dem Publikum plakativ präsentiert und gipfelt in Sätzen wie „Faschisten mögen keine Juden, weil Juden Juden sind“.

Die Warnung vor Trump schwingt latent mit

Die Serie will zu sehr mit dem erhobenen Zeigefinger ihre Warnung vor Faschismus und Antisemitismus vermitteln, daß die Unterhaltung auf der Strecke bleibt. So verspielen die Macher dieser großartig und detailliert ausgestatteten Serie die Chance, ein Gedankenexperiment über diese alternative Geschichte packend zu erzählen. Daran ändert auch die hochkarätige Besetzung nichts. So versammelt „The Plot“ neben Winona Ryder eine ganze Reihe weiterer Darsteller, die man aus Hollywood-Produktionen kennt.

Offensichtlich stand bei den Verantwortlichen zu sehr der Wunsch im Vordergrund, im Jahr der US-Präsidentenwahl mehr oder weniger subtil Stimmung gegen Amtsinhaber Donald Trump zu machen. Nicht nur die Erinnerung an die Parole „America First“, die damals von Isolationisten verwendet und später von Trump aufgegriffen wurde, zeigt, worum es den Serienmachern geht. Die Versuche, durch derartiges Winken mit dem Zaunpfahl Parallelen zu Trump zu ziehen, um ihn so indirekt in eine Reihe mit historischen Antisemiten zu stellen, ist schlicht hanebüchend.

Der historische Lindbergh, der als Angehöriger der US-Luftwaffe vor dem Zweiten Weltkrieg mehrmals Deutschland besuchte, trat übrigens nicht als Präsidentschaftskandidat an. Vom deutschen Luftwaffenchef Herman Göring wurde der Amerikaner, der als erstes allein von New York nach Paris flog, mit dem Großkreuz des Deutschen Adlerordens ausgezeichnet. Wegen seiner antisemitischen Reden sank sein Stern in den USA ab 1941 jedoch.

Szene aus der HBO-Serie „The Plot against America“ Foto: HBO/YouTube Screenshot

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag