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Buchvorstellung von „Die große Energiekrise“: Fritz Vahrenholt: „Energie ist eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft“

Buchvorstellung von „Die große Energiekrise“: Fritz Vahrenholt: „Energie ist eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft“

Buchvorstellung von „Die große Energiekrise“: Fritz Vahrenholt: „Energie ist eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft“

Fritz Varenholdt bei der Vorstellung seines neuen Buches
Fritz Varenholdt bei der Vorstellung seines neuen Buches
Fritz Vahrenholt bei der Vorstellung seines neuen Buches: picture alliance/dpa | Paul Zinken
Buchvorstellung von „Die große Energiekrise“
 

Fritz Vahrenholt: „Energie ist eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft“

SPD-Urgestein Fritz Vahrenholt warnt eindringlich: „Deutschland steht am Anfang einer großen Energiekrise“. Mit seinem neuen Buch will Vahrenholt Rat in unsicheren Zeiten geben. Sein Weggefährte, der Grünen-Mitbegründer Otto Schily (SPD), lobt seinen Mitstreiter.
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Ein Freitagnachmittag in Berlin. Der Wind weht kalten Nieselregen über die Straßen, Fußgänger umrunden große Pfützen. Vor einem Hotel im Westen der Stadt steht ein Angestellter und pustet die Rauchschwaden seiner Zigarette in die Luft. Im Inneren des Hotels, nur ein paar Türen von der Portiersloge entfernt, sitzen zwei alte SPD-Granden und stellen ein Buch vor.

Fritz Vahrenholt, ehemaliger Umweltsenator von Hamburg, hat es geschrieben. Otto Schily, ehemaliger Bundesinnenminister, Gründungsmitglied der Grünen, ehemaliger Rechtsanwalt der linken Studentenszene Berlins und quasi menschgewordene deutsche Nachkriegsgeschichte, unterstützt ihn. „Die große Energiekrise. Und wie wir sie bewältigen können“, lautet der Titel.

Otto Schily: „Wälder abholzen, um Windräder zu bauen, ist ein Skandal“

Es ist ebenfalls Schily, der die Veranstaltung einleitet. Das Buch seines Kollegen habe ein große Aktualität. Die derzeitigen Energiepreise würden deutlich vor Augen führen, daß die Energiewende gescheitert sei. Für die deutsche Wirtschaft sei das existenzbedrohend. „Und das ist keine Frage der nächsten zwei, drei Jahre, sondern der nächsten Quartale in diesem Jahr“. Energie, betont Schily, ist eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft“.

Das neue Buch von Fritz Varenholdt
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Für Vahrenholt hat er viel Lob übrig. „Er ist kein Dogmatiker“. In Energiefragen plädiere er nicht für ein „entweder, oder“, sondern für ein „sowohl, als auch“. Vahrenholt habe sowohl ökologisches Bewußtsein, wie wirtschaftlichen Sachverstand, betont der ehemalige Bundesinnenminister. Ein Bewußtsein, welches das ehemalige Grünenmitglied bei der derzeitigen Regierung offenbar nicht erkennt: „Wälder abzuholzen, um dort Winräder hin zu bauen, ist nicht ökologisch. Das ist ein Skandal.“

China überholt Deutschland pro Kopf im CO2-Verbrauch

„Deutschland steht am Anfang einer Energiekrise.“ Mit diesen Worten beginnt schließlich Vahrenholt seinen Vortrag. Was zurzeit an Krisensymptomen zu beobachten sei, habe nicht der Ukrainekrieg erschaffen, dieser habe die Probleme nur sichtbar gemacht. Eigentlich steuere das Land seit Längerem auf Probleme bei der Energieversorgung zu, die Pandemiejahre hätten die Krise allerdings kurzzeitig „eingeschläfert“.

Hinter ihm erscheint die erste Grafik auf einer Leinwand. Sie zeigt die Entwicklung des deutschen Börsenstrompreises des vergangenen Jahres an. Der ehemalige Hamburger Umweltsenator deutet auf die Kurve. „Daß Habeck bis zum September gezögert hat, die Kohle- und Atomkraftwerke weiter in Betrieb zu halten, hat die Strompreise bis zu diesem Zeitpunkt in die Höhe schießen lassen.“ Nun müsse sich Deutschland Energie über den Seeweg einkaufen, „wie ein Entwicklungsland“.

Weitere Grafiken folgen. Darüber, daß die vier größten Ölkonzerne mittlerweile weniger investieren. Über den Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten. Vahrenholt merkt an, daß es dementsprechend bizarr sei, zu glauben, daß sich der Energieverbrauch innerhalb weniger Jahre senken ließe. Im weltweiten Vergleich sei Deutschland das einzige Land, das seinen CO2-pro-Kopf-Verbrauch habe senken können. Der in China sei hingegen gestiegen und habe die Bundesrepublik mittlerweile überholt.

Die Schattenseiten der Erneuerbaren

Für die Umwelt sei das insgesamt nicht vorteilhaft. „Wenn es der Wirtschaft in Deutschland schlecht geht und dann Arbeitsplätze nach China abwandern, dann haben sie dort einen höheren Energieverbrauch als hier. Weltweit wird dann also mehr Energie verbraucht, nicht weniger.“ Auch bei den Spezifika der Erneuerbaren Energien ist Vahrenholt wenig zuversichtlich. „Windparks erhöhen die Lufttemperatur um 1,5 Grad. Zudem trocknet sie Böden aus.“

In der Kombination mit Kernenergie hätten Erneuerbare Energien ihre Berechtigung, aber alleine könnten sie die Energieversorgung nicht stemmen. „Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich habe Windenergie mitentwickelt“, unterstreicht Vahrenholt seine Ausführungen. Tatsächlich arbeitete er von 2001 bis 2007 im Vorstand des Windenergiekonzerns „RE-Power Systems“.

Vahrenholt und Schily verzweifelt über die Ampel

Als vielversprechend erachte er hingegen das Prinzip der „Grünen Kohle“. Mittlerweile gäbe es sehr gute Möglichkeiten, um CO2 in Basaltgestein einzuspeichern, wo es nach zwei Jahren fast völlig mineralisiert sei. Eine besonders effektive Form des sogenannten „Pressens“. Der Vortrag neigt sich dem Ende. Langsam heben sich im Publikum die ersten Hände und es scheint besonders eine Frage zu sein, die die Zuhörer umtreibt. Wenn die Dinge doch so klar lägen, wieso agiere die Politik dann auf diese Weise?

Es ist das erste Thema, bei dem Vahrenholt und Schily plötzlich etwas ratlos wirken. Das Verhalten seiner früheren Partei wirke auf ihn „religiös“, bekundet Schily. Vahrenholt sieht Naivität am Werk. „Deutschland hat durch seine Großeinkäufe beim Gas, den globalen Gaspreis enorm in die Höhe getrieben. Deswegen ist jetzt Pakistan aus dem Gas ausgestiegen und möchte nur noch auf Kohle setzen. Alleine daran erkennt man, wie absurd die deutsche Politik eigentlich ist“, schließt er.

Fritz Vahrenholt bei der Vorstellung seines neuen Buches: picture alliance/dpa | Paul Zinken
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