Feuerzangenbowle
Feuerzangenbowle: Hoher Gehalt an Prozenten, viel Zucker – das kann Konsequenzen haben Foto: picture-alliance/dpa
Feuerzangenbowle

Jeder nur einen wönzigen Schlock!

Sie ist die Königin der „geistigen Getränke“. Der Star einer jeden Weihnachts- oder Silvesterfeier. Wenn es draußen kalt geworden ist und die dunkle Jahreszeit regiert, spendet sie Wärme und Behaglichkeit. Ihr Duft erfüllt den Raum mit weihnachtlichen Gerüchen, ihr flackernder Schein läßt die freudig-erregten Gesichter der um sie versammelten Runde erstrahlen wie Kinderaugen bei der Bescherung. Die Feuerzangenbowle. Jene Verschmelzung aus Glühwein und Grog, der heimliche Liebling der Kopfschmerzmittelindustrie.

Angestachelt durch ihren Genuß entspann einst in Heinrichs Spoerls Roman „Die Feuerzangenbowle“ der junge Schriftsteller Johannes Pfeiffer die Idee, als verjüngter Oberprimaner nochmals die Schulbank auf einem kleinstädtischen Gymnasium zu drücken. Die gleichnamige Verfilmung aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle sorgt bis heute bei Jung und Alt für Erheiterung.

Und nicht nur in couleurstudentischen Kreisen erfreut sich ein gemeinsamer Filmabend mit diesem Klassiker bei gleichzeitigem Konsum der Namensgeberin noch immer großer Beliebtheit. Die DVD gibt es schon für etwa 7 Euro. Das passende Bowlenset dazu – bestehend aus einem gut vier Liter fassenden Glas­topf mit Deckel, Stövchen, Schöpfkelle und der unerläßlichen Feuerzange – bereits ab etwas über 30 Euro.

Hoher Gehalt an Prozenten, viel Zucker – das zieht rein

Auch die Liste der Zutaten ist überschaubar, und die Ingredienzien sind für wenig Geld in jedem Supermarkt zu bekommen. Für eine Feuerzangenbowle benötigt man lediglich drei Flaschen Rotwein, Zitronen- und Orangensaft, Zimt, Anis sowie Gewürznelken (für Nicht-Puristen tun es auch Glühfix-Beutel), einen Zuckerhut und 54prozentigen Rum.

Letzteren empfiehlt es sich, mittels 80prozentigem Stroh-Rum etwas „aufzuspritten“. So ist ein optimales Verbrennungsergebnis des Zuckerhutes garantiert. Anfängern sei hierbei ein Mischungsverhältnis von 3 zu 1 empfohlen. Trinkerfahrene dürfen sich aber getrost auch an einem Verhältnis von 2 zu 1 versuchen.

Dieses bietet sich auch hervorragend für Weihnachtsfeiern an, die aus unerklärlichen Gründen einfach nicht in Schwung kommen wollen. Doch Achtung: Sollte es sich um eine berufliche Jahresendfestivität handeln, so ist Vorsicht geboten. Der relativ hohe Alkoholgehalt, gepaart mit einem nicht geringen Zuckeranteil, kann – vor allem beim Zusammentreffen mit frischer Luft – ungeahnte Reaktionen hervorrufen.

„Eh’ es verdüftet, Schöpfet es schnell!“

Der zunehmende Kontrollverlust bei exzessivem Genuß, insbesondere beim weiblichen Geschlecht, wird zudem am nächsten Tag gern dem Zeremonienmeister – sprich dem Zubereiter der Köstlichkeit – zugeschrieben. Daher sollte darauf geachtet werden, daß Vorgesetzte, allen voran der Chef, stets mit einer vollen Tasse heißer Bowle versorgt sind. Dies verringert möglicherweise das Schamgefühl am Morgen danach, sollte die Contenance im Laufe des Abends doch etwas gelitten haben. Außerdem gilt auch hier die Regel: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Die angemessene Zubereitung einer standesgerechten Feuerzangenbowle hat bereits Friedrich Schiller in seinem „Punschlied“ beschrieben. Alternativ liegt dem Feuerzangenset aber auch eine Anleitung bei, die selbst nach fortgeschrittenem Alkoholkonsum dank ihrer Einfachheit verständlich bleibt. Schillers Ratschlag sollte dennoch beherzigt werden, denn lauwarm oder gar kalt ist auch die beste Feuerzange nur schwer zu genießen. Darum: „Eh’ es verdüftet, Schöpfet es schnell! / Nur wenn er glühet, Labet der Quell.“

JF 52/14

Feuerzangenbowle: Hoher Gehalt an Prozenten, viel Zucker – das kann Konsequenzen haben Foto: picture-alliance/dpa

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