WM-Botschafter Stefan Kretzschmar

Handball-Ikone: „Haben keine Meinungsfreiheit mehr“

BERLIN. Der Ex-Handballnationalspieler und derzeitige Botschafter der Handball-WM 2019, Stefan Kretzschmar, hat eine mangelnde Meinungsfreiheit insbesondere im Sport beklagt. „Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch – es sei denn es ist die mainstreampolitische Meinung, wo man sagt ‘Wir sind bunt!’ oder ‘Refugees Welcome’, wo man gesellschaftlich nichts falsch machen kann“, kritisierte Kretzschmar gegenüber dem Nachrichtenportal T-Online. „Hat man aber eine einigermaßen kritische Meinung, darf man das in diesem Land nicht sagen.“

Zwar sei es nicht so, „daß wir in den Knast kommen, wenn wir uns kritisch äußern“, verdeutlichte der 45jährige. „Aber wir haben keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne. Sobald wir gesellschaftskritische Meinungen äußern, haben wir von unserem Arbeitgeber mit Repressalien zu rechnen.“ Die Spieler, ob im Handball oder im Fußball, würden sich kaum noch trauen, etwas zu sagen. Für jeden falschen Kommentar bekämen sie „eins auf die Fresse.” Dem setze sich kein Leistungssportler mehr aus. „Keiner streckt den Kopf mehr höher raus, als er muß.“

Die 26. Handball-Weltmeisterschaft der Männer wird 2019 in Dänemark und Deutschland ausgetragen. Stefan Kretzschmar tourt derzeit als WM-Botschafter für den Spielort Berlin durch Deutschland. Der 218-fache Nationalspieler war in seiner Jugend lange Zeit in der linken Szene unterwegs und galt während seiner aktiven Karriere als „Enfant Terrible“ des Handballsports. (ha)

Stefan Kretzschmar: „Hat man eine einigermaßen kritische Meinung, darf man das in diesem Land nicht sagen.“ Foto: picture alliance

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