Ben-Hatira
Änis Ben-Hatira Foto: picture alliance / Sport Moments/Gora
Änis Ben-Hatira

Fußball-Profi verteidigt Salafisten-Verein

DARMSTADT. Der Darmstädter Fußball-Profi Änis Ben-Hatira hat für die mutmaßlich salafistische Organisation „Ansaar International“ gespendet. Am vergangenen Samstag während des Heimspiels gegen Borussia Mönchengladbach (0:0) hatte eine Gruppe Darmstädter Fans deshalb Handzettel auf der Tribüne des Stadions verteilt. Darauf kritisierten sie Ben-Hatiras Unterstützung der Organisation Ansaar International, die vom Verfassungsschutz dem salafistischen Spektrum zugeordnet wird.

Der linke Mittelfeldspieler von SV Darmstadt 98 (aktuell 18. Platz in der 1. Bundesliga) hat sich der Kritik auf Facebook gestellt. Er bestreitet, daß die Organisation radikale Salafisten unterstütze und schreibt: „Ansaar hat die einzige Kläranlage von Gaza in Palästina, viele riesige Waisenhäuser, die man auch besuchen kann, oder ganze Krankenhäuser, die sogar von der UN besucht werden.

Darmstadt beendet Zusammenarbeit

In ihren Videos sieht man, wie selbst Christen oder Jesiden von ihrer Hilfe schwärmen, eben daß sie auch den Menschen unabhängig von ihrem Glauben helfen und genau das gefiel mir. Von irgendwelchen radikalen Aktivitäten war nie etwas zu sehen, alles absoluter Quatsch.“

Auch Hinweise, daß die Ansaar International vom Verfassungsschutz beobachtet oder dem salafistischen Spektrum zugeordnet wird, wiegelt er mit folgenden Worten ab: „Kommen wir zu den Vorwürfen, was den Verfassungsschutz betrifft. Es existieren Berichte, schwarz auf weiß, wie ein hoher Verfassungsschützer die Vorwürfe aus dem WDR-Bericht gegenüber Rechtsanwälten verneinte.“

Offenbar war das zuviel für den Fußballverein: Laut Bild-Zeitung äußerte sich jetzt Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch: „Nach Analyse der Gesamtsituation macht eine weitere Zusammenarbeit für beide Seiten keinen Sinn mehr. Der SV 98 beurteilt Ben-Hatiras privates humanitäres Hilfsengagement wegen der Organisation, der er sich dabei bedient, als falsch.“

Sonderbare Stellungnahme

Wobei man sich wirklich fragen muß, ob man einen Mann ernst nehmen darf oder muß, der auch folgendes in seiner überaus langen und doch sicherlich ernstgemeinten Stellungnahme zu Ansaar International postet:

Hinten links auf dem Bild, der weiße Mann wie ihn die Kinder nannten, seht ihr einen meiner engsten Freunde, Dommy. Er hatte mich auf dieser Reise begleitet und stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite. Das Interessante ist, er machte nach seiner Schullaufbahn seinen Verwaltungsfachwirt im Bereich Polizeivollzugsdienst. Mit 17 Jahren gelang es ihm, bei seiner Bewerbung zum Staatssekretär des Bundesverfassungsschutzes unter die bundesweite engere Auswahl zu kommen, bei der man ihm lediglich aufgrund seines Alters riet, zunächst eine andere Ausbildung zu absolvieren. Ihr seht, auch er hat sich mehr oder weniger mit der Materie rund um diese Themen befaßt und ist ein Junge, dem Recht und Ordnung, vor allem aber auch das Wohlergehen der unterdrückten Menschen am Herzen liegt.

Änis Ben-Hatira ist in Berlin geborener Deutsch-Tunesier. Er schreibt weiter: „Daß nun versucht wird, mir meine sportliche Karriere in Deutschland zu sabotieren, empfinde ich als den eigentlichen Skandal.“

Laut „transfermarkt.de“ wäre Ben-Hatira bei Darmstadt noch bis zum 30. Juni 2017 unter Vertrag gewesen. Vorher kickte er bei Hertha BSC, ging dann zu Eintracht Frankfurt. Grund für den damaligen Wechsel soll ein Faustschlag gegen seinen Mitspieler Mitchell Weiser gewesen sein. (mec)

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