Markus Krall Freiheit oder Untergang
Tim Renner (links) und ein Bild von Honecker (weniger weit links)
Tim Renner (links) und ein Bild von Honecker (weniger weit links): Humor ist, wenn man trotzdem lacht Foto: dpa

Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner
 

Witzischkeit kennt keine Grenzen

Wieviel Kulturstaatssekretäre braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln? Nein, so beginnen keine guten Witze. Neuer Versuch: Kommen ein Kulturstaatssekretär, ein Priester und ein Pferd in eine Bar … Wieder nichts. Schon das Wort klingt denkbar unsexy. Kultur, Staat, Sekretär. Sechs Silben wider die Lebenslust.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, dachte sich nun offenbar das Berliner Exemplar dieser schrulligen Gemeinschaft von Nettostaatsprofiteuren. Wie? Sie kennen den Berliner Kulturstaatssekretär nicht? Dann klären wir Sie mal auf, und lassen sie künftig in der Kategorie „unnützes Wissen“ punkten.

Pop-Professor von der Spree …

Der Mann heißt Tim Renner, ist 51 Jahre alt, Sozialdemokrat, seit 2014 im Amt und selbst in Berlin unbekannt. Immerhin: 2009 wurde Renner zum Professor an der Popakademie Baden-Württemberg ernannt. Um sich mal etwas ins Gespräch zu bringen, ließ der Popologe am Montag seinen gesamten Esprit, seine Witzigkeit und Raffinesse in einen Beitrag auf Facebook einfließen. Heraus kam dann etwas mit Hitler, der AfD und einem Penis.

Genau genommen ging es um die Meldung, Hitler habe ein kurzes Gemächt gehabt. Wortakrobat Renner zauberte daraus: „Mikro-Penis? Eine vielleicht auch in Sachsen und bei AfD Mitgliedern weit verbreitete Krankheit. Vielleicht sollte man seitens des Staates Penisverlängerungen subventionieren.(das beantwortet aber leider noch nicht die Frage, wie man Frau Petry helfen könnte…)“ Dazu natürlich noch ein grinsender Smiley. Wahnsinn, oder? Ein Witz über die AfD! Das hat es in Deutschland jenseits der Humorgruft der ZDF-„Heute Show“ noch nicht gegeben.

… im Mimimi-Modus

Eigentlich wäre die Sache damit erledigt. „Peinlicher Kulturstaatssekretär blamiert sich auf Facebook“, wäre eine Meldung, die in journalistischen Kreisen etwa so ernst genommen würde wie „Hund beißt Mann“. Also ging Renner aufs Ganze und kritisierte seine Kritiker.

„Einer der vielen, anstrengenden Eigenschaften von Menschen mit rechtsradikalen Tendenzen ist die Abwesenheit von Selbstreflexion und Humor“, ergänzte der Humorpapst fix. In Wirklichkeit habe er doch nur „die völlig abstruse Meldung des Schweizer Boulevard, die behauptet, Hitler habe einen kleinen Penis gehabt für einen prolligen, sexistischen Post genutzt“. Den Gedanken, warum ausgerechnet „Menschen mit rechtsradikalen Tendenzen“ sich gegen prollige Sexistenwitze wenden, und nicht Leute wie, sagen wir: Tim Renner, ersparte sich der Kulturstaatssekretär dann lieber.

Immerhin. Daß seine Kritiker den Beitrag als „unwürdig“ bezeichnen, mag der Goethe von der Spree nicht auf sich sitzen lassen. „Was sind dann die Äußerungen von Höcke und von von Storch, mal von den Parolen und der angedrohten Gewalt des Mobs den AfDler Hetzer in ‪Clausnitz organisiert hat“, fragte sich also Renner und wies zudem daraufhin, daß die Hitler-Penis-Meldung aus der Schweiz den „Völkermord indirekt gefährlich verharmlost“. Tja, war wohl alles doch nicht so witzig, oder?


Tim Renner (links) und ein Bild von Honecker (weniger weit links): Humor ist, wenn man trotzdem lacht Foto: dpa
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