Kind in der Grundschule: Indoktrinantion von Anfang an Foto: dpa
Kommentar

Gender: EU prüft Sprachmanipulation an Kindern

„Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“: Nicht zufällig war die Verfilmung des gleichnamigen Buches so erfolgreich. Auch wenn Klischees nicht immer stimmen, erwachsen beliebte Zuschreibungen aus einer Grundwahrheit: Mann und Frau unterscheiden sich – in Aussehen, Denken und Neigungen. Nicht alle wollen das hinnehmen, denn ein Einheitsmensch wäre in vielerlei Hinsicht leichter zu handhaben, sei es als Bürger, Steuerzahler oder als Mitarbeiter in einem großen Unternehmen. Die Ideologie des „Gender Mainstreaming“, die alles gleichmachen will, kommt manchen daher sehr entgegen.

Die EU hat sich vor einigen Jahren dieser Lehre unterworfen. Die Europäische Kommission finanziert deshalb Untersuchungen, um herauszufinden, wie man die Unterschiede zwischen den Geschlechtern einebnen kann. Dabei lotet sie mit dem Forschungsvorhaben „Language, Cognition, and Gender“ ganz gezielt auch sprachpolitische Maßnahmen aus. Die Forschungsergebnisse sind in wissenschaftlicher Form übrigens nur auf englisch zu haben.

Frau Hannover, die Genderistin

An einer entsprechenden Studie, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden, wirkte auch Bettina Hannover mit, die Ehefrau des Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel. Die Professorin arbeitet als Psychologin und Genderistin an der Freien Universität Berlin. In Hausarbeiten streicht sie es ihren Studenten als Fehler an, wenn sie sich nicht den Vorgaben der politisch korrekten Gendersprache unterwerfen. Mit rund 417.000 Euro förderte die EU-Kommission das Berliner Teilprojekt.

Angesichts der politischen Ausrichtung sowohl des Auftraggebers als auch der Auftragnehmerin war das Ergebnis der Untersuchung vorherzusehen: Sprache eignet sich als Werkzeug zur Manipulation von Kindern. Daß Hannover nicht unvoreingenommen ans Werk ging, sondern eine Rechtfertigung für politische Maßnahmen liefern wollte, verriet sie in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel: „Unsere Studie zeigt, daß schon kleine Kinder solche Geschlechterstereotype verinnerlicht haben. Das ist etwas, das wir beklagen und bekämpfen müssen.“ Eine der Vorgaben der EU-Kommission an die Wissenschaftler lautete denn auch: „How can gender equality be promoted through strategies for gender-fair language use?“ (etwa: „Wie kann das Durchsetzen geschlechtergerechte Sprache die Angleichung der Geschlechter fördern?“)

Binsenweisheiten für 417.000 Euro

In ihren Experimenten lasen die Psychologen um Frau Hannover 591 Grundschülern Berufsbezeichnungen vor. Das eine Mal verwendeten sie die geschlechtsneutrale Form („Ingenieure“) , das andere Mal betonten sie ausdrücklich die Frauen („Ingenieure und Ingenieurinnen“). Anschließend fragten sie die Kinder, ob sie sich selbst zutrauen würden, diesen Beruf zu ergreifen. Und, welch ein Wunder, die Mädchen konnten sich eher mit einem Beruf identifizieren, wenn das weibliche Geschlecht ausdrücklich hervorgehoben wurde. Eine Binsenweisheit, die billiger als die verausgabten 417.000 Euro zu haben gewesen wäre.

Darüber hinaus hält auch der Forschungsansatz einer kritischen Prüfung nicht stand. Grundschüler sind noch nicht in einem Alter, in dem sie abschätzen zu können, ob sie für einen bestimmten Beruf geeignet sind. Sie sind zwar für vieles aufgeschlossen, aber die Neigung zu bestimmten Tätigkeiten hat sich noch nicht so deutlich herausgebildet, zumal die Pubertät ja noch bevorsteht. Daher wäre die Untersuchung nur dann aussagekräftig, wenn eine bestimmte Schülergruppe von der Einschulung bis zur Berufswahl sprachlich manipuliert worden wäre, und in der Gruppe dann anschließend ein signifikant hoher Anteil von Frauen einen Männerberuf ergreift.

Sinnlose Sprachmanipulation

Dabei stellt sich freilich die Frage nach dem Sinn dieser Manipulation hin zu bestimmten Berufen. Wozu soll es gut sein, wenn es mehr weibliche Kfz-Mechaniker gibt? Einem Auto sollte es gleichgültig sein, ob es von einem Mann oder einer Frau repariert wird, ebenso dem Besitzer: Hauptsache, der Wagen fährt wieder. Die EU könnte das Geld daher gezielter anderswo investieren, etwa in die finanzpolitische Weiterbildung ihrer Beamten, wo augenscheinlich noch Nachholbedarf besteht.

Schließlich stellt sich noch die Frage, ob solche manipulativen Menschenexperimente ethisch zu vertreten sind. Die Sprache hat nämlich die Aufgabe, so gut es eben geht, die Wirklichkeit abzubilden. Dabei steht sie im Widerspruch zum „Gender Mainstreaming“, weil die Wirklichkeit nicht der Wunschwelt der Genderisten entspricht. Die realistische Herangehensweise wäre nun, die Wunschwelt der wirklichen Welt anzupassen (also das Gendern aufzugeben), während der idealistische Weg wäre, die Wirklichkeit der Wunschwelt zu nähern (also die Menschen zu ändern).

Aufbau einer Scheinwelt

Aber auch für die idealistische Herangehensweise gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, die Wirklichkeit zu verändern. Das stößt jedoch an Grenzen, beim Genderismus sind es Schöpfung und Biologie. „Conchita Wurst“ bleibt ein Mann, auch wenn er sich als Frau verkleidet und weibliche Bewegungen nachahmt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Abbildung der Wirklichkeit zu verändern. Neben die Wirklichkeit wird eine Scheinwelt gesetzt, die leichter an die Wunschwelt angepaßt werden kann. Das führt jedoch dazu, daß die Sprache nicht mehr die Wirklichkeit abbilden soll, sondern eine Scheinwelt. Das geht allerdings nur über Manipulation. Und eine Sprache, welche die Wirklichkeit nicht mehr korrekt zeigt, verwirrt und führt zu Mißverständnissen.

Genau das ist aber geplant: die Sprache zu manipulieren. Frau Hannover gibt zu, nein fordert sogar: „Wir sollten hier in Zukunft auch Sprachkompetenz schulen.“ Sie weiß: „Sprachpolitische Maßnahmen [haben] einen direkten Einfluß auf uns.“ Daher schlägt sie vor: „Mit der systematischen Verwendung solcher Sprachformen – zum Beispiel durch Lehrkräfte und Ausbildende – kann also ein Beitrag dazu geleistet werden, mehr junge Leute für eine Karriere in diesen Berufen zu motivieren.“ Wie gezeigt, geben das die Forschungsergebnisse gar nicht her.

Nicht alle Scheinwelten sind jedoch politisch gleichermaßen erwünscht. Obwohl der Kinofilm „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ im Januar 2008 binnen weniger Wochen über eine Million Zuschauer erreicht hatte, wurde er nicht für den von der Bundesregierung ausgelobten Deutschen Filmpreis nominiert. Die Scheinwelt des Kinos hatte offenbar nicht der Scheinwelt der Kritiker entsprochen.

Dries Vervecken, Bettina Hannover: Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy. In: Social Psychology Nr. 46 (2015), Seite 76 bis 92.

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