Thilo_Sarrazin_Bundesbank

Meinungsfreiheit
 

Sarrazin kritisiert „deutsche Harmoniesucht“

Thilo_Sarrazin_Bundesbank
Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD): mehr Mut zum Streit Foto: Bundesbank

BERLIN. Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD) hat mehr Mut zur politischen Auseinandersetzung gefordert. „Es muß in einer Gesellschaft auch eine gewisse Menge Streit, Krach und Kontroverse geben, denn es gibt ja auch unterschiedliche Interessen“, sagte er in einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.

„Die deutsche Harmoniesucht hat doch dazu geführt, daß viele Dinge gar nicht klar genug benannt und dann aufgeschoben werden“, warnte Sarrazin. Zwar sei der „soziale Frieden“ wichtig, wer diesen jedoch „als Monstranz vor sich her trägt, dann ist dies Religionsersatz, und Religion ist nach Karl Marx Opium für das Volk“.

Zuwanderung hat keine Probleme gelöst, sondern geschaffen

Als Beispiel nannte der ehemalige Berliner Finanzsenator die Integrationspolitik. So sei es eindeutig „daß so, wie in den vergangenen Jahrzehnten Zuwanderung in Deutschland ablief, damit keine alten Probleme gelöst, sondern lediglich neue Probleme geschaffen wurden“. Man glaube, Debatten ausweichen zu können, indem man sie nicht führt. „Doch das ist falsch. Alle wichtigen Debatten kommen irgendwann.“

Dann befänden sie sich allerdings in einem Umfeld, in dem man sie nicht mehr kontrollieren könne, „wo sie einem um die Ohren fliegen“. Sarrazin wies darauf hin, daß der Anteil der Empfänger von Grundsicherung in Berlin bei 20 Prozent liege, „doch es kommen 40 Prozent der Berliner Kinder aus diesem Bereich“. Daher müsse man jetzt mit dem Thema umgehen, da die Zahl derer, die überhaupt Steuern zahlen, immer geringer werde.

Linkspartei ein „ideologisches Museum“

Als Hauptverursacher machte Sarrazin „einen sehr etablierten Bereich mächtiger, meinungsführender Stimmen“ in Deutschland aus, „die sich als Verteidiger der Schwachen und Entrechteten sehen“.

Für die Strategiepapiere der Linkspartei hat der Sozialdemokrat nur Spott übrig. Sie seien „eine Ansammlung von verstaubten Asservaten aus dem ideologischen Museum“. Dagegen verfüge das „Kommunistische Manifest“ wenigstens über „mehr sprachlichen Glanz“. (FA)

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles