Rangsdorf Stauffenberg
Verfall trotz Denkmalschutz: Gebäude des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf südlich von Berlin Foto: picture alliance / zb | Reinhard Kaufhold
Ehemaliger Flugplatz Rangsdorf

AfD fordert weitere Stauffenberg-Gedenkstätte

BERLIN. Die AfD-Fraktion im Bundestag hat sich dafür ausgesprochen, auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf in Brandenburg eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das gescheiterte Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 zu errichten.

An dem Tag war Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Adjutanten Werner von Haeften von dort aus ins Führerhauptquartier nach Rastenburg in Ostpreußen geflogen, wo er die Bombe, die Hitler töten sollte, deponierte. Danach landete er wieder auf dem Flughafen Rangsdorf, um in Berlin das Unternehmen „Walküre“ auszulösen, mit dem die Nationalsozialisten entmachtet werden sollten.

In einem Antrag fordert die AfD-Fraktion daher, „daß auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf eine Stätte des Erinnerns und Lernens für das gescheiterte Attentat am 20. Juli 1944 errichtet und finanziell angemessen ausgestattet wird“. Dadurch könne die Regierung „im besonderen Maße den Blutzoll würdigen, den der politisch verantwortungsbewußte Teil des Adels als Träger des militärisch-nationalkonservativen Widerstands und die mit ihm kooperierenden bürgerlich-zivilen Widerstandskreise erbracht haben“.

Früher „Verräter“, heute „Verächter der Demokratie“

Neben ethischen Motiven hätten die Widerstandskämpfer des 20. Juli vor allem das Ziel gehabt, den Krieg möglichst rasch mit einem für Deutschland halbwegs erträglichem Ausgang zu beenden. Während Stauffenberg und seine Mitverschwörer bis in die sechziger Jahre hinein deswegen als „Verräter“ verunglimpft wurden, würde ihnen heute angelastet, „Verächter der parlamentarischen Demokratie gewesen zu sein“, beklagt die AfD in ihrem Antrag.

Stauffenberg
Flugplatz in Rangsdorf: Hier startete Stauffenberg nach Ostpreußen zum Attentat auf Hitler. Eine Strasse erinnert an ihn Foto: picture alliance / zb | Reinhard Kaufhold

„Der heute zunehmende Fokus darauf, daß es bei den Verschwörern des 20. Juli vor allem um Demokratieverächter und ehemals überzeugte Nationalsozialisten gehandelt habe, die als Vorbilder für die heutige deutsche Demokratie bestenfalls bedingt oder nur als Beispiele für ‘Zivilcourage’ tauglich seien, hat seine Wurzeln nicht zuletzt in den späten 1960er Jahren.“

Seitdem habe der Streit um die demokratische Gesinnung des deutschen Widerstands nicht nachgelassen, sondern werde zunehmend mit den Maßstäben des heutigen Zeitgeistes beurteilt. Zentraler Bestandteil solcher „politischen Verhältnisse“ sei eine Erinnerungspolitik, „die zunehmend von doktrinären Positionen und Interessenlagen bestimmt ist und sich oft genug in der Kultivierung eines Schuldkomplexes ergeht“. Dem könne eine Gedenkstätte für das Attentat und seine Verantwortlichen entgegenwirken.

Auch der Ehefrauen und Kinder gedenken

Dabei solle vor allem auch dem Schicksal der Ehefrauen und Kinder der Attentäter gedacht werden. „Die Ehefrauen, aber auch Mütter oder Schwestern waren oftmals Vertraute der Widerstandskämpfer und damit in besonderer Art und Weise in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus eingebunden. Ihr Engagement im Widerstand gegen Hitler, gerade auch in menschlicher Hinsicht, sollte mit dieser Erinnerungsstätte eigens gewürdigt werden“, schlug die AfD-Fraktion vor.

Zudem solle die Gedenkstätte auch die Rolle der „damaligen Feindmächte“, insbesondere Großbritanniens und der USA, gegenüber dem deutschen Widerstand beleuchten. Denn die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands habe den Widerstand in eine tragische Lage gebracht und die Hoffnung untergraben, daß Deutschland ohne Hitler andere Friedens- und Waffenstillstandsbedingungen erhalten würde als mit Hitler. Dies habe auch zur Verlängerung des Kriegs beigetragen. (krk)

Verfall trotz Denkmalschutz: Gebäude des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf südlich von Berlin Foto: picture alliance / zb | Reinhard Kaufhold

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