Deutsche Forschungsgemeinschaft

Genderforschung kassiert 20 Millionen Euro an Fördermitteln

BERLIN. Die von Bund und Ländern finanzierte Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Genderforschung im vergangenen Jahr mit 19,5 Millionen Euro gefördert. Damit stiegen die Ausgaben im Vergleich zu 2017, als die Summe bei 16,8 Millionen Euro lag, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht.

In dem Papier listet das Kabinett die genaue Verwendung der Mittel auf. Demnach wurde das Forschungsprojekt „Das Anna und ihr Hund. Weibliche Rufnamen im Neutrum. Soziopragmatische vs. semantische Genuszuweisung in Dialekten des Deutschen und Luxemburgischen“ 2018 mit 71.000 Euro gefördert. Seit 2015 flossen 500.000 Euro in das Vorhaben der Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Dieselbe Professorin kassierte auch zum Thema „Transgressive Selbstbenennungspraktiken: Differenzmarkierung durch freien Rufnamenwechsel in Schweden“ im vergangenen Jahr rund 108.000 Euro an Fördermitteln. Seit 2013 flossen 576.000 Euro. Doch es gibt noch weitere Beispiele für entsprechend geförderte Projekte.

Migrantische Amateurfußballer in Brasilien unter die Lupe genommen

An der theologischen Fakultät der Universität in Köln widmet sich Saskia Wendel dem Projekt „Leib Christi – Gendersensible Rekonstruktion einer theologischen Metapher“. Hierfür trieb sie 2018 rund 98.000 Euro an Fördermitteln auf, seit 2013 erhielt die katholische Theologin 582.000 Euro.

Die Literaturwissenschaftlerin Annegret Richter forscht seit geraumer Zeit am Institut für Romanistik der Universität Leipzig. In ihr Projekt „Die Konstruktion queerer Subjektivitäten in der franko-maghrebinischen Literatur“ flossen seit 2016 rund 283.000 Euro, im vergangenen Jahr lag der Betrag bei 94.000 Euro.

Weiterhin unterstütze die DFG eine Untersuchung an der Freien Universität Berlin über „Amateurfußballteams lateinamerikanischer Migrant/innen in Rio de Janeiro und São Paulo“ 2018 mit 77.000 Euro. Ebenfalls auf der Liste: Ein Forschungsprojekt zum Thema „Gendered Buddhism. Zum Selbst- und Religionsverständnis buddhistischer Frauen im gegenwärtigen Japan“, für das die Eberhard Karls Universität in Tübingen im vergangenen Jahr 113.000 Euro erhielt.

Für Umfrage wird Lobbyverein unterstützt

Auch unabhängig von der DFG fließt Geld aus Steuermitteln in entsprechende Projekte. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte von September bis Dezember 2018 eine „quantitative Befragung zum Bedarf einer nichtbinären Geschlechtsoption für transgeschlechtliche Menschen“.

Im Zusammenhang mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, künftig eine Eintragung des Geschlechts „divers“ im Geburtenregister zu ermöglichen, war immer wieder die Frage aufgekommen, wie viele Personen sich in Deutschland eigentlich als „divers“ definieren. Beauftragt mit der Befragung wurde jedoch kein unabhängiges Gremium, sondern der Lobbyverein „Trans* e. V.“, der hierfür Zuwendungen in Höhe von 14.350 Euro kassierte.

Zusätzlich wurden für Forschungsvorhaben der Förderlinie „Erfolg mit MINT–Neue Chancen für Frauen“ in den vergangenen zwei Jahren rund 10,4 Mio. Euro aufgewendet. Für Gender-Professuren des Professorinnenprogramms des Bundes und der Länder sind laut dem Dokument seit 2017 rund 945.000 Euro ausgezahlt worden. „Gendersensible Studien in der Präventions- und Versorgungsforschung“ würden bis 2022 mit 10,3 Mio. Euro gefördert werden.

Bundesregierung will konsequente Anwendung des Gender Mainstreaming

„Die Bundesregierung mißt der Gender- bzw. Geschlechterforschung eine große Bedeutung bei“, heißt es zur Begründung der Ausgaben. Sie liefere „wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursachen und Mechanismen, die die Gleichstellung behindern“.

Demnach solle eine „konsequente Anwendung des Gender Mainstreaming Ansatzes“ weiterhin sichergestellt werden, um auch aus der Forschung folgende „politische Maßnahmen geschlechtersensibel ausgestalten“ zu können. Der Regierung sei bekannt, daß es vereinzelt „Angriffe und Anfeindungen gegen Geschlechterforscherinnen und Geschlechterforscher gab“.

Das Fach Gender Studies ist laut dem Papier mittlerweile an 31 deutschen Universitäten vertreten, „davon an fünf mit mehr als drei Professuren“. Diese Entwicklung spiegele „die gesellschaftliche Relevanz und Bedeutung des Faches wider“, begrüßt die Bundesregierung. Insgesamt gebe es an den Hochschulen 217 Professuren, die sich mit „Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies“ befassen würden. (ha)

Science March in Berlin: „Die Bundesregierung mißt der Gender- bzw. Geschlechterforschung eine große Bedeutung bei“ Foto: picture-alliance

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