Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Im Suff

Irgendwo in einer heruntergekommenen Gegend von Los Angeles sitzt der alkoholsüchtige Gelegenheitsschriftsteller Henry Chinaski (Mickey Rourke) jeden Abend in einer schäbigen Bar, betrinkt sich, schreibt an seinen Gedichten, trinkt weiter, fängt Streit an und prügelt sich mit dem Barkeeper. Auf diese Wiese landet er regelmäßig in hohem Bogen auf der Straße. Bis er eines Tages am anderen Ende des Tresens Wanda (Faye Dunaway) entdeckt. Wanda ist ebenfalls eine schwere Trinkerin und dennoch eine Klassefrau; die beiden beginnen eine mit reichlich Whiskey getränkte Liebesbeziehung. Da taucht plötzlich eine Literaturagentin auf, die sich nicht nur für Henrys Geschichten interessiert, sondern auch für den Dichter selbst. Zu allem Überfluß fällt noch der randalierende Nachbar bei einer Prügelei mit Henry in sein eigenes Messer. Und in der Kneipe macht Wanda ihrer Konkurrentin schließlich handgreiflich klar, wer auf den Säuferpoeten die älteren Rechte hat …

Barbet Schroeder drehte „Barfly“ 1987 nach einem Drehbuch von Charles Bukowski, das seinerseits zahlreiche autobiographische Züge aufwies. Aber trotz aller Bemühungen um atmosphärische Treue erreicht Schroeders Inszenierung einer tragikomischen Trinkerballade, die von Fans und Kritikern in gleichem Maße gefeiert wurde, nicht die zwingende Dichte der literarischen Werke Bukowskis. Dafür spielt Mickey Rourke den Schriftsteller, der die Chance erhält, seinem trostlosen Milieu zu entfliehen, aber bald wieder in seine antibürgerliche Welt zurückkehrt, weil er sie als seine Heimat erkennt und annimmt, mit einer ungeheuren Virtuosität.

Für seine exzellente schauspielerische Leistung wurde er mit dem Jupiter als Bester Darsteller gewürdigt. Dennoch neigte sich Rourkes Karriere ihrem Ende zu. Die meisten seiner Filme floppten, und Rourke, der bereits in seiner Jugend Amateurboxer war, beschloß, sich als Profiboxer zu versuchen. Nach acht Kämpfen und einer Reihe zweitklassiger Filme endete schließlich auch diese Episode seines Lebens.

2005 gelang ihm mit Roberto Rodriguez’ „Sin City“ ein glanzvolles Comeback, und im vorigen Jahr fand er als Wrestling-Veteran in Darren Aronofskys Film „The Wrestler“ schließlich die Rolle seines Lebens. Er erhielt seine erste Oscar-Nominierung und den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama. Wer also den Schauspieler Mickey Rourke und die Geschichten von Charles Bukowski mag, wird auch „Barfly“ uneingeschränkt genießen können.

DVD: Barfly, Koch Media, 2009, Laufzeit: ca. 95 Minuten Special Edition: The Charles Bukowski Tapes. ca. 120 Minuten

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