Frustriert

Lange mußte man auf ein neues Studioalbum von Von Thronstahl warten, dem Projekt, mit dem der umtriebige Avantgardist Josef Klumb von München aus seit nunmehr über zehn Jahren selbsternannte Gothic- und Dark-Wave-Experten sowie übereifrige „Gegen Rechts“-Mahner in Atem hält. Jetzt liegt das neue Album vor, und glücklich stellt man fest: Das Warten hat sich gelohnt.

Mit „Germanium Metallicum“ (Cold Spring Records/Trutzburg Thule) hat Klumb es erneut geschafft, sich selbst zu übertrumpfen. Schon die Verpackung der mit 19 Lieder bestückten CD zeugt von der hochklassigen Produktion mit viel Liebe zum Detail. Hier finden sich als Vorgeschmack auf die musikalischen Themen geharnischte Heilige, flintenschwingende Jungmädel und brennende Ruinen unter dem Zeichen der Wall Street – versprach J.K. doch vor der Veröffentlichung eine „natürlich auch inhaltlich mit schweren Kalibern aufwartende“ Scheibe.

Und wahrlich, er hat sein Versprechen gehalten. Nicht nur ist sie gleichermaßen dem von den Jakobinern hingerichteten preußischen Offizier und Abenteurer Friedrich Freiherr von der Trenck sowie „mit antagonistischem Respekt“ dem Neo-Aufklärer Gerhard Szczesny gewidmet, dessen striktem Laizismus der orthodoxe Katholik Klumb eher ablehnend gegenübersteht, sondern sie versteht sich laut Beiheft auch als „Resultat der Zusammenarbeit junger Europäer mit reinen und noblen Herzen, zusammengeführt durch die Sorge um ihr Europa, welches sowohl eine Heimat als auch eine Festung für ihre Kultur und ihre Kinder sein sollte“. Zusammengearbeitet hat Klumb auf diesem Album mit Künstlern aus sieben Ländern, von Rußland über Italien bis Großbritannien, und auch die Liedtexte sprechen staatenübergreifende Probleme Europas an.

Da ist von „EU-Sklaverei“ die Rede, vom Lissabon-Vertrag als „Kriegserklärung aus Brüssel an jeden bislang souveränen Staat“, von „Offenbarung und Untergang“ als Zitat von Georg Trakl, neben dem auch noch Gottfried Benn, Agnes Miegel und Rainer Maria Rilke auf diesem Album rezipiert werden. Die klangliche Produktion ist noch einmal besser als beim Vorgänger „Sacrificare“; neoklassischer Bombast, martialische Wucht und fragile Tragik gehen eine beeindruckende Synthese ein. Im Vergleich zu den Vorgängeralben wird die „verfaulte Gesellschaft“ hier deutlich härter angegangen, und die Grundstimmung ist düster wie nie. Auf „Germanium Metallicum“ läßt Josef Klumb seiner Frustration freien Lauf.

Dabei dürften Titel wie „Heimatfreund & Staatsfeind“, „Sinnstiftung total“ oder das treibende „Heimat, Kinder, Revolution“ so manchem aus dem Herzen sprechen. In dem musikalischen Triptychon aus „Germania Irredenta“, „Germania Irrationalis“ und „Germanium Metallicum“ wird, einem alchemistischen Gleichnis folgend, aus der chaotischen, selbstzerstörerischen Verirrtheit schlußendlich tiefe innere Einheit.

Nie kam ein Werk von Josef Klumb so sehr als hochdramatisches Konzeptalbum daher. Noch nie war seine Aussage so vehement und ungekünstelt: „Wir stehen am Scheideweg! Entweder Neuanfang – oder Niedergang!“ Noch nie vollführte er einen derart wuchtigen Rundumschlag gegen sowohl persönliche Gegner als auch die Feinde Europas – mithin die Feinde der Freiheit überall auf der Welt.

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