Evangelikale am Pranger

Das ZDF sieht Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mainz wegen des Verdachts der Volksverhetzung gelassen entgegen. Gegenstand der Ermittlungen  ist ein Beitrag des Magazins „Frontal 21“ vom 4. August dieses Jahres. Darin waren unter der Überschrift „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“ christliche Missionare in die Nähe islamistischer Selbstmordattentäter gerückt worden.

Anlaß für die kritische Berichterstattung war die Entführung von neun Christen im Jemen. Drei von ihnen – eine Koreanerin und zwei junge Frauen aus Deutschland – waren am 15. Juni tot aufgefunden worden; von den anderen Entführten fehlt bislang jede Spur. In der  Abmoderation des Beitrags hieß es wörtlich: „Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.“

Nach dem Beitrag waren bei der Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen eingegangen, unter anderem von dem Gießener Verleger Ulrich Weyel und dem Geschäftsführer des Freien Evangelischen Regionalverbands Hannoversch Münden. Karl-Heinz Schröder wirft dem ZDF vor, in der Bevölkerung „Haß, Herabwürdigung und massive Vorbehalte gegen evangelikale Christen“ geweckt zu haben. Auch der Rat der EKD und das Evangelische Missionswerk (EMW) rügten die Diffamierung von Evangelikalen in den Medien. Die Autoren des Frontal-Beitrags hätten sich „fragwürdiger journalistischer Mittel“ bedient, rügte die EKD in einer Erklärung. In einem Beschluß der Mitgliederversammlung des EMW heißt es dazu, daß in einigen Medien alle Formen christlichen Zeugnisses in Ländern mit mehrheitlich nichtchristlicher Bevölkerung undifferenziert verurteilt würden. „Wir weisen wie der Rat der EKD darauf hin, daß christliche Märtyrer Gewalt erleiden, sie aber nicht anderen zufügen.“

Von Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung hat das ZDF nach Angaben eines Sprechers nur aus der Presse erfahren. Das ZDF sehe „keine Probleme, die bisher bekannten Vorwürfe zu entkräften“, teilte Peter Bogenschütz von der ZDF-Pressestelle der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mit. Die Autoren des umstrittenen Beitrags äußern sich zurückhaltend. Man sehe den Ermittlungen gelassen entgegen, sagte Ulrich Stoll gegenüber ideaFernsehen. Der Beitrag habe sachlich über fragwürdige Methoden berichtet, mit denen junge Leute zu „Missionsabenteuern“ getrieben würden. Die EKD-Kritik sei undifferenziert.

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