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Sozialabbau

Mit seinem gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung geäußerten Zugeständnis, daß das bisherige Vergütungssystem bei vielen Banken überdacht werden muß, hat der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Namen des deutschen Spitzenmanagements vor dem breiten öffentlichen Druck kapituliert, jene zur Verantwortung zu ziehen, die angeblich die Schuld an der Finanzkrise und der sich abzeichnenden Rezession tragen. Die einzige Bedingung, die er noch stellt, ist, daß sich die Politik aus dem Sozialabbau in den lichten Höhen der Einkommenspyramide heraushalten möge. Ihre Unterstützung ist hier aber auch gar nicht vonnöten. Der Staat ist nur dann gefordert, wenn es gilt, Kapitalinteressen durch demokratisch legitimierte Reformen gegenüber der Masse der Beschäftigten durchzusetzen. Die handverlesene Schar von Führungskräften in den ganz großen Unternehmen kann hingegen durch deren Anteilseigner im diskreten Dialog zu der Einsicht gebracht werden, daß auch sie ihre Ansprüche überdenken muß. Dem Sozialneid ausgesetzt und daher bar jedes gesellschaftlichen Rückhalts dürfte den Angehörigen der Managerelite unterdessen schwanen, daß sie in der Aushandlung ihrer Bezüge fortan am kürzeren Hebel sitzen. Allenfalls der Blick auf in den fetten Jahren aufgebaute Rücklagen kann ihnen Trost angesichts der Entbehrungen der Zukunft spenden. Die Finanzkrise erweist sich damit als ein Katalysator, der das große Reformwerk vollendet, mit dem unsere Wirtschaftsordnung seit der Ära Kohl auf ihre Ursprünge zurückgeführt werden sollte. Die dem gewöhnlichen Arbeitnehmer längst wieder geläufige Einsicht, daß Profite nur jenen zustehen, die das Kapital zu ihrer Erwirtschaftung bereitstellen, greift nun endlich auch an der Spitze der Beschäftigtenhierarchie um sich, die dank außergewöhnlicher Saläre schon fast eine Klasse für sich zu bilden schien. Dieser Trend zu mehr Gleichheit fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt, da immer weniger Menschen sich anmaßen können, aufgrund eines besonders lukrativen Jobs auf andere, die auch bloß arbeiten, herabzublicken. Darüber hinaus stärkt er das Image von Berufen, die bislang eher verpönt waren, weil die Einkommensperspektiven als allzu beschränkt erschienen. So erlebt Großbritannien derzeit eine Flut von geschaßten Bankern, die in die krisensichere Klempnerbranche überwechseln. Wenn es nicht mehr attraktiv ist, nach ganz oben zu streben, weil es dort auch nicht so viel mehr zu verdienen gibt, könnte dieser neue Hang zur Solidität vielleicht auch in Deutschland Einzug halten.

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