Markenzeichen

Am 8. August werden die Olympischen Spiele in Peking eröffnet. Bei den Feierlichkeiten, aber auch schon im Vorfeld, war das Symbol von Olympischer Bewegung und Internationalem Olympischem Komitee (IOC) allgegenwärtig: die Olympischen Ringe. Beim Einmarsch der Athleten wird die Flagge mit dem Symbol in waagerechter Haltung hereingetragen, dann in einem besonderen Zeremoniell übergeben und feierlich über dem Stadion gehißt. Die „Olympischen Ringe“ sind fünf schmale Ringe, angeordnet drei zu zwei, in den Farben Blau, Schwarz, Rot, Gelb, Grün auf weißem Feld. Das Muster geht auf einen Entwurf des Begründers der modernen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, zurück. Coubertin ließ eine entsprechende Fahne schon 1914 aus Anlaß des Olympischen Kongresses aufziehen, der in Paris zum 20. Jahrestag des Wiederbeginns der Spiele stattfand. Da die Wettkämpfe 1916 wegen des Krieges ausfallen mußten, konnte das Emblem erst seit den Spielen in Antwerpen von 1920 dauerhaft verwendet werden. Im Grunde ist der Sinn des Motivs unmittelbar einsichtig, auch wenn die Vorstellung, die Ringe repräsentierten die fünf Kontinente Europa, Afrika, Asien, Amerika und Australien, sowenig kanonisiert wurde wie die näherliegende und von Coubertin favorisierte, es handele sich um diejenigen Farben, die in den Nationalflaggen aller Staaten vorkommen, die an der Olympischen Bewegung teilnehmen. In jedem Fall sollen die Olympischen Ringe die Verbundenheit der Menschen im friedlichen Wettkampf repräsentieren. Einiges spricht für die Annahme, daß Coubertin von dem Emblem der Union des Sociétés Françaises des Sports Athlétiques (USFSA) inspiriert wurde, der er vorstand. Die USFSA verwendete seit 1893 zwei verschlungene Ringe als Abzeichen, da der Verband aus zwei verschiedenen Vorgängerorganisationen gebildet worden war. Eine Mystifikation ist dagegen die Behauptung, daß die Olympischen Ringe auf eine antike Gravur in einem von Coubertin in Delphi ausgegrabenen Stein zurückgehen. Ein solcher Felsblock ist zwar vorhanden, aber nicht antiken, sondern modernen Ursprungs, angefertigt auf Weisung von Carl Diem, dem Generalsekretär des deutschen Organisationskomitees, aus Anlaß der Spiele in Berlin 1936. Es handelte sich um einen Teil der Ausstattung für den Olympischen Fackellauf, der damals zum ersten Mal durchgeführt wurde. Die Olympischen Ringe gehören zusammen mit dem Olympischen Motto „Citius, Altius, Fortius“ („Schneller, Höher, Stärker“) und der Olympischen Hymne zu einer besonderen Form sportlicher corporate identity (weggefallen ist nach dem Zweiten Weltkrieg der „Olympische Gruß“ mit erhobenem rechtem Arm wegen unerwünschter politischer Assoziationen). Seitdem die Kommerzialisierung der Spiele aber immer neue Ausmaße erreicht, jeder Austragungsort mit eigenem Logo und Maskottchen wirbt, dienen die Ringe vor allem der Kontrolle der Vermarktung. Das IOC hat seit Verabschiedung des „Nairobi Treaty on the Protection of the Olympic Symbol“ am 26. September 1981 erfolgreich durchzusetzen gewußt, daß das Emblem und fallweise der Begriff „Olympiade“ beziehungsweise „Olympisch“ allein seiner Nutzung vorbehalten bleibt. Die „Olympische Charta“ stellt in Artikel 7 lapidar fest, daß das „Olympische Symbol“ sowie die Flagge, das Motto und die Bezeichnung sowie Olympische Flamme und Fackel sowie alle Ableitungen als „Olympisches Eigentum“ zu betrachten seien, das allein in der Verfügung des IOC stehe. Firmen, Musikgruppen oder Organisationen, die sich nicht an diese Regel halten, wurden wiederholt auf dem Rechtsweg dazu gezwungen. In Deutschland trat zur Unterstützung der Olympiabewerbung Leipzigs am 1. Juli 2004 sogar ein „Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Bezeichnungen“ (OlympSchG) in Kraft, das entsprechende Regelungen enthält, da das IOC die Spiele grundsätzlich nur noch an Austragungsorte vergeben will, deren Länder entsprechende juristische Maßnahmen ergreifen. Bloß in urheberrechtlich geschützten Veröffentlichungen über die Olympischen Spiele ist die Verwendung von Begriff und Abbildungen ohne weiteres gestattet. Damit ist eine juristische Fixierung des Symbolgebrauchs erreicht, hinter dem die Praxis souveräner Staaten weit zurücksteht, während Markenhersteller ein so rigides Vorgehen zur Verteidigung einer „trademark“ sicher mit Neid beobachten dürften. Foto: Olympiafahnen mit den Ringen wehen in Peking

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