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Freiheit ist ein Luftballon

Die auf dem Boden der ehemaligen DDR entstandene zeitgenössische Kunst fand jahrzehntelang wenig Resonanz im westdeutschen Kulturbetrieb. Doch auch Ausnahmen sind zu vermelden. So weist Manfred Großkinsky im aktuellen Ausstellungskatalog des Museum Giersch auf die Fürsprecher mitteldeutscher Kunst in Frankfurt am Main hin. Dem "Desinteresse, ja sogar der Mißachtung durch die westdeutsche Kunstszene" hätten bekannte Persönlichkeiten und Institutionen der Stadt stets entgegenzuwirken versucht. Er nennt in diesem Zusammenhang den Kunsthistoriker Eduard Beaucamp, den Schriftsteller Martin Mosebach und die auf Leipziger Malerei spezialisierte Galerie Schwind.

Zudem scheint die Malerei östlich der Rhön ein Sammelgebiet örtlicher Kunstliebhaber geworden zu sein. Nun hat das hiesige Museum Giersch, als dessen Leiter Großkinsky fungiert, nicht nur einen hervorragend bebilderten und mit Begleittexten versehenen Katalog veröffentlicht, sondern zudem eine kleine, aber exzellente Ausstellung konzipiert. In dieser begegnet man, nach Stockwerken der kleinen Museumsvilla getrennt, drei Leipziger Malern von nationalem Rang: Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Michael Triegel. Die Schau zeigt sechzig ausgewählte Werke aus der privaten Sammlung eines anonymen Frankfurter Unternehmers, der sich seit 1994 auf Gemälde, Zeichnungen, Plastiken und Druckgraphiken Leipziger Künstler spezialisiert hat.

Die ausgestellten Exponate sind beachtlich. Zahlreiche Gemälde zeigen Mattheuers persönliche Entwicklung. Mit Hilfe symbolischer und mythologischer Elemente sowie einer von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit beeinflußten Formsprache setzte sich Mattheuer stets mit der jeweiligen gesellschaftlichen Situation auseinander. Das Motiv der Maske tritt dabei ebenso auf wie eine am Horizont schwebende Figur mit Luftballons als Projektion jener Freiheit, die sich nach der Wende als beliebig multiplizierbare Werbeillusion entpuppt.

Werner Tübkes Weg hingegen führte von der Auseinandersetzung mit dem Sozialistischen Realismus zur Orientierung auf die Formsprache alter Meister der Hochrenaissance und des Barock. Und so entstanden am Ende des 20. Jahrhunderts kleinteilige oder düstere Werke wie die "Vorfassung mit Kogge" oder "Tod im Gebirge", die regelrecht an Lucas Cranach oder Hieronymus Bosch erinnern. Nicht nur die Motive, auch eine ganz einzigartige Farbigkeit, wie etwa in "Der alte Narr ist tot", lassen den Betrachter scheinbar Jahrhunderte in der Kunstgeschichte zurückreisen.

Während Mattheuer und Tübke, beide Kinder der 1920er Jahre und beide Lehrer an der Leipziger Hochschule für Graphik und Baukunst, 2004 starben, ist Michael Triegel quicklebendig. Triegel, Jahrgang 1968, orientiert sich wie Tübke an den italienischen Meistern der Renaissance und des Manierismus. In Stilleben, Landschaftsbildern und Porträts setzt er sich altmeisterlich und voller Symbolik mit christlichen und antik-mythologischen Themen auseinander. Triegel ist ein künstlerischer Lichtschein und Hoffnungsschimmer für eine Renaissance der deutschen Kunstszene.

Fotos: Wolfgang Mattheuer, Hinter die 7×7 Berge, 1993, Michael Triegel, Flora, 2007: Triegel, Jahrgang 1968, orientiert sich wie Tübke an den italienischen Meistern der Renaissance und des Manierismus. In Stilleben, Landschaftsbildern und Porträts setzt er sich altmeisterlich und voller Symbolik mit christlichen und antik-mythologischen Themen auseinander – ein Hoffnungsschimmer für eine Renaissance der deutschen Kunstszene.

Die Ausstellung "Mattheuer – Tübke – Triegel. Eine Frankfurter Privatsammlung" ist noch bis zum 27. Januar im Museum Giersch, Schaumainkai 83, Frankfurt am Main, täglich außer montags von 12 bis 19 Uhr, Sa./So. von 11 bis 17 Uhr, zu sehen. Eintritt 4 Euro. Der im Michael-Imhof-Verlag erschienene Katalog für 24 Euro umfaßt 224 Seiten und 168 Abbildungen.

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