Der Islam greift an

Beinahe in jeder mittelgroßen deutschen Stadt kann man inzwischen regelmäßig Veranstaltungen besuchen, die Titel tragen wie „Dialog mit dem Islam – Geschichte eines Mißverständnisses“ oder „Vorurteile abbauen, Muslimen begegnen“ und dergleichen mehr. Doch spätestens nach einem Dutzend solcher Veranstaltungen drängt sich einem der Eindruck auf, daß hier eigentlich gar keine Auseinandersetzung angestrebt wird, sondern etwas gelebt werden soll, was einem Opium-Café nicht unähnlich ist: Man will träumen und sich nicht von der harten Wirklichkeit bedrängen lassen. Solchen Naturen dürfte das Buch „Verräter ihres Glaubens“ ein unangenehm grelles Licht in die Augen scheinen. Der Verein „Open Doors“ um den Holländer Anne van der Bijl, besser bekannt als Bruder Andrew, widmet sich seit nunmehr einem halben Jahrhundert der Unterstützung verfolgter Christen in aller Welt. Waren es zu Beginn seiner Arbeit vor allem sozialistische Staaten, welche das Christentum unterdrückten, so wendete sich „Open Doors“ seit einiger Zeit verstärkt den zunehmenden Christenverfolgungen in muslimischen Ländern zu. Denn hier, wo Muslime die Mehrheit bilden, sieht die Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam etwas anders aus. „Verräter ihres Glaubens“ ist ein erschütterndes Dokument der Leiden, denen christlichen Gemeinden unter muslimischer Oberherrschaft ausgesetzt sind. Der Leser wird in eine fremde, archaische Kultur geführt, die ihn mehr an Erzählungen aus dem Mittelalter als der Gegenwart erinnert. Um die Gläubigen zu schützen, hat Bruder Andrew den Bericht in einen Roman umgestaltet. Der Name des arabischen Landes wird nicht genannt, verschiedene authentische Einzelschicksale wurden zu fiktiven Biographien verwoben. Im wesentlichen rankt sich das Buch um das Schicksal einer christlichen Gemeinde und einen jungen, arabischen Missionar, der im Untergrund arbeitet. Weite Strecken des Buches bestehen aus Dialogen der Konvertiten. Leider offenbart sich hier eine sehr störende Schwäche. Offenbar um dem Leser die neuen Glaubensbrüder vertrauter zu machen, wählte der Übersetzer eine recht umgangssprachliche Darstellung der Dialoge. Das christliche Glaubenserlebnis wird dann „echt toll“ oder „genial“ empfunden. Das klingt zwar nach deutschen Konfirmanden am Lagerfeuer, aber nicht nach einem radikalen Muslimbruder, der – von seinem Führer damit beauftragt, ein Pamphlet über die Christen auszuarbeiten – dabei selbst zu einem solchen Aussätzigen wird. Denn von solchen Seichtigkeiten im Religiösen, das spürt der Leser bald, ist diese Kultur weit entfernt. Nicht nur die Muslime, auch die arabischen Christen sind von einer altertümlichen Frömmigkeit erfüllt, die einem Europäer zunächst befremdlich anmuten. Zum einen ist durch sie die ungeheuere Leidensfähigkeit erklärbar, welche gerade Konvertiten in ihrer Zeugenschaft ablegen. Zum anderen erweist sie sich aber auch stark gruppenbezogen. Nur nebenbei streift Bruder Andrew den Konflikt zwischen den in eine christliche Gemeinde Hineingeborenen auf der einen und den Konvertiten und ihrem individuellen Glaubensbekenntnis auf der anderen Seite. Doch gerade letztere liegen Bruder Andrew besonders am Herzen. Denn sie sind seine Antwort auf die Kriegserklärung an die Christenheit: „Wir befinden uns in einem Kampf, genauer gesagt: in einem Krieg. Der Islam greift an. Millionen Muslime haben sich in Europa und Nordamerika niedergelassen, und wir müssen einsehen, daß zumindest einige von ihnen den Westen hassen.“ Doch warnt Bruder Andrew davor, den Blick nur auf die äußere Gewalt zu richten. Dies sei nicht der eigentliche Kampf. Denn „diese Dinge sind nur Symptome eines geistlichen Kampfes, eines Konfliktes in der unsichtbaren Welt“. Diesen Kampf kann man nicht mit Waffengewalt entscheiden. „Unter anderem deswegen, weil dies eine rein defensive Reaktion wäre. Es ist Zeit, daß die Christen in die Offensive gehen!“ Oder man greift weiter zu seinen Opium-Pfeifen. Bruder Andrew, Al Janssen: Verräter ihres Glaubens. Das gefährliche Leben von Muslimen, die Christen wurden. Brunnen Verlag, Gießen 2008, broschiert, 416 Seiten, 12,95 Euro Foto: Jumeirah-Moschee in Dubai, Grabplatte im südfranzösischen Le Lavandou: Kriegserklärung an die Christenheit

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