Superwahljahr

 

Eigenwillig

Die rührige Künstlergruppe um den vielseitig begabten Uwe Nolte (JF 30/06, 39/06) die sich am Fuß der Burg Giebenstein in Halle niedergelassen hat, veröffentlichte vor einiger Zeit bereits eine Liedersammlung unter dem Titel „Forseti lebt“: Dabei handelt es sich nicht nur um ein künstlerisches Projekt, sondern auch um ein Benefiz-Album für einen erkrankten Musiker aus dieser Künstlerfamilie. Ganz unterschiedliche Gruppen und Personen finden sich hier zusammen, um eine neue Form der Romantik zu entwickeln. Die Wurzeln der Texte liegen in der literarischen Epoche der Romantik mit ihren eigenen Themen von Sehnsucht, Melancholie, Traum und Heimatverbundenheit bei gleichzeitiger Weltoffenheit. Musikalisch orientieren sich die Künstler an bewußt schlicht gehaltenen Formen, manches klingt wie ein altes Volkslied, wobei irische Einflüsse unverkennbar sind. Mit Elektronik und Schlaginstrumenten wird sparsam umgegangen, dafür dominieren akustische Gitarren, Streicher und immer wieder ein Akkordeonklang, der sich gut einfügt ins Gesamtwerk. „Sonne Hagal“ (die Künstlernamen sind gewöhnungsbedürftig) eröffnet den musikalischen Reigen mit einer englischen Ballade, bei der Text und Musik zu einer wunderbaren Einheit verschmelzen, was den verträumten Charakter des Liedes („Song at the well“) hervorhebt. Die Gruppe Sonnentau vertont ein eher melancholisches Gedicht („Dein Garten blüht noch“) mit einem sehr inspiriert gespielten Klavier, umrahmt von Gitarre und Akkordeon, wobei der zurückhaltende Gesang die Stimmung des Liedes hervorragend zur Geltung kommen läßt. Gleichförmig fließend und dadurch etwas eintönig kommen die Stücke von B’Eirth, und O.T.W.A.M daher. Völlig andersgeartet der souveräne Vortrag zweier Lieder von Death in June, mit Texten, die zum Nachdenken einladen, und einem Gesang, der sich um die begleitende akustische Gitarre nicht schert, sondern sehr selbstbewußt agiert. Ein wahrer poetischer Genuß ist das Lied „Blühe mein Herz“ von Waldteufel. Hier stimmt alles, das Akkordeon intoniert eine mittelalterliche Weise, der Männergesang interpretiert mit vorsichtigem Pathos einen lyrisch interessanten Text. Auch Lux Interna faszinieren mit einem schnelleren Lied, ein deutlicher Kontrast zur betont ruhigen Atmosphäre des Albums, während Northman mit ihrem Stück „Son of the North“ ein bißchen zuviel künstliches Wolfsgeheul erschallen lassen. Fire and Ice wiederum spielen ein offenbar altes Volklied in einem sehr kunstvollen Arrangement von Geige und Gitarre, das den Titel „Napoleon on St. Helena“ trägt und das Ende Napoleons besingt. Von der Stimmung am eindrücklichsten bleibt im Ohr das Lied „Deutsche Sonnwend“ von Darkwood, denn hier untermalt dezent, aber deutlich ein Schlagzeug das ganze, manches erinnert an alte bündische Gesänge oder Lieder aus der Zeit der Jugendbewegung, die einerseits einen feinen, sanften Ton anstimmten, andererseits aber auch kraftvoll und kämpferisch klangen – hier hat man sich für die kraftvolle und kämpferische Variante entschieden, und das durchaus überzeugend. Den Abschluß bildet ein etwas monotones Stück mit einer Kombination von Orgel und menschlicher Stimme von Frank Machau, der mit Uwe Nolte schon mehrere Projekte gestartet hat; dieses Stück ist allerdings Geschmackssache. Aus einer Orgel kann man doch mehr herausholen, und die Singstimme wirkt etwas manieriert. Sicher keine CD zum Nebenherhören, aber ein ganz eigenwilliger und gut gelungener künstlerischer Entwurf der Gruppe um Uwe Nolte, der zeigt, welche Künstler es noch zu entdecken gibt. Zu bemängeln ist lediglich, daß ein Textheft fehlt. Infos im Internet: www.noltex.de

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