Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

„Glühender Patriot“

Am vergangenen Samstag wurde im Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie in Berlin eine Ausstellung zu Ehren des im Dezember 2002 verstorbenen ZDF-Moderators Gerhard Löwenthal eröffnet. Gezeigt werden dort persönliche Gegenstände des konservativen Journalisten, die die Familie Löwenthal dem Mauermuseum zur Verfügung gestellt hat, darunter die Goldene Kamera des Axel-Springer-Verlages, die Löwenthal 1977 für die Sendereihe „Hilferufe von drüben“ erhielt. In dieser Sendung berichtete er von Opfer-Schicksalen in der DDR. „Sie fragen sich vielleicht, warum diese Ausstellung gerade bei uns im Mauermuseum stattfindet“, sagte dessen Leiterin Alexandra Hildebrandt vor den etwa siebzig Anwesenden, die zur Eröffnung gekommen waren, darunter viele Pressevertreter. Nicht nur die persönliche Beziehung und die Zusammenarbeit ihres 2004 verstorbenen Mannes Rainer Hildebrandt mit Gerhard Löwenthal sei ausschlaggebend gewesen, sondern vor allem die Verdienste des großen Journalisten um die Opfer des kommunistischen Unrechtregimes. Dafür stehe schließlich auch das Mauermuseum. Thomas Löwenthal, Sohn des ZDF-Moderators, sieht das Mauermuseum ebenfalls als geeigneten Ort des Gedenkens an seinen Vater. In einer Zeit, in der es ständig zu einer Verwechslung von Tätern und Opfern kommt, habe das Mauermuseum die wichtige Aufgabe der Aufklärung. „Aber auch räumlich ist dieser Ort der richtige: Nur wenige Meter von hier entfernt stand die Mauer – der ‚Eiserne Vorhang‘. Mein Vater hat diesen Vorhang durch seine Arbeit ein wenig durchsichtiger gemacht. Er hat die Menschen darüber informiert, was sie offiziell nicht hören sollten“, sagte Löwenthal. Für seinen Vater habe immer die Maxime gegolten: „Solange das Brandenburger Tor zu ist, so lange bleibt die deutsche Frage offen.“ Zuletzt kritisierte Thomas Löwenthal auch das ZDF, da es die Sendung „Hilferufe von drüben“ zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach der Pensionierung seines Vaters eingestellt habe. Als Gastredner eingeladen war der Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Jürgen Aretz. Für ihn verdiene Löwenthal vor allem dafür Respekt, wie er der politischen Korrektheit und dem Zeitgeist trotzte. Deshalb sei Löwenthal auch nicht für Geschmeidigkeit bekannt, sondern gerade für seine Ecken und Kanten. Aretz bezeichnete Löwenthal, der sich selbst als „jüdischen Deutschen“ charakterisierte, als „glühenden Patrioten“. Gegenwärtig sei das öffentliche Meinungsbild aber so nach links verschoben, daß Löwenthals konservative Einstellung wohl heute schon als rechts bezeichnet würde. Mauermuseum – Museum am Checkpoint Charlie, Friedrichstraße 43-45, 10969 Berlin. Geöffnet täglich von 9 bis 22 Uhr. Tel.: 030 / 25 37 25-0, Internet: www.mauermuseum.de

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