Exportschlager

Der schwedische Automobilhersteller Saab gehört seit 1990 dem US-Konzern General Motors, die Schweden-Pkws von Volvo sind seit 1999 in Wahrheit Ford. Und der schwedische Telekommunikationskonzern Ericsson baut seine Mobiltelefone inzwischen in Zusammenarbeit mit dem japanischen Giganten Sony. Bleibt Schweden also nur noch Ikea und Smörrebröd? Nein, zumindest auf musikalischem Gebiet entwickelte sich zeitgleich mit dem Ende der Pop-Hardrocker Europe ein neuer, wenn auch finanziell unbedeutenderer Exportschlager: harte – meist englischsprachige – Rockmusik unterschiedlichster Schattierungen. Ein Vertreter der Göteborger Schule des sogenannten Melodic Death Metal, Dark Tranquillity, ist nach längerer Pause seit Anfang des Jahres auf Welttournee – monatelang unterwegs von Skandinavien über Mitteleuropa bis nach Nord- und Sudamerika und zurück. Das Sextett, das 1993 seine erste von inzwischen elf Platten veröffentlichte, präsentiert dabei sein neues Album „Character“. Auf dem verbinden die Mannen um Sänger Mikael Stanne wieder gekonnt aggressiven Schweden-Metal mit viel Gespür für Melodie. Neben den prägenden Gitarrenläufen wurde viel mit elektronischen Einlagen experimentiert, ohne dabei das Gefühl von Dunkelheit und Emotion zu überdecken. Wem Dark Tranquillity schon immer gefallen haben oder wer auf andere Schweden-Combos wie In Flames, Hypocrisy und Amon Amarth oder die Briten Paradise Lost steht, der kann sich auch diese CD bedenkenlos zulegen. Neueinsteiger sollten hingegen mit der CD „Exposures“ von 2004 beginnen, die einen eindrucksvollen Überblick des bisherigen Schaffens mittels hervorragend produzierter Konzert-Aufnahmen bietet. Wer Dark Tranquillity noch nicht „live“ gesehen hat, kann sich dieses Erlebnis mit der DVD „Live Damage“ ins Wohnzimmer holen. Einer anderen musikalischen Stilrichtung, dem sogenannten Epic Symphonic Power Metal, hat sich die italienische Formation Rhapsody verschrieben. Nach einigen durchweg gelungenen bis hervorragenden Alben in der Vergangenheit erweisen sich die fünf Musiker um Gitarrist und Bandchef Luca Turilli mit ihrer jüngsten Veröffentlichung „The Magic of the Wizard’s Dream“ nun abermals als ungekrönte Könige ihres Metiers. Was die 30-Minuten-Single zu einem Kleinod macht, ist die (erneute) Zusammenarbeit der Metaller mit – Christopher Lee. Der inzwischen 82jährige Schauspieler, weltberühmt als der einzig wahre Dracula-Darsteller und zuletzt in der „Herr der Ringe“-Trilogie auf der Leinwand zu sehen, wäre gern Opernsänger geworden, entschied sich dann aber doch für den Film. Daß der in London geborene Sohn einer italienischen Gräfin mit seiner Bariton-Stimme das Zeug dazu gehabt hätte, ließ bereits das Rhapsody-Album „Symphony Of Enchanted Lands II – The Dark Secret“ (2004) erahnen, auf dem Christopher Lee die Einführungsworte spricht und den Hörer als „Wizard King“ durch die Fantasy-Saga vom ewigen Kampf des Guten gegen das Böse führt. Auf „The Magic of the Wizard’s Dream“ singt Lee nun auch, solo und im Duett mit Rhapsody-Frontmann Fabio Lione. Neu aufgenommen wurde die von Luca Turilli und Keyboarder Alex Staropoli komponierte epische Ballade gleich in mehreren Sprachen – englisch, italienisch, französisch und deutsch; ihren jeweils ganz eigenen Charme haben alle vier Versionen. Ein Muß für jeden Klassik-Metaller! Abgerundet wird die CD von zwei bisher unveröffentlichten Bonusliedern, dem ebenfalls balladesken „Autumn Twilight“ und dem mittelalterlichen „Lo Specchio D’Argento“, das an „Black-more’s Night“ erinnert.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles