Entnazifizierung in Entenhausen

Einem vermeintlich handfesten Nazi-Skandal sind jetzt einige antifaschistische Comic-Freunde auf die Spur gekommen. In der Titelgeschichte eines der letzten „Micky Maus“-Hefte spielen Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track ausgelassen auf einer Müllkippe. Dort liegt alles mögliche herum: alte Brieftaschen, ein Fahrradreifen, eine kaputte Trommel, ein Wecker und auch ein Buch. Grün ist es, wie der Koran. Darauf geschrieben steht allerdings „Mein Kampf“. Erschienen ist die Geschichte bereits am 29. März, und in der Sprechblase darüber sagt einer der Neffen: „Die sind immer gut für einen Aprilscherz.“ Doch der Seitenhieb auf das Dritte Reich stammt noch von Carl Barks, dem Vater aller Donald-Duck-Zeichner. „Die Geschichte ist ursprünglich von 1948, man muß das aus der Zeit heraus sehen“, wird Andreas Platthaus, seit 1995 Ehrenpräsident der „Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ (D.O.N.A.L.D.) und im Hauptberuf Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zitiert. „Mein Kampf“ liege schon im amerikanischen Original des Comics herum, so Platthaus. „Daß die Amerikaner darüber witzeln, ist ja klar.“ Dennoch wurden jetzt im Internet erste Stimmen laut, zukünftig solche Gags wegzuretuschieren. Schließlich soll die Jugend nicht auf dumme Gedanken kommen. Damit wären wir mit der Entnazifizierung endlich dahin gekommen, wo sie hingehört: nach Entenhausen.

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