Beschwichtigung und Warnung

Wir erinnern euch an die spanischen Kreuzzüge gegen die Muslime, die Vertreibung aus al-Andalus und die Prozesse der Inquisition. Das ist noch nicht so lange her!“ Die Abschiedsbotschaft der Gruppe islamischer Terroristen, die für die blutigen Anschläge in Madrid am 11. März 2004 verantwortlich waren, könnte als Leitmotiv über dem von Raimund Allebrand herausgegebenen Sammelband „Terror oder Toleranz? Spanien und der Islam“ stehen. Allebrand, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für interkulturelle Begegnung (AFIB), läßt seine Autoren die verschiedenen Stationen islamischer Präsenz – der Terminus „Herrschaft“ wird ganz im Sinne politischer Korrektheit bewußt vermieden – in Südwesteuropa von den Anfängen im Jahre 710 bis in die Gegenwart analysieren. In seinem Vorwort zitiert der Herausgeber eine Allensbach-Umfrage, bei der etwa zwei Drittel der Teilnehmer eindeutig die Frage bejahten, ob es einen ernsten Konflikt zwischen Christentum und Islam als „Kampf der Kulturen“ gebe, zudem die überwiegende Mehrheit der Befragten den Islam als „fremd“ und „bedrohlich“ empfand und mit „Unterdrückung der Frau“ (93 Prozent) und „Terror“ (83 Prozent) assoziierte, nicht jedoch mit „bedeutenden kulturellen Leistungen“ (39 Prozent) oder gar „Toleranz“ (sechs Prozent). Nun war es offenbar die Aufgabe der hier versammelten Historiker, Orientalisten, Kulturwissenschaftler und Journalisten diesen „pauschalen Fundamentalismusverdacht“ am Beispiel des über acht Jahrhunderte währenden „europäischen Islams“ auf der Iberischen Halbinsel zu widerlegen. Was soll man aber davon halten, wenn der Orientalist Peter Dressendörfer in seinem Beitrag „Al-Andalus und Reconquista. Ein nationales Mißverständnis“ behauptet, daß spanische Christen, die nicht zum Islam konvertiert waren, „einer Diskriminierung im engeren Sinne nicht ausgesetzt waren, wenn man davon absieht, daß sie, wie alle Nicht-Muslime in islamischen Ländern, eine in der Regel erträgliche Sondersteuer zu entrichten hatten und daß ihnen der Aufstieg in hohe Ämter und Offiziersstellen verwehrt war“? Ist das etwa keine Diskriminierung? Ein anderes Beispiel: Die „letzte politische Manifestation des spanischen Islam“, der Alpuarra-Aufstand, wurde schließlich in einem mühevollen Kleinkrieg im April 1570 niedergerungen. „Das Strafarsenal der Inquisition war breit gefächert“, schreibt der Autor, gesteht jedoch ein paar Zeilen weiter, daß „die Mehrzahl mit verhältnismäßig milden Bußen davonkam“. Kein einziger der Autoren geht darauf ein, daß die Mauren mutwillig die spanische Architektur zerstörten, nachdem sie mit dem Blutbad von Toledo im Jahre 807 eine auf Gewalt und Unfreiheit basierende Herrschaft über das spanische Volk gebracht und eine der blühendsten westlichen Kulturen ausgelöscht hatten. Und wahrscheinlich wären die Spanier, wenn der Islam nicht nach 1492 endgültig verbannt worden wäre, später bestenfalls die Günstlinge eines Kalifen, schlimmstenfalls Sklaven oder Diener arabischer Wesire gewesen, während der Platz vieler andalusischen Frauen der Harem geworden wäre. Eine solche Sicht mag mit dem Geist moderner multikultureller „Toleranz“ nur schwer kompatibel sein, daß sie aber alles andere als unberechtigt ist, zeigt uns das Buch von Mark A. Gabriel „Islam und Terrorismus. Was der Koran wirklich über Christentum, Gewalt und die Ziele des Djihad lehrt“. Sein Urteil wiegt um so schwerer, als der Autor jahrelang nicht nur Imam einer Moschee im ägyptischen Gizeh, sondern auch Professor für Islamische Geschichte an der Al-Azhar-Universität in Kairo war. Er weiß also, worüber er schreibt, und seine Argumente sind nicht so leicht von der Hand zu weisen. Von Kind an starkem muslimischem Einfluß ausgesetzt, spürte er schon bald, daß der Islam, den er in der Moschee und an der Universität lehrte, während muslimische Fundamentalisten zur gleichen Zeit in Ägypten Kirchen in die Luft sprengten und Christen ermordeten, zu einem echten Problem für ihn wurde. Als er im Dezember 1991 in einer Besprechung an der Universität erklärte, daß dies „nicht die Offenbarung des wahren Gottes sein kann“, eskalierte die Situation innerhalb weniger Stunden. Er verlor seinen Posten, und noch in der gleichen Nacht klopfte die Geheimpolizei an seine Tür. Nach drei Tagen ohne Nahrung und Wasser begannen die mit harten Folterungen verbundenen Verhöre. Erst nach Wochen gelang es einem Onkel, der über die nötigen Verbindungen verfügte, ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Ein ganzes Jahr lebte er ohne Glauben, bis er eine Christin kennenlernte, die ihm die Bibel zu lesen gab. Nach seiner Bekehrung zum Christentum nahm er, von seiner eigenen Familie ausgeschlossen und von fanatischen Muslimen mehrfach mit dem Tod bedroht, den Namen Mark A. Gabriel an. Hier erzählt er nun seine Lebensgeschichte, setzt sich mit den fundamentalen Unterschieden zwischen Islam und Christentum auseinander und analysiert vor allem die Wurzeln des islamischen Terrorismus. Diese gehen nach seinen Untersuchungen direkt auf Mohammed zurück, der seine Macht von Anfang an auf Gewalt aufbaute. Vehement kritisiert er das im Westen vorherrschende Bild des Islam, das nicht wahrhaben will, daß Islam und Heiliger Krieg untrennbar zusammengehören, und das Endziel des Islam die weltweite Unterwerfung aller „Ungläubigen“ ist. Dennoch fühlt er sich mit seinen ehemaligen Glaubensbrüdern verbunden, weil er zwar die falsche Lehre des Islam verurteilt, nicht jedoch die Menschen. Wer verstehen will, warum die ideologische Auseinandersetzung mit dem Islam unsere Zukunft bestimmen wird, findet in Gabriels Buch wertvolle Hinweise. Foto: „Tauromaquia“, Francisco de Goya y Lucientes 1815: Die Mauren hatten eine der blühendsten westlichen Kulturen ausgelöscht Raimund Allebrand (Hrsg.): Terror oder Toleranz? Spanien und der Islam. Horlemann Verlag, Bad Honnef 2004, 238 Seiten, gebunden, 14,80 Euro Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus. Was der Koran wirklich über Christentum, Gewalt und die Ziele des Djihad lehrt. Resch Verlag, Gräfelding 2004, 269 Seiten, gebunden, 14,90 Euro

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