Lötkolben statt Mutterschaft

Polymerforscherin, Kampfjetfliegerin oder wenigstens Informatikerin – am 22. April, dem Girl’s day, hatten junge Mädchen wieder Gelegenheit, in Berufe zu schnuppern, die als „frauenuntypisch“ gelten. Für rund 109.000 teilnehmende Schülerinnen im Alter zwischen zehn und fünfzehn hatten 5.000 Betriebe und Studiengänge bundesweit einen „Tag der offenen Tür“ organisiert. Dieser Mädchen-Zukunftstag, dessen Wurzeln im amerikanischen „Take your daughters to work“-Tag liegen, wird vom Familien- und dem Bildungsministerium gefördert, und auch Franz Müntefering nahm sich frei, um ein halbes Hundert Schülerinnen durch den Reichstag zu führen: „Mischt euch ein, Mädels!“ Unter 345 anerkannten Ausbildungsberufen und einer „wahnsinnigen Menge verschiedener Studiengänge“, so die Organisatoren, würden Mädchen nach wie vor aus einem eng begrenzten Spektrum wählen, will heißen: Friseuse, Verkäuferin, Arzthelferin. Schuld sei eine mangelnde Aufklärung über das weite Feld der Möglichkeiten. Vergangenen Donnerstag nun sollten die vom Unterricht freigestellten Mädchen „Handys entwickeln, Roboter programmieren, Lichtschranken bauen oder eine Batterie aus Zitronen herstellen“. Jenseits telegener Bilder wie den Müntefering-Girls oder lötenden und schweißenden Blaufrauen sah die Realität jedoch anders aus: Die 14jährige Doreen saß mit vier weiteren Mädchen im Dorfkindergarten bei Querfurt. Während die Achtkläßlerinnen Fingerspiele mit den Krippenkindern machten und Muttertagsbasteleien mit den Vorschulkindern, machten sie keinen Hehl aus ihrem Unverständnis über diesen Tag: Die anderen Klassenkameradinnen seien in ein Kosmetikstudio in die Kreisstadt gefahren, weitere dürften im Krankenhaus in der Küche helfen: „Es kommt eh nur drauf an, daß man einen Stempel von irgendeinem Betrieb vorzeigt. Seh ich nicht ein, mich dafür in eine Autowerkstatt zu stellen“, bekundet Doreen ihren Unwillen. Die Jungs mußten derweil die Schulbank drücken, und Cord (15), murrt im Spaß, „dabei hätt ich mich ganz gern mal als Hebammer ausprobiert“, und, im Ernst: „Mal bei den Mechatronikern in Leuna reinzuschauen, das hätt mit schon gefallen, da kommst du ja sonst kaum rein.“ In Niedersachsen kamen auch die andernorts ausgegrenzten Jungs unter: Hier wurde ein „Haus-halts(s)pass“ für die männlichen Jugendlichen organisiert. Tatsächlich aber steht bei der Idee weniger Geschlechterpolitik als ökonomisches Ansinnen im Vordergrund: Dem Wirtschaftsstandort Deutschland steht durch den demographischen Wandel ein beachtlicher Fachkräftemangel bevor, und das heißt: weibliches Potential muß in größerem Umfang für die Arbeitswelt ausgenutzt werden. Lötkolben statt Mutterschaft, lautet die kurzfristige Perspektive, die gleichermaßen von Gewerkschafterin Ursula Engelen-Kefer wie von BDI-Präsident Michael Rogowski gelobt wird.

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