Jugendbewegt und altbewährt

„Zeitschrift der Kulturinitiative ‚Lebendig Leben‘ zur zeitgemäßen Fortführung der Impulse des Wandervogels und der Jugendbewegung“ nennt sich Idee und Bewegung im Untertitel. Vierteljährlich vom Verein zur Pflege aufbauenden Denken und Handelns herausgegeben und in einer Auflagenhöhe von 1.000 Exemplaren erscheinend, berichtet die in der Öffentlichkeit kaum beachtete Zeitschrift über die verschiedenen Bünde und Gruppierungen der Jugendbewegung, teilweise auch unter Einbeziehung der Pfadfinder. Man versteht sich als ein Diskussionsforum und will „im Sinne der Aufklärung und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland mithelfen, die Würde des Menschen in verantwortlichen Gemeinschaften zu sichern und für brüderlich-soziale und freie demokratische Verhältnisse zu sorgen“. Das klingt zunächst sehr idealistisch, und so wird dann auch engagiert für eine „neue Jugend- und Bürgerrechtsbewegung“ geworben, die aber dann ausgerechnet in ein Plädoyer für die dubiose „LaRouche-Bewegung“, besser bekannt unter dem Parteinamen „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“, mündet. Schwerpunktthema der jüngsten Ausgabe ist jedoch das offenbar nicht unproblematische Verhältnis zwischen der jungen und der älteren Generation in den Bünden. Weitere Beiträge beschäftigen sich vornehmlich mit geistiger und politischer Orientierung heute. Berichte über Fahrten, Lager, Jugendbewegung, Dichtung und Lied, Gesundheit, Wirtschaft und Politik komplettieren die umfangreiche Zeitschrift neben den obligatorischen Terminen und Buchbesprechungen. In einem „Plädoyer für eine jugendliche Jugendbewegung“ gehen die beiden Autoren recht offen mit der Problematik „alt – jung“ um. So wird beispielsweise auch Kritik an Älteren geübt, die es sich nicht verkneifen können, „lautstark die glorreichen alten Zeiten mit der verweichlichten Gegenwart zu vergleichen“, oder aber im Gegenteil nicht bereit sind, „auf ihre alltäglichen Bequemlichkeitsansprüche zu verzichten“. Dagegen gelte es „zu entdecken, daß man ein eigenverantwortlicher Mensch ist, etwas, was Eltern, Lehrer, Aufpasser jeglicher Art und vor allem man selbst sich vielleicht gar nicht zugetraut hätte“. Generell sollten die „Erwachsenen nur eine beratende Funktion ausüben“, schreibt ein anderer Autor, und der Themenredakteur weist dezent darauf hin, daß es „sicher verschiedene Wege gibt, wie die Erwachsenen in die Bünde integriert und organisiert werden können“. Falls jedoch die „Ablehnung oder die Einengung durch die Jugendbünde zu groß sein sollte“, empfiehlt er die Gründung eigener Erwachsenenorganisationen. Arno Klönne plädiert indessen eher für einen „Eltern- und Freundesrat“, der Schutz und Hilfe geben, sich aber aus dem Gruppen- und Lagerleben heraushalten sollte. Selbst in den „Lebensbünden“ früherer Jahre wie der Deutschen Freischar habe es schließlich eine „Rebellion der Jungen in Gestalt von dj.1.11.“ gegeben. Kontakt: Frank Kröner. Am Kulturzentrum 11, 37318 Bornhagen. Das Einzelheft kostet 5 Euro, das Jahresabonnement 24 Euro.

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