Grenzüberschreitung

Fünf amerikanische College-Freunde haben beschlossen, gemeinsam den Urlaub in einer einsamen Berghütte im Wald zu verbringen. Gerade angekommen, ziehen sich Jeff (Joey Kern) und Marcy (Cerina Vincent) ins Schlafzimmer zurück, Paul (Rider Strong) bemüht sich darum, Karen (Jordan Ladd) beim Schwimmen etwas näher zu kommen, und Bert (James DeBello) schlendert gelangweilt durch den Wald, um sich mit Feuerlegen und Eichhörnchenabschießen die Zeit zu vertreiben. Als Bert im Wald auf den kranken, blutverschmierten Einsiedler Henry trifft, der ihn um Hilfe bittet, schießt er, von Angst gepackt, auf den Unbekannten, der in einen Graben stürzt. In die Hütte zurückgekehrt, hält Bert die unheimliche Begegnung vor den anderen geheim. Am Abend klopft es an die Tür der Hütte. Zum Erschrecken aller steht der Einsiedler vor ihnen, der noch fürchterlicher aussieht und erneut um Hilfe bittet. Die Jugendlichen sind hin und her gerissen, wollen dem Mann zwar einerseits helfen, fürchten sich allerdings vor Ansteckung bei dem offenbar mit einem Virus Infizierten. Als der Einsiedler versucht, sich des Autos der Gruppe zu bemächtigen, kommt es zu einem Kampf, in dessen Verlauf der Einsiedler an einer Fackel Feuer fängt, in den Wald rennt und in einem nahe gelegenen See stirbt. In der Hütte ist die Partystimmung gekippt. Und als Paul nach einiger Zeit versucht, Karen im Bett zu trösten, bemerkt er, daß sich die Haut an ihren Oberschenkeln in schleimige, blutige Fetzen schält. Sie ist ebenfalls infiziert und wird deshalb von den anderen in einen als Quarantänestation genutzten Schuppen nahe der Hütte verbannt. Da das Auto beschädigt ist und es nicht möglich ist, zu Fuß Hilfe zu organisieren, sind sie vorerst an den Ort gebunden. Dadurch treten Rivalitäten untereinander auf, die Gruppe zerfällt. Außerdem lauert im Unterholz ein beißwütiger Hund, und aggressive, halbdebile Dorfbewohner sowie ein korrupter Sheriff machen den Jugendlichen das Leben zusätzlich schwer. „Cabin Fever“ ist eine nervenaufreibende Mischung aus Teeny-Horror und Virus-Schocker. Das aus Filmen wie „Scream“ bekannte „10 kleine Negerlein“-Spiel der nacheinander hingemetzelten Teenager kombiniert Eli Roth mit der bedrückenden Beschäftigung der Veränderung und dem Verfall von Menschen unter viralem Einfluß. Erschütternd wirkt beispielsweise eine Szene, in der sich die hübsche Marcy, weinend vor Schmerz und Angst, sinnlos in der Badewanne ein letztes Mal die Beine rasiert, von denen teils schon blutige Fetzen hängen. Roth schuf mit „Cabin Fever“ einen beklemmenden Film, der zwar vom Spannungsbogen her durchaus in den Bann zieht, aber aufgrund abstoßender Ekelszenen nichts für ästhetische Gemüter ist. Nur wenige Einlagen absurden Humors ermöglichen es dem Publikum, kurz durchzuatmen und Anspannung zu verlieren. Kultregisseur David Lynch lobte den Film für dieses Gleichgewicht zwischen Humor und Horror. Regisseur Eli Roth, Jahrgang 1972, stammt aus Boston und zerstückelte bereits im zarten Alter von elf Jahren seine Brüder filmisch in seinem ersten Splatter-Streifen. Später las er einen Artikel über Viren, die einen Menschen in weniger als 24 Stunden vertilgen könnten. Nach Angaben der Verleihfirma infizieren sich mehr als 1.500 Menschen allein in den USA jährlich mit sogenannten „nekrotisierenden Fasciitis“, einer Art fleischfressender Streptokokken. Im August 2002 hätten sich außerdem drei Fischer in Massachusetts mit dem „Fotobacterum Damsela“, einer im Wasser lebenden Art fleischverzehrender Viren infiziert. Bis heute ist unklar, wie es zu einer Infektion mit solchen Viren kommt, die sich in weniger als einem Tag durch den Körper fressen. „Cabin Fever“ wurde in den USA ein Erfolg. Der für nur 1,5 Millionen Dollar gedrehte Low-Budget-Film spielte immerhin 22 Millionen Dollar ein. Eine gute Bilanz für einen soliden Horrorfilm, der allerdings die Ekelgrenze mehr als einmal überschreitet und alles andere als innovativ ist. Zudem gerät die Charakterzeichnung der Figuren zu eindimensional. Konflikte werden zwar angedeutet, aber nicht anspruchsvoll ausgetragen. So bleibt nur wenig vom Charakterspiel übrig, im Vordergrund steht der pure Effekt.

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