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Eine natürliche Ordnung der Freiheit

Vom amerikanischen Ökonomen Randall G. Holcombe stammt eine interessante Prognose : Das 20. Jahrhundert, so Holcombe, war eine ideologische Schlacht zwischen den politischen Systemen Demokratie und Diktatur. Die Demokratie hat gesiegt. Weil aber politische Systeme eng mit ökonomischen Systemen zusammenhängen, wird nun die Demokratie in Konflikt geraten mit der wirtschaftlichen Freiheit. Deshalb wird der Streit des 21. Jahrhunderts der Streit zwischen Demokratie und Liberalismus sein.

Als wollte es diese These beweisen, ist gerade ein eminent wichtiges Buch zur Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Demokratie (das in den USA bereits in 5. Auflage vorliegt) auch in deutsch erschienen: "Demokratie – Der Gott, der keiner ist" aus der Feder des Ökonomie-Professors Hans-Hermann Hoppe. Er ist – nach dem Tod des genialischen Murray N. Rothbard – Nachfolger auf dessen Lehrstuhl an der Universität von Las Vegas und der führende Kopf des "rechten" (wertekonservativen) Flügels der amerikanischen Libertarians. Diese stringentesten aller Freiheitsdenker weltweit nennen sich selbstironisch auch Paleos. Sie stehen in der akademischen Nachfolge der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – und deren brillantestem Vertreter, Ludwig von Mises.

Wie Mises, so entstammt auch Hoppe dem deutschen Sprachraum (Mises war Österreicher, Hoppe ist Deutscher), und wie Mises lehrt auch Hoppe in den USA. Wäre dem nicht so, würde es das hier vorgestellte Buch nicht geben, denn kein deutscher Professor könnte und würde es wagen, eine derart provokante Schrift vorzulegen. Aus dem sozialdemokratischen (sprich: sozialsozialistischen) Einheitsmief kann hierzulande keine Lehrstuhlgröße ausbrechen, ohne sofort zum Fraßopfer der politisch korrekten Medien-Hyänen zu werden.

Die meisten Gesellschaftswissenschaftler wissen zwar um die Tatsache, daß der Mechanismus des Machtgewinns und Machterhalts in der Demokratie nach dem Prinzip "Raub und Bestechung" funktioniert: das Volk mit Steuern und Abgaben abzocken, um das Geraubte dann den potentiellen Wählerschichten als Almosen und Belohnung anzubieten. Sie wissen auch, daß der Sozialphilosoph Anthony de Jasay recht hat, wenn er sagt, daß man mit prozeduralen Methoden – wozu auch die demokratische Kollektiventscheidung gehört – keine inhaltlichen Probleme lösen kann; und sie kennen auch die Warnung des großen Demokratie-Theoretikers Giovanni Sartori, der geschrieben hat: "Löst sich die Herrschaft des Rechts in die des Gesetzgebers auf, so steht grundsätzlich der Weg zur subtilsten Form der Unterdrückung offen: der ‚im Namen des Gesetzes’". Aber eine klare Alternative zu dieser "defekten Sozialordnung" (Hoppe) stellen sie nicht vor. In diese Lücke springt Hoppe mit seinem brillanten Plädoyer für die "natürliche Ordnung" der Freiheit, die staatsfreie Marktwirtschaft.

Hoppe zeigt nicht nur auf, wie die der Demokratie systemimmanente Maschinerie der Einkommens- und Vermögens-Umverteilung die Effizienz der Marktwirtschaft (und damit den allgemeinen Wohlstand) zerstört, sondern auch, wie und warum sie Entzivilisierung und moralischen Zerfall bewirkt. Denn von allem, was subventioniert wird, gibt es danach mehr: Nicht nur subventionierte Milch führt zu überflüssigen Milchseen, die vernichtet werden müssen, sondern auch die Armut wird zunehmen, wenn sie subventioniert wird; und genauso die Arbeitslosigkeit, alleinstehende Mütter, uneheliche Kinder, Scheidungen, auseinandergebrochene Familien, Kriminalität, politische Schmarotzerkasten, Aids-Kranke und Drogensüchtige: Von allem wird man mehr bekommen, wenn man es durch Umverteilung subventioniert.

Hoppes Vorschlag, dem Zerfall Einhalt zu gebieten, ist ebenso radikal wie konsequent, nämlich alle Kostgänger des Staates, seien es Staatsbedienstete oder Empfänger irgendwelcher Subventionen, vom Wahlrecht auszuschließen.

Besonders Interessantes hat Hoppe zu den originären Gemeinsamkeiten der Konservativen und der Libertären zu sagen. In beiden Bewegungen haben leider die Vertreter eines verfälschten Inhalts die Oberhand gewonnen, weshalb sich die Anhänger einer natürlichen Ordnung in beiden Lagern auf ihre gemeinsamen Wurzeln besinnen sollten. Die Klassischen Konservativen, so Hoppe, wußten noch um die Gefahr, welche die Verstaatlichung des Bildungswesens und der Verantwortung (durch Sozialversicherungen) erzeugen würde: daß sich nämlich die einer natürlichen Rebellion unterliegenden Heranwachsenden von der Disziplin "emanzipieren" würden, welche das Aufeinanderangewiesensein des Familien- und Gemeinschaftslebens den Menschen auferlegt. Und sie wußten, daß diese trügerische Form der "Befreiung" zu einer systematischen Infantilisierung der gesamten Gesellschaft – und direkt in die Arme des Staates führt.

Die "modernen" Konservativen sind in die Falle der kollektivistischen und latent totalitären Gesinnungsethik getappt. Soweit sie noch Widerstand leisten gegen uferlose Einwanderung, gegen die vollständige Egalisierung der Geschlechterrollen, gegen die politische "Lufthoheit über den Kinderbetten" und gegen die Ganztags-Indoktrination ihrer Kinder in staatlichen Schulen – kurz: gegen die Eliminierung der bürgerlichen Familie, werden sie umgehend mit den Brandzeichen Rassismus, Diskriminierung und Entsolidarisierung versehen. Nur wenn die Konservativen die libertären Prinzipien der Vertragsfreiheit und der Unverletzlichkeit privater Eigentumsrechte übernehmen, können sie erkennen, wie mit den Begriffsverfälschungen der political correctness Recht in Unrecht verwandelt wird – und Unrecht in sogenannte "Rechte" (Anspruchsrechte). Und nur dann wird den Konservativen klar, daß sie selber es sind, die auf der Seite des Rechts – nämlich auf der Seite der natürlichen Persönlichkeits-, Freiheits- und Menschenrechte – stehen, und nicht die scheinheiligen Künder vom "Wertekonsens der Demokraten". Die wahren Konservativen können in der libertären Theorie der Gerechtigkeit eine genauere Definition und eine rigorosere Verteidigung ihres Ziels (der Rückkehr zur Zivilisation in Gestalt moralischer und kultureller Normalität) finden als in den eigenen immer staatshöriger gewordenen Reihen.

Die Libertären andererseits haben sich allzusehr der gegenkulturellen Linken mit ihrem Multikulturalismus und kulturellem Relativismus geöffnet. Sie sollten sich auf Rothbard, den Vater der "echten" libertären Bewegung besinnen, der die Anhänger solcher Lebensstile verächtlich als "Nihilo-Libertäre" bezeichnet hat. Die originäre libertäre Ethik ist eben nicht neu, sondern alt und konservativ. So beispielsweise das Wissen um die Tatsache, daß mit dem Schwinden familiärer und gesellschaftlicher Hierarchien und gewachsener Autoritäten ein Vakuum entsteht, in welches unweigerlich die Staatsmacht einzieht. Freiwillige Ordnungsstrukturen werden so zu erzwungenen Organisationsstrukturen. Echte Libertäre müssen deshalb insofern Konservative sein, als sie für die natürlichen Grundlagen einer jeden funktionierenden Gemeinschaft eintreten, also für die Institutionen, Schichten und Hierarchien sozialer Autorität und für deren wichtigsten Baustein, die Familie. Man kann, so Hoppe, entweder das eine, den massendemokratischen Wohlfahrtssozialismus haben, oder das andere, die traditionelle Moral in gewachsenen Strukturen. Man kann weder keines von beidem noch beides zugleich haben.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie weit sich viele Konservative, Liberale und Libertäre von ihren Wurzeln entfernt haben. Doch gerade, wenn man auf zeitgeistkonformen Abwegen umherirrt, ist es erhellend, den Weg aus dem Labyrinth klar gezeichnet vor sich zu sehen. Wer wissen möchte, was Freiheit ist, freie Menschen in einer freien Ordnung – voilà: Bei Hoppe findet er die Antwort. Und niemand, der sich konservativ, liberal oder libertär nennt, sollte dies künftig tun, ohne sich dem Lackmustest der Hoppe-Lektüre unterzogen zu haben. Dieses Buch zwingt zur intellektuellen Redlichkeit.

Hans-Hermann Hoppe: Demokratie – Der Gott, der keiner ist. Verlag Manuscriptum, Waltrop/ Leipzig, gebunden, 547 Seiten, 24,80 Euro

Roland Baader ist Diplom-Volkswirt und Autor zahlreicher Bücher.

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