Her mit der Quote

Rechtzeitig zur am Mittwoch in Berlin eröffneten Musikmesse „Popkomm“ haben über 600 Musiker und Produzenten in einem Aufruf „mehr Vielfalt“ und weniger „anglo-amerikanischen Mainstream“ im Radio gefordert. Der Anteil deutscher Musik soll per Gesetz von derzeit weniger als zwei Prozent deutlich angehoben werden. Unterstützung erhalten die besorgten Künstler – unter ihnen Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg, Laith Al-Deen und Xavier Naidoo – von der Grünen-Politikerin Antje Vollmer und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Die prominente politische Fürsprache verhalf der Initiative prompt zu einer Anhörung im Bundestag. Als vielgelobtes Beispiel für ihren Vorschlag gilt den Initiatoren Frankreich, wo seit 1996 eine Quote dafür sorgt, daß mindestens 40 Prozent der im Radio gespielten Lieder von französischen Musikern stammen. Wer sich nicht an die Quote hält, muß mit Bußgeld, Sendepausen oder gar dem Verlust der Sendelizenz rechnen. Ein Strafkatalog, mit dem sich auch die deutschen Künstler anfreunden können. Der Vorstoß für mehr deutsche Musik im Äther ist nicht neu. Neu ist, daß die Musikszene relativ geschlossen hinter der Forderung steht und diese nicht länger nur von Politikern erhoben wird, die unter Volksmusik-„Verdacht“ stehen. Der Sinneswandel der Musikschaffenden ist allerdings weniger mit einer neuentflammten Liebe zur deutschen Sprache als vielmehr mit der Krise der Musikbranche zu erklären: In Frankreich zog der Verkauf französischer Platten durch die Quote merklich an – ein Phänomen, über das sich auch hiesige Musikproduzenten freuen würden.

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