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Tastenspiele

Die Welt der Tasteninstrumente ist enorm vielfältig: Abgesehen von Klavier und Flügel sowie ihren zahllosen historischen Zwischenformen ist genau genommen auch jede Kirchenorgel und jedes Bandoneon oder Akkordeon ein Tasteninstrument. Die japanische Pianistin, Musikwissenschaftlerin und Organistin Mana Usui hatte die gute Idee, eine CD mit „Orgelmusik für Kinder“ einzuspielen. Im Beiheft erläutert sie ihr Konzept: „Den Kindern tief und bleibend Orgelmusik zu vermitteln, diesen Gedanken bewege ich seit längerer Zeit. Alle Stücke sollen Lieblichkeit und Anmut ausstrahlen. (…) Wenn ich schreibe, Eltern sollten ihren Kindern diese Musik nahebringen, so klingt dies nach Zwang. Aber ich habe einen Sohn, der gerade 7 Jahre alt geworden ist. Bei ihm war immer klar, welche Musik er mag. Dies drückte sich sofort in Mitsingen, Mittanzen oder in einem zufriedenen, glücklichen Gesicht aus.“ Natürlich ist die Werkauswahl bei einem solchen Konzept eingeengt. Präludien, Fugen, kontrapunktische Raffinessen, donnernde Registerspiele – all dies entfällt und muß entfallen. Statt dessen sind einfache Formen, klare Rhythmen und Gliederungen zu hören. Mana Usui registriert kammermusikalisch schlicht, ohne Schärfen und Überraschungen. Alles klingt, wie fürs Kinderzimmer komponiert: reibungslos, lyrisch, abgeglättet. Trotzdem: für unsere zunehmend verfettenden, trägen und zugleich überreizten Zappelkinder und deren geplagte Eltern ist das Konzept gut und richtig. (Orgelmusik für Kinder. Vertrieb: Opal-Verlag Kassel. Bestellnummer: 990 12). Vierhändig auf dem damals sogenannten Fortepiano zu spielen war im 19. Jahrhundert Pflicht und Höhepunkt in jedem musikalischen Salon. Die berühmtesten Komponisten schrieben dafür; viele Werke fanden weltweite Verbreitung. Heute ist dieses Repertoire fast verschwunden und dem Schemann-Klavierduo für die Präsentation ihrer CD „Tänze – Zugaben“ um so mehr zu danken. Susanne und Dinis Schemann haben genau die richtigen Autoren ausgewählt: Brahms (Ungarische Tänze), Schubert (Polonaisen), Liszt (Polonaise), Schumann (Ballszenen), Dvorák (Slawische Tänze), Poulenc usw. Richtig in Fahrt kommt das technisch brillant musizierende Duo in der Italienischen Polka von Rachmaninow, im Finale von Saint-Säens „Karneval der Tiere“ und in Milhauds „Scaramouche“. In atemberaubenden Tempo und zugleich witzig im Milonga-Rhythmus ausmusiziert, stellt das letztgenannte Werk den absoluten Höhepunkt der CD dar. Eine wunderbare Repertoire-Ergänzung für den Plattenschrank abseits der ausgetretenen Pfade. Empfehlung! (Tänze – Zugaben. pianissimo records: pi 01 404). Georg Katzer, der namhafte Avantgardist aus Zeuthen, wurde vor etwa zehn Jahren durch den außerordentlich innovativen Berliner Akkordeonisten Gerhard Scherer zur Komposition etlicher Stücke für das Instrument angeregt. Neben Solo-Stücken entstand eine Reihe bemerkenswerter Kammermusiken wie SaitenZungenSpiel (für Violine und Akkordeon), Dialog imaginär (für Akkordeon und Tonband), Versuchte Annäherung (für Cello und Akkordeon) und etliches mehr. Produziert wurde die „Kammermusik mit Akkordeon“ in Trossingen, im Zentrum der akkordeonistischen Welt also, und es spielen außer Gerhard Scherer mit Claudia Buder und Ivan Koval zwei bemerkenswerte Vertreter der Weimarer Akkordeon-Zunft. Auch alle anderen Interpreten sind erste Wahl und bewältigen die zum Teil außergewöhnlichen Schwierigkeiten der verteufelt ausgetüftelten Katzerschen Strukturen bravourös. Nicht für jeden Geschmack sicherlich, aber sehr anregend! (Georg Katzer: Kammermusik mit Akkordeon. kreuzberg records: kr 100 54).

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