Raus aus dem Hinterhof

Der vergangene Sonntag war ein ganz besonderer Tag für die katholische Gemeinde St. Petrus in Berlin: Das Priorat am Breitenbachplatz im Bezirk Wilmersdorf wurde mit der Weihe des Gemeindesaals bezogen (Glockenweihe: JF 29/02). Gemäß den römischen Anweisungen wurde das Gemäuer von innen und außen exorziert, so daß böse Geister dort nichts mehr zu melden haben. Mit dem sakralen Akt steht das Gebäude bereit für die tägliche Meßfeier. Mit der Inbetriebnahme tritt die kleine Gruppe „ewiggestriger“ Traditionalisten, die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) betreut wird, durch einen richtigen Kirchbau in die Öffentlichkeit. Die „Unruhe im katholischen Klerus“ der Hauptstadt dürfte damit weiter geschürt werden – zumal sich die Amtskirche darauf vorbereitet, mit dem „1. Ökumenischen Kirchentag“ in Berlin dem Glaubensrelativismus ein weiteres Denkmal zu setzen. Bisher feierte die Gemeinde ihren Gottesdienst in einem ehemaligen Offizierskasino am Kreuzberger Mehringdamm. Die Hinterhofatmosphäre förderte zwar das Gefühl, Mitglied einer verschworenen Gemeinschaft zu sein, dürfte aber auch etliche Christen abgeschreckt haben. Mit dem neuen Standort sind die Gemeindeeinrichtungen nun auch für das Umland schneller zu erreichen. Auf das Meßopfer im fertigen Kirchenschiff müssen die Gläubigen trotz des Umzugs aber noch immer warten, denn die reiche Innenausstattung konnte noch nicht realisiert werden. Fertiggestellt sind hingegen die drei Priesterwohnungen, in denen jetzt zwei ständige Patres für das Seelenheil zuständig sein werden: Pater Heggenberger, Distriktoberer Deutschlands und bisher in Stuttgart ansässig, wird von Pater Jasny unterstützt. In dem dritten Zimmer werden diejenigen Priester rasten, die in regelmäßigen Abständen Nordeuropa und die baltischen Länder missionieren. Berlin wird damit wieder zu einem geistigen Zentrum, wie in den Zeiten vor der Reformation. Allerdings ist die Freude nicht ganz ungetrübt, denn Pater Goesche, der bis vor wenigen Wochen die Bauplanung und die Gemeinde geleitet hatte, trennte sich von der Piusbruderschaft im Zorn, nachdem sie seinen Wunsch, eine zusätzliche Gemeinschaft zu gründen, nicht unterstützt hatte. Die Kontroverse beunruhigte die Gläubigen zwar, konnte aber letztlich das Projekt nicht gefährden. Die rund 80 Christen, die am 2. März das tridentinische Hochamt feierten, dürften schon bald weiteren Zulauf bekommen.

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.

aktuelles