Du mein stilles Tal

Wer bei dem merkwürdigen Titel an die Gesänge von Britney Spears denkt, liegt völlig daneben. Gemeint sind nämlich „Operations“, in diesem Fall mehr als waghalsige Stunts und wahrlich atemberaubende Action-Szenen. Die sind dann aber auch das einzig Bemerkenswerte an diesem Film, dessen Regisseur Christian Duguay uns noch mit Filmen wie „Art of War“, „Scanners II: The New Order“ und „Scanners III: The Takeover“ in unguter Erinnerung ist. In „Extreme Ops“ ist es vor allem die nervtötende Selbstgefälligkeit, mit der hier – ganz im Gegensatz zu den immer auch ironisch gebrochenen Action-Szenen und Stunts der James Bond-Filme beispielsweise – unerbittlich aufs Tempo gedrückt wird, und die einen dennoch bereits nach ganz kurzer Zeit immens langweilt und ermüdet. Die dazu passende enervierend hämmernde Techno-Musik tut ein übriges, um Thriller-Stimmung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dabei ist die Geschichte simpel und schnell erzählt. Ein Expertenteam aus Werbefuzzies und Stuntmännern- und frauen reist in die österreichischen Karawanken und wird wegen einer besonders spektakulären Lawinensequenz in ein abgelegenes Tal verschlagen. Doch während die alpinen Extremisten in aller Ruhe ihrem höchst riskanten Job nachgehen, in kleinen Kajaks große Wasserfälle hinuntersausen oder mit Schneebrettern aus Helikoptern abspringen, ahnen sie nicht im entferntesten, wem sie mit ihren sportlichen Höchstleistungen gewaltig in die Quere kommt. Denn in der Bergstation, in der die Werbefilmer ihre Zelte aufgeschlagen haben, residieren auch der totgeglaubte serbische Kriegsverbrecher Pavlov (Klaus Löwitsch), seine exotische Geliebte Yana (Liliania Komorowska) und sein Sohn Slavko (David Scheller) nebst einer ganzen Terroristen-Bande. Irgendwann und irgendwie läßt es sich offenbar nicht vermeiden, daß auch diese unerfreulichen Zeitgenossen vor die Kameras der Werbefuzzies geraten, was weltweit gesuchte Polit-Kriminelle naturgemäß nicht besonders amüsant finden. Und so ist in dem einstmals stillen Karawankental schon bald der Teufel los, es kracht und zischt allerorten, daß selbst so nervenstarkes Getier wie Steinböcke und Murmeltiere unversehens das Weite suchen und sich in dunklen Felsspalten vor dem plötzlichen Einbruch von Werbung, Terrorismus und Tourismus in ihre bislang heile Welt verstecken. Schließlich beginnt eine hals- und knochenbrecherische Flucht zwischen explosionsartigen Lawinen, Helikopterattacken und vereisten Gletscherspalten, bei der sämtliche Gesetze der Schwerkraft aufgehoben sind… Erbarmungslose Verfolgungsjagden und Extremsport-Events im Kinoformat, das müßte doch eigentlich für einen spannenden Action-Thriller vollauf genügen. Tut es aber nicht! Daß der Film dennoch garantiert sein Zielpublikum finden wird, ist der Mentalität einer Kinogänger-Generation geschuldet, die schnelle Schnitte, rasante Action und Dialoge, die aus einem Comic für Legastheniker stammen könnten, notorisch mit Spannung verwechselt. Man mag dies bedauern, aber die Fakten sind nun einmal so. Bedauerlich ist jedoch, daß der im letzten Jahr verstorbene Klaus Löwitsch, einer der ganz wenigen deutschen Schauspieler von Weltrang, als Bösewicht vom Dienst hier in einer Weise unterfordert wird, die er nun wirklich nicht verdient hat.

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