Jupiter macht nur nette Versuche

Die Medienwelt bestaunt das Mirakel der Woche.
Der Axel Springer Verlag verkündete, daß er den für 2001 gemeldeten Verlust von rund 200 Millionen ausgeglichen und im Jahre 2002 wieder schwarze Zahlen geschrieben habe, zwar recht knapp, aber immerhin. Und dieser Erfolg sei nicht etwa Verkäufen oder Abschreibungen zu verdanken, sondern ausschließlich das Resultat eisernen Sparens und unternehmerischer Kaltblütigkeit. Geschäfts- und Medienleute fragen sich nun, was da wirklich bei Springer passiert ist. Von „Kostensenkung, Portfoliobereinigung und Effizienzsteigerung“ ist die Rede, aber die Medienkrise schwelt ungebrochen weiter, auch bei Springer. Auffällig im Konzern war 2002 lediglich der rasante Personalabbau. Jedem neunten Mitarbeiter ist gekündigt worden, und diese Art von Kostensenkung geht laut Verlagsmitteilung auch in diesem Jahr weiter. Altgediente Springer-Kämpen werden in Frühpension geschickt, Redakteure in Spitzenposition, denen ein Ausscheiden nahegelegt wurde und die daraufhin zum Anwalt gingen, werden planvoll „gemobbt“, damit sie endlich aufgeben. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Der seit Anfang 2002 waltende neue Vorstandschef Mathias Döpfner, der früher gern als „Mister Rote Zahlen“ apostrophiert wurde, hat sich schnell zum entschlossenen Rausschmeißer und Zusammenleger entwickelt. Schon macht in der Branche ein neues Tätigkeitswort die Runde: „döpfnern“. Wer in den Redaktionen und Verlagen dem Sparkurs im Wege steht, der wird jetzt auch anderswo gnadenlos „gedöpfnert“ bzw. „ausgedöpfnert“. Daß eines Tages Döpfner ausgedöpfnert werden könnte, darüber macht er sich keine Sorgen. Er ist sicher, daß eventuelle Fehler seinerseits immer als „netter Versuch“ entschuldigt und hingenommen würden. „Quod licet Jovi, non licet bovi.“ Was dem Ochsen passiert, das kann Jupiter nie passieren.

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