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Ein Mann sprengt alle Kategorien

Wer zu den Quellen gelangen will, muß bekanntlich gegen den Strom schwimmen. Ein solch unbequemer Schwimmer gegen den Strom der Mehrheit war Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), der sich zeitlebens immer neu mit dem Zeitgeist auseinandersetzte, Klischees entlarvte, und mit streng logischem Denken für die Wahrheit stritt. Am bekanntesten sind zweifelsohne seine Father-Brown-Stories, doch hat er darüber hinaus Gedichte, Biographien, Erzählungen und allein mehr als 4000 Essays verfaßt. Mit Logik und Humor lieferte Chesterton stets unkonventionelle Gedankengänge und forderte seine Leser zur geistigen Auseinandersetzung heraus. Dabei liebte Chesterton die Provokation und vor allem das Paradoxon. Die körperliche Erscheinung Chestertons steht in Analogie zu seinem Inneren: Er war ein „Hüne“ von fast zwei Metern Höhe und einem enormen Leibesumfang; er war ein Gourmand, Zigarrenraucher, Vieltrinker und Vielschreiber. Doch Chesterton war auch ein geistiges Genie, der sich mit den Intellektuellen seiner Zeit öffentliche Streitgespräche lieferte und der nur selten widerlegt werden konnte, denn seine Logik war zwingend. Chesterton war ein echter Apologet und dies besonders in der Verteidigung des Katholizismus. Im Alter von 16 Jahren war er – nach eigener Aussage – ein völliger Agnostiker, mit 48 schockierte er die Öffentlichkeit, als er zur katholischen Kirche konvertierte. Denn für viele seiner Zeitgenossen gab es kaum einen größeren Widerspruch als den zwischen katholischem Gauben und logischem Denken. Schon in den Jahren 1998 und 2000 erschienen im Eichborn-Verlag Chestertons autobiographisch gefärbten Essay-Bände „Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter“ und „Orthodoxi. Eine Handreichung für die Ungläubigen (mit einem Vorwort von Martin Mosebach)“.Die Autobiograpie, die Chesterton in seinem Todesjahr 1936 auf Drängen seiner Sekretärin verfaßte, erschien in deutscher Übersetzung 1952 bei Herder unter dem Titel „Der Mann mit dem goldenen Schlüssel“, und war seit langem selbst antiquarisch nur schwer erhältlich. Nun ist dem neugegründeten Bonner Verlag „nova et vetera“ als eine seiner ersten Veröffentlichungen die Neuauflage dieses Klassikers gelungen. Auch die Autobiographie ist so wie Chesterton selbst: Sie sprengt sämtliche Kategorien. Wie in seinen Romanen und Essays, so geht Chesterton auch bei der Beschreibung seines eigenen Lebens nicht nüchtern-chronologisch vor, sondern überschlägt sich geradezu in seinen Gedankengängen. Diese Autobiographie ist eine Essay-Sammlung über viele seiner Zeitgenossen wie zum Beispiel George Bernhard Shaw, Hilaire Belloc, Herbert George Wels und William Butler Yeats; sie ist eine philosophische Apologetik gegen den Irrationalismus, den Pessimismus, den Fatalismus, den Modernismus, den Agnostizismus und andere Irrtümer und sie ist nicht zuletzt eine Detektivgeschichte: Als Kind sah Chesterton in einem Puppentheater, das sein Vater für ihn anfertigte, die Figur eines jungen Mannes mit einem großen goldenen Schlüssel. Diese Kindheitserinnerung bleibt für ihn das Rätsel seines Lebens. Er löst dieses Rätsel und findet den Mann mit dem goldenen Schlüssel. Es ist der Papst, dem als Nachfolger Petri die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut sind. Im katholischen Glauben findet Chesterton auch die Antwort auf sämtliche anderen Fragen und Rätsel, die seine Beobachtung und sein eigenes Leben ihm aufgeben. Von hierher erst kommt Ordnung in sein Leben. „Wenn Leute mich fragen oder irgendwie sonst die Frage an mich herantritt, ‚Warum schlossen Sie sich der römischen Kirche an?‘, ist die erste wesentliche, wenn auch zum Teil auch abgekürzte Antwort: ‚Um von meinen Sünden frei zu werden.‘ Denn es gibt kein anderes religiöses System, das wirklich verkündet, die Menschen von den Sünden frei zu machen.“ Es bleibt ein großes Verdienst für den noch kleinen Verlag mit angegliedertem Antiquariat, diese Autobiographie eines virtuosen und vielseitigen Schriftstellers und Querdenkers dem Leser wieder zugänglich gemacht zu haben. Gilbert Keith Chesterton: Autobiographie; übersetzt von Hubert Schiel. Verlag Nova & Vetera, Bonn 2002, 367 Seiten, 25,50 Euro

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