Ein Gral ist keine Sammelbüchse

Nähert sich die große Zeitungskrise jetzt ihrem Ende? Viele fleißige Journalisten, liest man im Spiegel, säßen zur Zeit hier und da beisammen, um an interessanten und vielversprechenden neuen Druckobjekten zu basteln, so beispielsweise Wolfram Weimer, voriges Jahr geschaßter Chefredakteur der Welt, der in Potsdam, im Auftrag des Schweizer Ringier-Verlags und umgeben von nicht weniger als zwanzig Helfern, an der sogenannten Nullnummer eines Superintellektuellen-Magazins namens Parzival arbeite. Nur das Allerfeinste vom Allerfeinsten, heißt es, solle bei Parzival zum Zuge kommen, nur „prominenteste“ Autoren. Denn man wolle etwas in Deutschlands nie Dagewesenes auf die Beine stellen, „eine Mischung aus Atlantic Monthly und New Yorker“. Martin Walser sei bereits als Berater gewonnen. Die Stimmung des Teams sei blendend, denn: „Es gibt noch Leser in Deutschland, und es gibt auch noch Anzeigenkunden!“ Nun, zweifellos gibt es noch qualifizierte Leser in Deutschland, aber ob die unbedingt ein weiteres Magazin goutieren würden, das nichts als prominenteste Prominenz und ein paar teure Luxus-Anzeigen anzubieten hätte, ist fraglich. Die Masche ist längst durchprobiert. „Radical Chic“ nannte man das einst, und es war kein Erfolgsrezept. Man fragt heute in qualifizierten Kreisen nicht mehr nach Chic, auch wenn er „radikal“ daherkommt, vielmehr sehnt man sich nach soliden Inhalten und nach neuer Ernsthaftigkeit. Das einzig Vielversprechende an dem Unternehmen Parzival scheint mithin sein Name zu sein. Der ist originell und provoziert allerlei Assoziationen. Der Ur-Parzival des Mittelalters, vor allem aber der „Parsifal“ von Richard Wagner war ja nun wirklich genau der Inbegriff von neuer Ernsthaftigkeit. Der Heilige Gral, den er suchte und gewann, war alles andere als eine Sammelbüchse für Luxus-Anzeigen, gerade das Gegenteil. Schmückt sich hier jemand mit fremden Federn?

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