Wie man’s macht, macht man’s verkehrt

Von all den unwichtigen Nachrichten, die ja wie jeden Tag, jede Stunde und jede Minute durch das Netz rauschen, war eine ganz besonders unwichtig, aber doch schon vielsagend: Arbeitsministerin Andrea Nahles, Justizminister Heiko Maas, Familienministerin Manuela Schwesig und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen übernachten während ihrer Berlin-Tage nicht etwa in extra angemieteten Wohnungen, sondern in Nebenräumen ihrer Ministerbüros.

Was daran nun interessant, geschweige denn „vielsagend“ sei, mag sich der ausgeglichene und selbstbewußte Leser nun fragen. Und diese Frage stellt er zurecht. Spannend ist nicht der Umstand an sich, faszinierend ist, daß es tatsächlich in der Zeitung erscheint, und daß sich tatsächlich jemand darüber empören kann. Gesine Lötzsch von der Linkspartei zum Beispiel: Sie findet, daß man sich mit dem „üppigen Salär“, wie sie zitiert wird, eines Ministers doch wohl eine Wohnung in Berlin mieten sollte – und meint: muß.

Das – in sarkastischer Hinsicht jedenfalls – Ultralustige an dieser radikal unwichtigen Nebensächlichkeit ist, daß ein Parteimitglied der SED-Nachfolgepartei sich öffentlich mit diesem blockwartigen Gehabe schmückt. Und der Spiegel macht mit: Schwesig stehe „ein komplett eingerichteter Wohnbereich zur Verfügung“, und das sogar mit „mit Bett, Kommode, Dusche und Zugang zur benachbarten Küche“! Herrjeh! Ursula von der Leyen bewohnt sogar einen „7,4 Quadratmeter großen Durchgangsraum zum Sanitärbereich, der mit einem schmalen Bett ausgestattet ist“. Nicht etwa 7,3 Quadratmeter, auch nicht 7,5. Nein: Exakt 7,4.

Man könnte es auch bescheiden nennen

Lötzschs Zitat vom „üppigen Salär“ befördert Hauptstadtgeschwätz zur zitierfähigen Aussage und sagt letztlich mehr über sie selbst, als über die Minister aus. Es ist diese „Das kann doch wohl nicht sein!“-Mentalität, dieses Neidische, dieses geschwätzige Gehabe. Man hätte die Schlafräume in den Büros auch als besonders bescheidene Art auffassen können, als besonders hohe Dienstauffassung oder großen Arbeitseifer, weil sie ihrer Verantwortung gerecht werden wollen. Egal, was man nun von deren Politik hält, aber vielleicht ist es ja wirklich so.

Aber all das kommt in der Opposition wohl nicht in Frage. Ein Glück nur, daß man selbst nicht an die Macht kommen muß.

 

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